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Avatar von Gottwalt Thiersch
  • Gottwalt Thiersch

mehr als 1000 Beiträge seit 26.01.2000

Anscheinend hat das Interesse merklich nachgelassen

an diesem Thema, und dabei wird es doch jetzt erst richtig heiss.

Noch vor kurzem hiess es: Erstmal nur das eRezept. Alles Andere
spaeter. Jetzt heisst es: Fallakte als Turbo fuer die eAkte, denn die
ist das Endziel, und das soll ganz ganz schnell kommen.

Vor kurzem wurde doch dieses neue Gesetz vorgestellt (habe leider
gerade keinen Link, wer kann helfen?), dass Aerzte Filialen betreiben
duerfen und dass sie auch fachfremde Kollegen anstellen duerfen. Das
Gesetz ist, soweit ich weiss, noch nicht beschlossen. Begruendet bzw.
motiviert wurde es damit, dass dann gerade in den duenn besiedelten,
schlecht versorgten Gebieten der neuen Bundeslaender ein
Allgemeinarzt am Montag im einen Ort Sprechstunde haben koennte, am
Dienstag und Mittwoch im naechsten etc., und dass z. B. dann am
Dienstag im ersten Ort der Internist ist, und am Mittwoch der
Orthopaede, etc. Damit man diese Gebiete wieder einigermassen
versorgt bekommt.

Was mir aus anderer Quelle erzaehlt wurde: Der eigentliche
Hintergrund ist: Auf diese Weise koennen die Klinik-Konzerne
(Rhoenkliniken, Asklepios, Helios etc.) sehr einfach Praxisketten
betreiben, mit ihrem Kapital in die Toplagen gehen, dort erstmal mit
subventionierten Zusatzleistungen die eingesessenen niedergelassenen
Aerzte verdraengen, gleichzeitig tatsaechlich interdisziplinaer
arbeiten, mit neuestem Geraet etc., Direktvertraege mit den Kassen
schliessen, auf diese Weise nochmals die Abwanderung von den anderen
niedergelassenen Aerzten forcieren, und somit auch den "Markt" der
niedergelassenen Aerzte zumindest da uebernehmen, wo es sich lohnt.
Auf dem flachen Land lohnt sich das nicht. Da duerfen sich ruhig
weiterhin idealistische Einzelkaempfer rumschlagen.

Ist das jetzt unbedingt schlimm? Eigentlich ist es gar nicht
schlecht, unser Versorgungssystem zu aendern. Nur: Weshalb soll dies
zwangsweise zu einem Oligopol einiger weniger "Gesundheitskonzerne"
fuehren, die die gesamte Wertschoepfungskette dominieren, sich mit
standardisierten Verfahren auf profitable Massnahmen spezialisieren
und alles andere der Allgemeinheit aufbuerden? Asklepios will hier in
Hamburg die gesamte Wertschoepfung von der haus- und fachaerztlichen
Versorgung ueber die klinische Versorgung (natuerlich eng verzahnt
und mit Direktvertraegen mit den Kassen) ueber die Nachbehandlung und
Reha etc. bis hin zur haeuslichen Krankenpflege in die Hand nehmen.
Das heisst dann: Die Daten liegen zwar theoretisch verteilt bei Arzt,
Krankenhaus, Therapeut, de fakto liegen sie bei Asklepios. Zentral.
Und Asklepios ist ein gewinnorientierter Konzern, der zufaellig im
Bereich Health and Care taetig ist. Wer garantiert mir, dass da eben
nicht intern Profile gebildet werden? Wer sorgt dafuer, dass nicht
durch diese Hintertuer doch relativ zentrale Datensammlungen
entstehen, sogar personalisiert? Fuer Forschungen sollen die
Datenbestaende ja sowieso anonymisiert zusammengefasst werden. Und
die Krankenkassen, die bisher (fast) nichts ueber meine konkreten
Krankheiten und konkrete Behandlungen erfahren, bekommen die dann,
dank der Direktvertraege saemtliche Daten, auf die sie ja so scharf
sind? Ist alles noch viel wilder als ich hier
http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=9577015&forum_id=90154
vermutete?

Gruss

Gottwalt

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