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  • Ix-Chel

369 Beiträge seit 01.10.2009

Urheberrecht: Damals und Heute

So wie ich die Sache sehe wurde das Urheberrecht erfunden, um den
kleinen Künstler, der in seiner Stube Musik / Skulpturen / Gemälde /
usw. anfertigt, davor zu schützen, von Leuten mit viel Kapital
plagitarisiert und aus dem Markt gedrängt zu werden. Das war durchaus
sinnvoll und den damaligen Gegebenheiten entsprechend umgesetzt.

Leider wurde dieses Gesetz nie wieder an sich ändernde Umstände
angepasst. Heute nutzt das Urheberrecht vor allem den Verwertern,
also Verlagen, Plattenfirmen, etc., die es nutzen, um Kopien von
geistigen Schöpfungen anderer zu verkaufen. Die Urheber selbst
bekommen zwar auch einen Teil vom Kuchen ab, werden aber oft böse
über den Tisch gezogen.

Nun wird sich dieses Problem früher oder später von alleine lösen:
Die digitale Revolution hat dazu geführt, dass das Anfertigen einer
Kopie eines Stücks Information (Und um nichts anderes geht es) so gut
wie gar nichts mehr kostet: das bisschen elektrische Energie, um eine
Datei zu kopieren ist wirklich nicht der Rede wert.
Was passiert nun in einem Markt, in dem die Herstellungskosten der
Handelsware gegen 0 konvergieren? Richtig: er bricht zusammen.
Momentan versucht die Lobby der Rechteverwertergesellschaften
natürlich mit allen Mitteln, wie z.B. DRM künstliche Knappheit zu
schaffen; doch auf der anderen Seite des Zauns sitzen immer Leute,
die mindestens genauso schlau sind und all das wieder umgehen können.
Also wird nach Vater Staat geschrieen, der natürlich prompt buckelt
und Gesetze verschärft, die ihren Sinn schon lange überlebt haben.

Wenn unsere Politiker tatsächlich an die Marktwirtschaft glauben
würden, würden sie das Urheberrecht (oder das gesamte
Immaterialgüterrecht) den modernen Zeiten anpassen und die Verlage
sterben lassen - denn das tun in einer Marktwirtschaft Firmen, deren
Geschäftsmodelle nicht mehr tragfähig sind. Die Erfindung des Papiers
hat die Steinplattenindustrie schließlich auch dazu gezwungen, sich
auf eine Nische - die Grabsteinproduktion - zu verlegen.

Kunst werden die Menschen weiterhin genießen wollen und sie werden
weiterhin Geld dafür auszugeben bereit sein, dass sie geschaffen
wird. Insofern halte ich alle Rufe, die den Untergang der
abendländischen Kultur heraufbeschwören für stark übertrieben - man
sehe sich nur mal in der Geschichte um, wie oft diese Propheten schon
aus ihren Löchern gekrochen kamen.
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