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  • Pro¡ektor

mehr als 1000 Beiträge seit 15.01.2000

Wo hat der Feminismus eigentlich seine Imunität gekauft?

Man braucht nur einmal etwas gegen Feminismus zu sagen, dann ist man gleich Nazi, Pegida, Sexist, Frauenhasser und Antisemit in Personalunion und schläft natürlich unterm Hitlerkonterfei in der Hakenkreuzbettwäsche, oder so.

Dem Mainstream ist es vollkommen Wurst, dass es über 40 verschiedene feministische Strömungen und Unterkategorien gibt. Es ist vollkommen egal, dass es zitierte und etablierte feministische Theoretikerinnen gibt, die ernsthaft behaupten, dass wahre Geschlechtergleichheit nur erreicht werden kann, wenn Männer von allen Entscheidungen ausgeschlossen werden und weibliche Tugenden die einzig friedlichen und "guten" Ideale sind. "Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden", findet im Einklang mit dem Radikalfeminismus die SPD und sagt damit ganz unverhohlen, dass unsere Gesellschaft unmenschlich sei, weil sie männlich wäre. Da darfste als Mann natürlich nichts gegen haben, sonst wirst du in einem Atemzug genannt mit den Leuten, die ihre Frau an den Herd ketten bevor sie los ziehen um Asylbewerberheime anzuzünden. Nein, Feminismus ist per se gut und erhaben gegen jegliche Kritik. Und fast könnte man meinen, dass das Geschlechtsstereotyp der schwachen, schutzbedürftigen und allzeit bedrängten Frau der eigentliche Grund für die Imunität des Feminismus ist.

Es kann ja gar nicht sein, dass es jemanden gibt, der den Wert einer Frau nicht darin sieht, dass sie als Gebährmutter im Volkseigentum die Reiheit der Rasse erhält. Weil nicht sein kann was nicht sein darf. Unmöglich, dass jemand Frauen als gleichwertige Mitmenschen respektiert und ihre Rechte verteidigt wie seine eigenen und trotzdem findet, dass Feminismus eine Entwicklung erfährt, die über den Kampf um Gleichberechtigung längst hinaus geht und radikalfeministische Positionen der 60er und 70er euphemisiert und damit gesellschaftsfähig macht.

Da stellen sich dann Feministen hin und palabern davon, dass auch Männer unter Geschlechtsstereotypen leiden würden und dass auch Männer davon profitieren würden - weil Männer etwa nicht erlaubt werden würde, Gefühle zu zeigen, als problematisch zusammen gefasst unter dem Schlagwort der "toxic masculinity". Aber wehe ein Mann äußert Zweifel an irgend einer feministischen Position. Dann ist er sofort ein Weichei, dass eh keine richtige Frau abbekommen würde, eine Heulsuse, ein Angsthase - und Netz-Feministen schlüfen demonstrativ aus ihren "Male tears"-Tassen.
http://i.imgur.com/yhjyvEn.jpg
Und Emma Watson fragt sich höchst offiziell in der UN, warum zur Hölle Feminismus mit Männerhass gleichgesetzt wird... äh... keine Ahnung, warum nur? "Kill all men"? och! Du armes Männlein hast Angst vor der bösen, dicken Frau.

Nein. Hatespeech ist es nur, wenn es nicht in mein Dogma passt. Wenn die Feministin und Hatespeech-Expertin der Amadeu-Antonio-Stiftung, Julia Schramm twittert: "Bomber-Harris Flächenbrand, Deutschland wieder Ackerland" und "Deutschland darf getötet werden" und Menschen mit nur leicht gegenteiliger Meinung als "Arschlöcher" und "Wichser" bezeichnet, ist das natürlich kein Hass. Nein, das... äh... ist ihr wohl nur mal so rausgerutscht... oder so: "(Guter Service: Hater haben Tweets rausgesucht, die durchaus zu hart sind. Konnte sie so einfach löschen)"
https://tuxproject.de/blog/wp-content/uploads/2015/04/Hatespeech-Julia-Schramm.jpg
Nuuh ... wer würde es wagen, sie als Extremistin zu bezeichnen?

Hatespeech ist so ein wundervolles Konzept! Getriggert von einem Menschen, der es wagt dir nicht zu applaudieren oder gar dir widerspricht? Dir, Schneeflöckchen!? Blocken, Anzeige, beim Arbeitgeber anschwärzen und wegmachen. Fertig. Oder gleich in Sippenhaft nehmen: Was, er folgt jemandem, den du nicht magst? Guilt by association! Per Skript blocken und ab mit ihm in die schwarze Liste, damit er auch gleich noch tausend andere blocken und (so als Jackpot) evtl. sogar dein Account gesperrt wird. Ist ja keine Zensur, nicht? Auch wenn er sich vielleicht nicht mehr traut, bestimmte Dinge zu sagen oder noch schlimmer, einen Comic oder ein Game nicht veröffentlicht, weil ein wildgewordener Shitmob ihm das Leben zur Hölle machen könnte, ist keine Zensur, ist doch seine freie Entscheidung!
https://www.aclu.org/what-censorship

Wie auch immer, Herr Kuri, warum kommen bei Ihnen nur einseitige Beispiele vor? Ich bin froh darüber, dass das Heise-Forum noch relativ frei ist und man hier kontroverse Meinungen lesen, äußern und diskutieren kann. Aber warum dann solch ein einseitiger Kommentar? Hatespeech kennt keine Grenzen und keine Farbe, keine Ideologie und keine Kategorie. Nein, man kann sogar sagen, dass es Hatespeech ist unliebsame Meinungen in einem Satz abzuwatschen und infantil ein "verpisst euch" entgegen zu pfeffern. Oder war es einfach sicherer es so zu schreiben? Ich meine, man weiß ja nie, heutzutage, wer etwas in den falschen Hals bekommen könnte. Schönen Verlag habt ihr da, wäre doch schade, wenn er einen Shitstorm erleiden müsste... Besser wenn der Cheffe gleich mal klar macht, wie der Hase läuft. Und ja kein Schmuddelkind vergessen! So ist's brav.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (15.12.2015 20:23).

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