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  • White Dwarf

mehr als 1000 Beiträge seit 10.07.2008

KiPo ist nicht wirklich das Problem...

...und die Regierigen wissen das auch. Mit Zensur verhindert man
keinen einzigen Kindesmissbrauch. Zunächst mal gibt es berechtigte
Zweifel daran, dass es den Verfechtern von Internetfiltern wirklich
um den Schutz von Kindern geht. Vielmehr spricht einiges dafür, dass
eine generelle Zensurmaschine etabliert werden soll, mit der man
möglichst unbemerkt unliebsame Inhalte, auch politisch
oppositioneller Art, vor der Masse der Bevölkerung verstecken will.
Damit ließen sich beispielsweise politische Skandale viel leichter
"geheim"halten und etwaige Folgen für die nächste Wahl abwenden. Man
könnte auch durch gezieltes Ausfiltern von Internetseiten bestimmter
politischer Richtungen eine Generalkonditionierung der Bevölkerung in
Richtung Neokonservativismus anstreben.

Ok, soviel zu den (meiner Meinung nach leider durchaus plausiblen)
Verschwörungstheorien. Aber nehmen wir mal an, es gehe den
Verantwortlichen wirklich um den Schutz von Kindern vor Missbrauch.
Daher wird sich der Rest des Postings auch im Wesentlichen damit
befassen.

Zunächst einmal: Ich wäre einer der letzten, die an Kinderpornografie
irgend etwas Schützens- oder gar Fördernswertes erkennen können.

Dennoch halte ich KiPo nicht für das eigentliche Problem, sondern nur
für ein sekundäres Problem, das mit dem Abschuss des primären
Problems (des dahinter stehenden Kindesmissbrauchs) verschwinden oder
zumindest entschärft würde.

Mein Vorschlag wäre daher: Die Strafverfolgung sollte sich allein auf
die Hersteller und Dealer von KiPo konzentrieren, weder auf
Konsumenten (oder maximal auf *zahlende* Kunden, nicht auf kostenlose
Downloader) noch auf verlinkende Seiten. Ferner sollte der Besitz
strafbar sein, ebenso wie das Herstellen von KiPo-Fakes (sofern sie
nicht zur Vortäuschung einer Straftat verwendet werden, aber das ist
ein anderes Klo). Überhaupt sollte klar sein, dass nicht die
Kinderpornografie das Problem ist, sondern das, was sie darstellt --
sofern es ein reales Geschehen ist und kein noch so guter Fake.

Analog: Wenn jemand auf seiner Webseite Bilder von Atompilzen zeigt,
dann wird man ihm ja auch nicht vorwerfen können, die Entwicklung,
Weiterverbreitung oder gar den Einsatz von Atomwaffen zu fördern. Und
wie mehrfach in Heise-/TP-Foren erwähnt (Tandralon?), dürfte die
Masse des KiPo-Materials auch nicht wesentlich neueren Datums sein
als die "nuclear wallpapers" auf nuclearweaponarchive.org.

Von daher würde ich es befürworten, die §§ 184*-Familie (also auch in
Bezug auf Erwachsenenpornos) *ersatzlos* zu streichen und stattdessen
den Kindesmissbrauch als solchen (ob nun für die Kamera oder für den
eigenen Schniedelmann) mit der vollen Härte des Gesetzes zu
verfolgen.

Zensur, gleich, welcher Art, und gleich, welcher Inhalte, hingegen
darf es nicht geben. Denn wenn erstmal die Zensur von
Kinderpornografie etabliert (und selbstredend vom geBILDeten Volk
sofort akzeptiert und bejubelt -- wer könnte auch allen Ernstes KiPo
verteidigen wollen?) wird, ist die erste Hemmschwelle zur Zensur
weiterer Inhalte (Warez-Seiten, Anleitungen zum Umgehen von
Kopierschutz, oder auch allgemein politisch unliebsame Inhalte und
Enthüllungen, siehe oben) genommen, und danach wird es Schlag auf
Schlag kommen, bis wir chinesische Verhältnisse haben. Selbst dann,
wenn es anfangs wirklich nur um das ehrliche Interesse des
Kinderschutzes ginge. Denn wie sagt der Volksmund so schön:

Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, bekommt augenblicklich Junge.

DESHALB bin ich entschieden gegen Zensur AUCH von Kinderpornoseiten.
Denn auch wenn diese Zensur, isoliert betrachtet, als wünschenswert
erscheint, so wäre sie doch der Anfang einer nahezu unvermeidlichen
Runaway-Erosion der Freiheitsrechte.

Ich wage sogar zu behaupten, dass der Schutz der
freiheitlich-demokratischen Grundordnung incl. der Presse-, Meinungs-
und Informationsfreiheit, Freiheit der Kunst und der Wissenschaft
(hab ich was vergessen?) wichtiger(!) ist, als der Kampf gegen
Kinderpornografie, ja sogar wichtiger als der Kampf gegen
Kindesmissbrauch, gegen Drogenhandel und gegen Terrorismus. Denn was
geschieht, wenn Staaten in Richtung Totalitarismus mutieren, hat man
schon viel zu oft in der Menschheitsgeschichte gesehen. Und auch da
waren es vielfach die Kinder, die den Preis bezahlt haben. So etwas
darf es NIE WIEDER geben, auch nicht in "abgeschwächter Form" oder
für einen noch so "guten Zweck"!

WD
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