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  • CaptainIglo

31 Beiträge seit 10.06.2003

"allgemein übliche Praxis"

... heißt ja nicht, dass das unbedingt auch gut ist.
Ich sehe es bei uns im Unternehmen, große Outsourcing-Bewegungen in allen Bereichen, die IT hat schon 2 Runden hinter sich. Client Service und Netzwerk sind schon raus.

Die verhandelten Verträge sind lächerlich und decken vielleicht die Hälfte dessen ab, was die internen Kollegen vorher erledigt haben. Das führt dazu, dass uns die Krawattenträger immer erzählen, dass "der Business-Case grün" sei. Kein Wunder - weiß doch niemand mehr, wie man beim externen Dienstleister nun Aufträge vergeben soll, wenn kaum Leistungen vereinbart wurden. Dann kann auch nichts abgerechnet werden.
Das führt übrigens auch dazu, dass die Kollegen, die "sozialverträglich" den Beitriebsübergang zum Dienstleister über sich haben ergehen lassen, mittlerweile in Teilen schon von diesem gekündigt wurden, weil "die Aufträge ausbleiben" und man einfach nicht so viele Leute brauche. Ohne Worte...

Dass die Lage besonders im Netzwerk und den RZ mittlerweile nahe an desolat ist, wird geflissentlich ignoriert, Hauptsache man kann sich die Exceltabellen zurechtlügen und auf die Schulter klopfen. Dazu gehört auch, dass die Mitarbeiter des Dienstleisters für die bei uns verwendete Hardware quasi gar kein operatives Know-How mitbringen.
Bis es knallt.
Solche Situationen sind sicher nicht ideal für beide Seiten. Sicher hat auch ein Dienstleister kein Interesse daran, Dinge zu verkacken. Aber es passiert nun mal und es häuft sich bei uns in Bemerkenswerter Weise, seit wir es abgegeben haben. Aus den IT-Abteilungen benachbarter Unternehmen der gleichen Branche höre ich übrigens genau die gleichen Klagelieder.

Punkte, die ich nich nicht angesprochen habe, die aber durchaus große Themen sind, sind z.B. Security und Datenschutz - besonders da ausgerechnet der Netzwerkdienstleister Nordamerikaner ist.

Natürlich wurde im Vorfeld gegenargumentiert, dass Outsourcing in anderen Firmen schon derart gegen die Wand gefahren wurde, dass hinterher noch mehr Geld in die Hand genommen wurde, um sich die Rechte an der eigenen IT wieder zurück zu kaufen.
Die Antwort der Krawatten war, dass man das natürlich wisse und gesehen habe und aus den Fehlern der anderen lernt und alles besser macht. Ich sag mal, am Arsch die Räuber, es werden die exakt gleichen Fehler und noch schlimmere gemacht. Einfach lächerlich. Natürlich ist ein Teil der für diese Entscheidungen verantwortlichen Krawatten und Hosenanzüge schon weg, um sich "neuen Herausforderungen zu widmen" - mein Beileid für alle, die sich jetzt mit denen herumschlagen müssen.

Und wer glaubt, dass eine interne IT in einem nicht unkritischen Unternehmen wie einer Fluggesellschaft durch externe Söldner abgelöst, vergünstigt und stabiler betrieben werden kann, hat den Schuss nicht gehört. Wo Interne eventuell noch eine Corporate Identity haben und sich strecken und voraus denken, sieht der Söldner seinen Vertrag und macht nicht einen Schlag mehr als nötig.
Bin mal gespannt, ob und wann die Gegenbewegung einsetzt.

Schönes WE noch!

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tl;dr: OP erlebt selbst gerade IT Outsourcing in benachbarten Bereichen und musste sich mal auskotzen.

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