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  • Boandlgramer

mehr als 1000 Beiträge seit 11.04.2016

Wir verzweifeln am Neoliberalimus...

Eigentlich ist die Lösung ganz einfach: Alle zur Behebung des Fehlers notwendigen Aufwände bezahlt der, der den Fehler verursacht hat. Dann hat Intel (und natürlich andere) die Wahl, entweder Patch-BIOSse zu bezahlen oder ein großes Austausch-Programm aufzulegen.

Aber ab einer gewissen Größte und Nähe zur Macht sind diese einfachen Regeln plötzlich eigenartig substanzlos. Die hohen Gewinne und Verdienste werden ja stets mit Verantwortung begründet. Verantwortung bedeutet Konsequenz.

Geld wäre genug da (gewesen). Intel hat in den letzten zehn Jahren etwa 100 Milliarden US-Dollar Nettogewinn erwirtschaftet. Es wäre absolut kein Problem, Redesigns für aktuelle Prozessoren (und die, wo man die Fertigung nochmal kurzfristig anschmeißen kann) zu entwickeln und die Prozessoren direkt auszutauschen.

Rechnung: Dreiviertel des Umsatzes sind Prozessoren - sind 45 Millarden. Die Herstellungskosten dürften so bei 20% liegen - das wären 9 Milliarden. Der komplette Austausch aller Intel-Prozessoren der letzten 5 Jahre würde genau den Gewinn dieser 5 Jahre kosten - und dann würde Intel die Steuern für diese Jahre weitgehend zurückerstattet bekommen.

Für ältere Modelle könnte man attraktive Update-Deals machen und das wäre für die Nutzer von Sandy Bridge und abwärts wahrscheinlich in der Regel in Ordnung.

Aber: Das Geld ist verteilt und weg. Das heißt, die Verantwortung einer Firma reicht gerade ein Geschäftsjahr weit, eine Entlastung des Manegements - denn ab da kann man den Staat im Zweifelsfall mit der eigenen Pleite erpressen. Die Meisten haben gedacht, die Banken hätten eine Sonderstellung beim verantwortungslosen Wirtschaften - tatsächlich ist das eine Seuche, die sich bereits durch alle Bereiche durchgefressen hat.

Ich bestehe gar nicht auf dieser Lösung als der einzig richtigen - ich will nur zeigen, dass der Grund für die fortbestehenden Unsicherheiten ausschließlich in der Gier der Eigner liegen - nicht in der technisch oder wirtschaftlich begründeten Schwierigkeiten. 100 Milliarden Dollar wären auf jeden Fall genug, um das Problem zeitnah und gründlich zu beseitigen.

Die Rechtssysteme decken diese Verantwortungslosigkeit. Sie sichern Gewinne ab, die durch Betrug und Fahrlässigkeit zu unrecht erwirtschaftet worden sind - mit der fadenscheinigen Ausrede, dass ja nicht alle Gewinne durch Betrug und Fahrlässigkeit erwirtschaftet worden sind.

Ein Unternehmen mit 60 Milliarden Dollar Umsatz im Jahr kann nicht mehr für sich in Anspruch nehmen, einfach zu doof gewesen zu sein. Das Minimum ist grobe Fahrlässigkeit, die überall auf der Welt der kleine Bruder des Vorsatzes ist.

Wenn man diese Form des Wirtschaftens retten will, braucht es Mechanismen, die Gewinne zur Schadensbehebung wieder einzusammeln und die Unternehmen zu einer angemessenen Reaktion zu zwingen. Ich habe da allerdings keine Hoffnung.

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