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  • WoNáDo

273 Beiträge seit 27.12.2016

Könnte es nicht ein ganz anderes Problem sein? - Wenn überhaupt?

Ich nehme jetzt mal "Linux" im Sinne von "GNU/Linux", also einem komplett funktionsfähigen Systems samt Werkzeugen und Terminalschnittstellen - also quasi wie früher die Unix-Systeme, wobei ich auf einem PC um 1990 herum mir noch ein SCO Unix 3.2.2 samt Informix Database gekauft und installiert hatte (insgesamt deutlich über 40 5,25"-Disketten).

Eigentlich sollte damals im GNU-Umfeld ein eigener Kernel so langsam fertig werden (aber "Hurd" ist ja wohl immer noch nicht so richtig komplett, jedenfalls soweit ich weiss).

Was gab es also oder was kam gerade um 1990 herum hinzu? - GNU-Implementierungen, wie den Emacs, Shells, Tools entsprechend der "Unix Programmers Workbench", Compiler, usw., usf. Wohl in jeder heutigen Linux-Distribution findet man alle Werkzeuge eines vollwertigen Unix-Systems der Zeit bis in die 1990er Jahre hinein.

Entwicklerherz - was willst Du mehr? - Gut, XWindow-basierte Oberfläche, damit man nicht nur mit den virtuellen Terminals via F2 etc. arbeiten kann, GUI-System als Aufsatz zu dem Basissystem, weil man ja auch ein paar Sachen machen will, die die meisten "Normalbenutzer" sonst an ihren gekauften Computern machen, weil man sich nicht noch solch ein Gerät ins Zimmer stellen will.

Tja, nun werden mit einem gewissen Recht die 99,?% der Benutzer ohne EDV/IT-Hintergrund sagen, dass das aber doch "Nerd"-Anforderungen sind, mit denen sie selber nichts am Hut haben.

Wenn man sich jetzt mal eine Realität vor Augen führt, dann dürfte einiges klarer werden. Ich bin Mitte 60. Die Kerninghams, Stallmans, Ahos, Richies (inzwischen leider verstorben), Knuths, Lamports, etc. dieser Welt sind mindestens genauso alt wie ich, oder aber sogar deutlich älter. Die Werkzeuge, die diese Personen bereitgestellt haben, gab es aber schon, bevor ein Kernel namens Linux überhaupt als Gedanke existierte.

*nix-Systeme haben alle ein Konzept tief in das System eingebaut, auf das sich über jede Shell leicht zugreifen lässt, und welches sich direkt oder in Shell-Scripts unglaublich vorteilhaft anwenden lässt: Pipes. Allein dadurch liess sich die Unix-Philosophie, dass man kleine spezielle Werkzeuge durch Pipes kombiniert benutzt, anstatt komplexe Eier legende Wollmilchsäue zu bauen, gut umsetzen (hmm - Emacs... - eher ein Betriebssystem, denn ein Tool).

Die Personen, die ich persönlich kenne und die ein Linux-basiertes System nutzen, machen das weniger oder nicht aus Überzeugungsgründen, sondern weil sie ein selbst kontrollierbares Unix-artiges System samt aller benötigten Unix-Tools zur Verfügung haben - und das ist es, was sie wollen.

Keiner von denen, ich beziehe mich da voll ein, ist an einem PC-Desktop-Marktführer in Form einer Linux-Distribution interessiert. "Nicht interessiert" bedeutet nicht, dass wir es nicht wünschen, aber es interessiert uns einfach nicht. Wenn jemand von uns eine GUI-basierte Maschine benötigt, weil dort exklusiv bestimmte Werkzeuge zur Verfügung stehen, dann wird sie halt gekauft, wenn man sie wirklich braucht oder will.

Aus rückblickender Sicht eines alten Mannes aus der EDV/IT-Welt sehe ich das technisch-pragmatisch so: Ich will die Unix-Tools und ein paar andere in einem *nix-Rahmen nutzen können. Das könnte genauso gut ein SCO Unix 3.2.2-Nachfolger sein, wie ein Linux-System, aber die sind einfacher verfügbar.

Wo ist also das Problem?

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (11.07.2017 18:48).

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