Avatar von Fixpunkt
  • Fixpunkt

364 Beiträge seit 16.09.2008

"Freie Software": Ich finde es peinlich ...

... wie hier mit diesen Begriffen Schindluder getrieben wird, und zwar sowohl vom Autor des Artikels als auch von manchen Lesern.

(a)
Zunächst etwas weniger Wichtiges. Im Artikel steht:

Magenta steht unter MIT- und Apache2-Lizenz und ist damit zwar quelloffen, aber kein Copyleft wie die GPL.

"Quelloffen" ist ein schwacher Begriff, der zwar den OSI-Begriff "Open Source" meinen *kann*, aber nicht *muss*. Es gibt z.B. quelloffene proprietäre Software.

Wenn wir über MIT- und Apache-Lizenzen sprechen, dann sollten wir am besten den Begriff der Quelloffenheit vermeiden, denn das trifft weder den Geist dieser "ultrafreien" Lizenzen (da kein Copyleft), noch ist es eindeutig. Wir sollten hier statt dessen von freier Software sprechen.

(b)
Jetzt kommts. Der Autor schreibt weiterhin:

Damit entfiele die Verpflichtung, jede Änderung am Quellcode auch zu veröffentlichen.

Das ist *gröblicher* Unsinn, und ganz ehrlich: Die Grundlagen von freier Software sollten bei Heise wirklich sitzen, schließlich ist das eines der wichtigsten Themen hier. Ich finde so einen Schwachsinn schon ziemlich ärgerlich.

Sowohl bei Copyleft-Lizenzen als auch allen anderen Lizenzen darf man die Software verändern, soviel man will, ohne die Änderungen zu veröffentlichen. Punkt.

Jetzt aufpassen, Herr Merkert. Bei Copyleft geht es darum, was passiert, wenn man Software *weitergibt*. Und Copyleft besagt, dass man Änderungen, die man gemacht hat, nicht mit weniger Freiheiten lizenzieren darf, als sie das ursprüngliche Werk hatte.

Das bedeutet: Wenn ich GPL-Software bekomme, dann kann ich damit machen, was ich will. (Das ist übrigens gerade der Witz bei freier Software.) Ich darf sie auch ändern, so viel ich will. Und ich muss diese Änderungen nicht veröffentlichen. Ich kann sie komplett für mich behalten.

Aber: WENN ich meine geänderte Softwareversion doch veröffentlichen will, DANN müssen meine Änderungen (wegen des Copylefts der GPL) ebenfalls unter einer kompatiblen Lizenz stehen. Bei Lizenzen ohne Copyleft (wie MIT) hingegen ist dies nicht notwendig.

(Das ist übrigens keine Haarspalterei, sondern macht einen sehr großen Unterschied in der wirtschaftlichen Praxis aus.)

(c)
In einem anderen Thread hier gehen "Ansichten" darüber, was "freie Software" sei, durcheinander. Dazu kann man nur sagen: Der Begriff der freien Software ist vom ollen Stallman *geschaffen* worden, und *er* hat definiert, was dieser Begriff bedeutet. Es ist wurscht, ob hier einer von euch meint, ohne Copyleft sei eine Lizenz doch irgendwie nicht "frei". Lest einfach nach, was freie Software ist. Da gibt es sogennante "vier Freiheiten", vier Eigenschaften, die eine Lizenz haben muss, um "frei" zu sein.

Bewerten
- +
Anzeige