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  • BerlinSWagner

mehr als 1000 Beiträge seit 10.11.2003

Falsch wiedergegeben

Nicht von Heise, sondern vom CEO.

"Anzudeuten, dass eine Gruppe unserer Kollegen Wesenszüge habe, die sie biologisch weniger geeignet für ihre Arbeit machten, ist beleidigend und nicht OK", schreibt Pichai. "Es verstößt gegen unsere Grundwerte und unseren Verhaltenskodex."

Wenn ich den Text recht in Erinnerung habe, dann hat er das nicht gesagt und es kann nur mit viel Argwohn in den Text hineingelesen werden.

Er erklärt, dass Wesenszüge einer Gruppe dazu führen können, dass diese in bestimmten Gebieten unterrepresentiert sind. Die Frauen, die es offenbar auf einen Technikjob bei Google geschafft haben, gehören offenbar nicht dazu.

Wenn man 1000 Leute zufällig fragt, ob sie mit auf eine anstrengende Bergtour gehen, und 80 Männer sowie 20 Frauen sagen zu, obwohl man je 500 gefragt hat, dann kann man behaupten, dass Frauen weniger Lust auf Bergsteigen haben oder sich das weniger zutrauen, es vielleicht auch nicht so gut können - aber das sagt nichts über die 20 aus; im Gegenteil.

Es heißt auch nicht, dass durch systematische Diskriminierung Frauen das Bergsteigen verwehrt würde (man sieht ja an den 20, dass es einige nicht abgehalten hat).

Kurioserweise wollen dabei die gleichen Pappnasen, die behaupten, dass es eigentlich gar keine Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt uns weismachen, dass Diversität irre wichtig für die Unternehmen seien, weil andere Menschen so ganz andere Perspektiven einbringen. Mal sind die Unterschiede enorm, dann quasi nicht existenz - wie man es gerade braucht.

Aus dem Text (Manifest) geht klar hervor, dass er ein Freund von Diversität ist und Frauen als Kollegen wünscht - dennoch wird er als Frauenfeind bezeichnet (nicht von heise) - wieso ist das so?

Wenn ihn jetzt ein sich links und liberal wähnender Mainstream stigmatisiert bleibt ihm überhaupt nur der Weg zu Rechten (Arbeitgebern, Medien, ...) - dann haben die, die es immer schon wussten, Recht. Selffulfilling prophecy.

Die Verfolger haben zum Teil wohl selbst Angst verfolgt zu werden, weil sie das falsche sagen. Wer rhetorisch nicht geübt ist, und die Tretminen alle kennt, meldet sich lieber gar nicht zu Wort, sonst ist er auch dran. So ist es auch eine Debatte die v.a. in einer sich für gebildet haltenden Schicht stattfindet.

Wer keinen Ruf mehr zu verlieren hat, der stürzt sich auf einer Seite in die Debatte und heizt sie an. Das führt zu der verzerrten Wahrnehmung, dass auf der einen Seite meist rechte Trolle das Wort führen und auf der anderen Berufsgleichstellungsbeauftragte.

Vor dem Hintergrund, dass das Netz nichts vergisst (außer den Sachen, um die es schade ist) und dass überall Datenhalden angelegt werden ist die Gefahr nicht unbedingt, dass AfD-ähnliche Gestalten das mal alles in die Finger bekommen, sondern deren Verfolger, und dass sie mit eisernem Besen kehren.

Raus aus dem Job!
Raus aus meiner Kneipe!
Bei dem kauf ich nicht mehr!

Eine Exmanagerin von Google im US-TV über den Fall und das Silicon Valley: "... the culture is so wonderful ..." 2 Sätze später: "... if we don't nip this stuff in the butt ...".

Ja, eine wunderschöne Kultur - wer nicht das Maul hält, der wird im Keim erstickt. Das kann auch unsere Kultur werden. Schweigen ist ein probates Mittel - immer schon gewesen.

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