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  • Irongate

312 Beiträge seit 10.12.2002

Sinn und Unsinn der Evaluation im Netz

Ich weiß nicht, ob hier generell ein Kreuzzug für und wider der
Lehrerevalutaion abläuft oder manche einfach das konkret vorliegende
Problem nicht verstehen.

Erst einmal: Die meisten Lehrer, die ich kenne und die ihren Job
ernstnehmen (das ist allerdings alles Oberstufe, darunter ergeben
sich schon wieder ganz andere Probleme) sind für eine konkrete
Evaluation ihres Unterrichts durch die Schüler.

Allerdings anhand von aussagekräftigen Kriterien im Klassenverband
und nicht vereinzelt bei irgendeiner Web 2.0 Klitsche, wo nach
Coolness und Sexy beurteilt wird.

Wenn ich 30 Schüler in einer Klasse anonym mit einem Bogen befrage
habe ich da immer einige Ausreißer drin, aber im Großen und Ganzen
erhalte ich eine aussagekräftige Evaluation meines Unterrichts - zum
guten wie zum schlechten - die ich dazu nutzen kann, diesen zu
verbessern. Besagte Web 2.0 Klitsche bringt aber eher die
Unzufriedenen dazu, sich auszulassen, als die Zufriedenen. Man schaue
sich mal den "Community-Effekt" bei Umfragen an, die mehr oder
weniger konkret auf Linux abzielen.

Damit habe ich für empirische Daten schon einmal eine schlechte
Basis. Wenn noch dazu die Kriterien, anhand derer benotet wird
schwammig und für meinen Unterricht absolut nichtssagend sind kann
ich damit als Lehrer nichts mehr anfangen. Und was kann ich als
Schüler damit anfangen? Ebenfalls nichts. Denn im Gegensatz zu
Professoren-Bewertungen suche ich mir als Schüler eben meist nicht
die Schule aus, auf der ich mein Abi mache und schon gar nicht,
welchen Unterricht ich nun besuche und welchen nicht.

Was ist also der Sinn des ganzen? Für die Lehrer gibt es keinen, für
die Schüler gibt es keinen außer Frustabbau und die Firma befolgt den
Erfolgsplan jeder Web 2.0 Nummer:

1. Netzwerke aufbauen
2. ????
3. Profit

Aber Hauptsache, wir haben mal wieder eine Möglichkeit gefunden, auf
den bösen Lehrern rumzuhacken und ihnen den Beamtenstatus zu neiden.
Newsflash: Der gemeine Lehrer sitzt 5 Jahre an der Uni und hat mehr
Stoff zu lernen, als ein Diplomand mit den gleichen Studiengängen.
Darauf folgen 2 Jahre Referendariat, in denen die meisten wie Dreck
behandelt werden, um hier schon mal die Schwachen auszusieben und der
Staat nimmt inzwischen jede noch so kleine Entschuldigung, um einen
Lehrer nicht mehr in den Beamtenstatus zu übernehmen.

Wenn man nebenbei von der Gesellschaft als Ganzes angespuckt wird
(denn schließlich ist der Lehrer ja an PISA schuld und nicht der
Staat, dem die Bildung am Arsch vorbeigeht) und jeden Tag von
irgendwelchen Eltern zu hören bekommt - von denen die wenigsten die
Schuld beim Filius oder gar Gott bewahre bei sich selbst suchen - was
für einen Scheiß Job man macht ... dann wundert es mich nicht, dass
kein Mensch heute mehr diesen Job machen will.
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