Menü
Avatar von textract
  • textract

72 Beiträge seit 12.01.2017

Sinnlos

Alle zwei, oder drei Monate wieder die alte Leier.
Fachkräftemangel hier, Fachkräftemangel da.
Es herrscht doch gar kein Fachkräftemangel, denn wäre es so, müsste man sich mit den mickrigen Gehältern, die man bereit ist für IT'ler zu bezahlen, nicht herumschlagen.
Vor wenigen Monaten sah ich erst die Stellenausschreibung vom BND, die einen Experten für Debian, AIX + PowerHA, Ubuntu, PowerPC, Cisco, Redhat und Suse. Gehaltsvorstellung des BNDs: nach Tarifvertrag öffentlicher Dienst ca. 2950 € Brutto. Ähm, ja. Ist klar, ne?!

Die aller meisten Stellen, die einem die Bundesargentur für Arbeit als Informatiker zu anbietet sind 1st Level Support Geschichten, die jeder Student nach kurzer Einarbeitungszeit übernehmen kann, tatsächliche IT-Experten für Rechenzentrumsbetrieb, oder High-End Softwareentwicklung werden in den aller seltensten Fällen gesucht und hier gibt es ohnehin mehrere Probleme.

1. Ist es für die BWLer der großen Unternehmen sowieso nicht profitabel gut ausgebildete Leute zu nehmen. Das hat folgenden Grund: Nehme ich mir zwei Experten, die sowieso nur knöpfen drücken, lastet man diese halt zu 150% aus, das ist Gang und gebe und völlig normal. Wenn diese nach einer Zeit dann nicht mehr passieren, wie das Unternehmen es gerne hätte, denkt sich der gemeine BWLer, der für seine nachhaltig geschäftsschädigenden Entscheidungen ca 200.000 € im Jahr verdient, man lagert den Support für das gleiche Geld an 50 Inder, oder Bulgaren aus. Die schaffen das dann auch alles schön in der vorgegebenen Zeit, sind aber meistens nicht dazu in der Lage einen IT Betrieb aufrecht zu erhalten, weshalb regelmäßig, sobald in Indien, oder Bulgarien die Kontingentarbeitetrotation durchgeführt wird, wichtige Systeme ausfallen. Aber auch hier hat sich der gemeine BWLer natürlich Gedanken gemacht und zwar mit Schadensersatzforderungen. Das ganze ist also eine Win-Situation. Du hast zum einen nicht mehr die Verantwortung für die lokalen Arbeitnehmer hier und zum anderen bekommt man auch noch Geld, weil man sowieso einkalkuliert hat, dass Systeme nicht mehr stabil sind. Das habe ich jetzt so erlebt bei Roche, BASF, HPE, IBM, VW und ein paar weiteren Krankheiten.

2. Haben sich die meisten High-Tech-Unternehmen von den deutschen Universitäten zurückgezogen. Es war früher gang und gebe, dass Firmen wie IBM ihre Mainframes, oder PowerPCs, oder Sun ihre Sparcs und so weiter den Universitäten zu Schulungs- und Ausbildungszwecken zur Verfügung gestellt haben. Sowas gibt es aber nicht mehr. Es gibt beispielsweise nur noch eine Mainframe Akademie an der Universität von Augsburg, soweit ich weiß und diese wird nicht einmal von IBM betreut. Studenten in der IT lernen nur noch in den seltensten Fällen hardwarenah und auch höchstens dann, wenn der Professor selbst mal High-End-Techniker war, oder man an einer Dualen Hochschule studiert mit entsprechenden Praxiseinsätzen im Unternehmen. Der Mob an Studenten lernt überwiegend Java und Webentwicklung. Wenn man mit C in Kontakt kommt, dann nur mit seinem Baby C# .NET. Hochsprachen werden in den seltensten Fällen gelehrt Wenn diese sogenannte Elite dann nach ihrem Studium auf die Firmen losgelassen werden, werden die meisten natürlich abgeschmettert, weil der gemeine BWLer sich natürlich denkt, dass die Inder und Bulgaren das ohnehin für weniger Geld machen, auch wenn sie es nicht können und man deshalb frische Leute gar nicht mehr fördert.

Dass Unternehmen die Entscheidung treffen Outsourcing, oder Offshoring zu betreiben liegt nicht daran, dass die Leute in Deutschland fehlen, sondern dass Leute, die es können, man sich nicht zu leisten bereit ist und man die Bereitschaft zum Fördern verloren hat, so talentiert die Leute auch sein mögen.

Wenn man sich dann auch noch anschaut unter welchen Bedingungen die Leute in kleinen Unternehmen teilweise arbeiten "müssen", stellt sich mir wiederum ebenfalls die Frage, warum es die Manager nicht verstehen, warum die Mitarbeiter kein Herzblut mehr in der Firma lassen. Ein 13. Monatsgehalt ist schon lange nur noch Seltenheit, dass Überstunden und Wochenendarbeit gemacht wird, ist selbstverständlich und das gesetzliche Minimum an Urlaub ist, bei teilweise 60 Wochenstunden, sowieso völlig übertrieben viel und man ist bitte auch im Urlaub erreichbar, weil man als Administrator in kleinen Unternehmen sowieso eine One-Man-Show abliefert.

Trotzdem wird der Fachkräftemangel natürlich weiterhin beschworen und das ist natürlich ein geschickter Schachzug, immerhin werden Lügen, die man oft genug erzählt irgendwann wahr, das lernen wir jeden Tag von unserer höchst kompetenten Bundesregierung, die in den Kabinetten Koryphäen ihrer Fachgebiete unterhalten. Wenn man mit dieser Haltung dann an die Schulen und Universitäten herantritt und entsprechend propagiert, man brauche doch ach so viele IT-Leute, dann forcieren diese natürlich entsprechende Studien- und Weiterbildungsangebote. Was dann passiert ist völlig klar: Je mehr Leute den Markt überschwemmen, desto weiter Fallen die Gehälter.

So langsam kann ich diesen Quatsch bezüglich Fachkräftemangel nicht mehr lesen, mir hängt die Inkompetenz der Rekrutierer und die Korruptionsbereitschaft unserer "BWL-Elite" und Manager zum Hals raus.

Wir brauchen keine Manager, wie brauchen Geschäftsführer

Bewerten
- +
Anzeige