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  • Stephan Goll

mehr als 1000 Beiträge seit 18.01.2000

IT-Sicherheit? Privatsphäre? Scheu vor Öffentlichkeit?

> Scherschel stellt aber auch die Frage, ob wir bei den Themen IT-Sicherheit
> und Privatsphäre nicht grundsätzlich umdenken müssen. Ist die typisch
> deutsche Scheu vor der Internet-Öffentlichkeit noch zeitgemäß?

Mal überlegen: bisher habe ich mich mit IT-Sicherheit nur rudimentär beschäftigt. So habe ich mich z.B. von Windows abgewendet, weil mir die Sicherheit eines Betrybssystemes, welches so dermaßen mangelhaft dokumentiert und dessen Funktion so unglaublich unverständlich ist und welches noch dazu eine Firewall als notwendigen Bestandteil des Betrybssystemes proagandiert, einfach nicht ausreichte. Das war damals, als es XP noch nicht auf den Markt geschafft hatte, NT4 noch supportet wurde und Win 98 lediglich ein buntes Frontend für DOS war. Sicherheit war damals irgendwie bei Microsoft noch kein wichtiges Thema, es gab offene Ports für SMB und NetBIOS und was nicht noch alles per Default installiert und aktiviert wurde.

Unter Linux war das anders. Wenn man einen Dienst nicht brauchte, so hat man den offenen Port nicht einfach hinter einer Firewall versteckt, sondern den Dienst deinstalliert. Thema erledigt. Und ja, ich habe unter Linux nicht alles Mögliche installiert, sondern nur das, was ich so brauche. Unter Linux kann ich auch mehrere verschiedene Useraccounts zur gleichen Zeit nutzen, Onlinebanking mit einem, normales Surfen mit einem anderen, und Surfen mit Flash unter einem dritten Account. IT-Sicherheit? Ist eingebaut. Kein Grund, da großartig darüber nachzudenken. chmod und chown regeln.

Privatsphäre ... großes Thema, aber eigentlich nicht wirklich. Mein Rechner ist mein Rechner, die Kontrolle darüber, was rausgeht ... habe ich. Smartphone ... ist kein Thema, habe ich nicht. Es muß mich also auch nicht kümmern, was mein (nicht vorhandenes) Smartphone irgendwelchen Dienstleistern verraten könnte. Facebook, Twitter, Netflix, Amazon Prime, Google, Cloudkram: geht mir alles am Arsch vorbei, kümmert mich also auch nicht. Ich hab zwar 'nen Google-Account wegen des Android-Tablets, aber den nutze ich nicht bzw. nur wenn ich das Tablet update. Meine Privatsphäre sehe ich als nicht gefährdet an, es gibt also wie bei meinem Rechner keinen Grund, sich damit intensiver zu beschäftigen.

Internet-Öffentlichkeit? Ich habe keinerlei Verlangen, mich auf Facebook und Co. zu exhibitionieren. Es gibt keine Notwendigkeit, daß ich im Internet auffindbar sein sollte. Scheu? Hmmm. Möglich. Andererseits hingegen lache ich doch zu gern über die Leute, die sich über Facebook und Co. aufregen, es aber trotzdem nicht unterlassen, denen irgendwelche Daten nachzuwerfen. Und ich lache auch zu gerne über Leute, die sich über ihr "spionierendes" Windows oder über ihr "spionierendes" Smartphone aufregen und nicht bereit sind, diese Funktionen zu deaktivieren oder gleich ganz auf den Kram zu verzichten. Scheu? Eher konsequentes Handeln.

Andererseits heißt "Internet-Öffentlichkeit" auch gleichzeitig, etwas Privatsphäre aufzugeben bzw. diese einem Risiko auszusetzen. Da ich aber zu faul bin, mich damit zu beschäftigen, wie man seine Privatsphäre schützt, lasse ich das halt. Es reicht, wenn ich hier bei Heise mit meinem Klarnamen poste.

Um den Bogen wieder zurück zu bekommen: nein, ich will nicht umdenken. Weder bei IT-Sicherheit noch bei meiner Privatsphäre und auch nicht in Bezug auf Internet-Öffentlichkeit. Ganz im Gegentum: ich fühle mich mit meiner gegenwärtigen Einstellung zu diesen Themen eigentlich sauwohl. Und ich wüßte aktuell keinen Grund, warum sich das ändern sollte.

Nun mag es Leute geben, die sich (genau wie ich) mit all diesen Themen nicht intensiv befassen wollen. Das ist deren gutes Recht. Aber wenn solche Leute dann gedankenlos ihr Smartphone und ihre social-network-Accoounts mit Daten füttern, wenn diese dann ihr Windows nutzen ohne nachzudenken, wenn diese sich darauf verlassen, daß ihre Spielzeuge "sicher" wären (und nicht auf die Idee kommen, daß nicht ihre Spielzeuge das Sicherheits-Problem sind, sondern die Art und Weise, wie sie selbst diese ihre Spielzeuge nutzen), dann könnte man glauben, daß es an der Zeit wäre, daß diese Leute vielleicht mal anfangen nachzudenken. Naja ... oder auch nicht. Das ist vermutlich, worauf Fabian hinauswill. Aber es ist eben explizit nicht mein Problem, sondern ein Problem anderer Leute. Vielleicht sogar ein Problem der Gesellschaft ... aber da ich mich damit nicht beschäftigen will, sehe ich auch nicht, daß mich das 'was angeht. Mich persönlich ... nun: mich schützt mein PAL-Feld.

Vielleicht bekommt es Heise hin, diesen Vortrag ins Netz zustellen. Dann schau ich ihn mir gerne mal an. H-Town wäre für mich eh zu weit weg, teilnehmen könnte ich also sowieso nicht. Schaun wir mal ...
--
Stephan

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (07.03.2018 11:40).

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