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  • Steff231

552 Beiträge seit 29.06.2005

"HD ready"? Nein, danke!

Besser Fernsehen?

"HD ready" nicht zu empfehlen - Übertriebene Erwartungen an HDTV, das
über die "Balken WM" vermarktet werden soll?

Seit geraumer Zeit werden "HD ready" Fernseher angeboten. Doch kaum
ein Verbraucher weiß, dass er mit dem Kauf eines solch teuern Geräts
gleichzeitig sein Recht auf eine Privatkopie verschenkt. In die "HD
ready" Geräte ist ein Intel Kopierschutz-Chip (HDCP) eingebaut. Ein
Geburtsfehler des hochauflösenden Fernsehns (HDTV), das
vorraussichtlich das heutige PAL Fernsehen einmal ablösen wird. Der
Geburtsfehler läßt sich aber noch beheben, wenn keine "HD ready"
Geräte gekauft werden. Das  "HD ready" Labal wird lediglich von einer
Lobbyorganistion vergeben und hat keinen behörtlichen oder
gesetzlichen Status, auch wenn die Lobbyvereinigung auf
Internetseiten den Eindruck erweckt, sie sei eine Organisation der
Europäischen Union. In der Praxis wird noch nicht einmal
kontrolliert, ob der Hersteller tatsächlich die Vorgaben des "HD
ready" Labals einhält, dass in Promotion-Artikeln gar als
"Gütezeichen" gehandelt wird.

Mit dem Scheitern der Broadcast flag in den USA, können die
Hersteller dort nicht gezwungen werden, Kopierschutzsysteme in ihre
Geräte zu integrieren. Selbst der US-Verbraucher muss den
Intel-Kopierschutz also nicht akzeptieren. Der europäische Veraucher
schon gar nicht, was er aber nur dadurch ausdrücken kann, dass er
kein "HD ready" TV oder irgendein anders Gerät kauft, das ein
Kopierschutzsystem unterstützt. Die Schnittstellen DVI und HMDI
weisen darauf hin, da sie den Intel Kopierschutz unterstützen.

Wenn Fernsehgeräte mit Kopierschutz eine größere Verbreitung finden,
werden die Filmverleiher in den Sendelizenzen vertraglich festlegen,
dass nur mit Kopierschutz gesendet werden darf. Wenn der größte Teil
der Verbraucher aber über Geräte verfügt, die kein Kopierschutz
unterstützen, werden die Sender sich darauf nicht einlassen, da sie
sonst ihre Kunden verlieren.

Ohne Intel Kopierschutz HDCP könnte HDTV zum Vorteil von Verbraucher
und Industrie relativ schnell eingeführt werden, da dann die jetzigen
PAL Fernseher mittels Reciever auch HDTV Sendungen empfangen könnten.

HDTV unterscheidet sich vom heutigen PAL in der Bildauflösung. PAL
hat eine vertikale Auflösung von 576  Zeilen. HDTV hat eine vertikale
Auflösung von 720 oder 1080 Zeilen. Da PAL mit nicht-quadratischen
Pixeln arbeitet, ist es wenig sinnvoll die Zahl der Gesamtbildpunkte
zu vergleichen, wie das teilweise in der Presse getan wird.

Die Wikinews haben ein in HDTV 720 Auflösung gedrehten Film in seiner
Orginalauflösung an einem hochauflösenden 21 Zoll PC-Monitor mit der
PAL-DVD 576 Auflösung verglichen und kein nennenswerten Unterschied
feststellen können.

Neben der Auflösung muss der Unterschied zwischen Voll- und
Halbbildmodus berücksichtigt werden. Die vertikale Auflösung des
Vollbildmodus (p für progressiv) ist laut der Fachzeitschrift
Kameramann, deutlich höher, als die vertikale Auflösung im
Halbbildmodus (i für interlaced) da im Progressiv-Mode (p) bei der
Auslesung der CCD Chips der Kamera keine Zeilenaddition der in Zeilen
angeordneten Pixel stattfindet. "Sie wirkt aber aus
wahrnehmungsphysiologischen Gründen noch stärker, als man rein
physkalisch und rechnerisch erklären kann." (Kameramann 4/2003; Seite
28/29) . Die meisten DVDs sind im Vollbildmodus angelegt. Wer einen
Fernseher hat, der den meist als "Progressiv-Scan" bezeichneten
Vollbildmodus beherscht, sollte den Ausgang des DVD Players
entsprechend einstellen.

Studien der BBC und des Schwedischen Fernsehns belegen, dass bis zu
einer für das normale Wohnzimmer recht großen Fernsehergröße von 42
Zoll (Bildschirmdiagonale 106 cm) die nach Zeilen kleinere HDTV 720p
(progressiv) Auflösung eine bessere Bildqualität liefert als HDTV
1080i (interlaced)  mit der Premiere die WM übertragen wird.

Da die meisten "HD ready" Fernseher eine 720er Auflösung haben,
erhält der HDTV  Zuschauer von Premiere letzlich nur ein 3. klassiges
HDTV 720i (interlaced) Bild ins Haus geliefert, das vermutlich kaum
besser sein wird, als das Bild von ARD, ZDF und RTL. Erst recht nicht
wenn ohne "Balken" im 4:3 Format gesendet wird. Viele "HD ready"
720er Geräte können die gesendeten 1080er Bilder nur mit
Qualitätsverlust in ihrer 720er Auflösung darstellen. Wenn im
klassischen 4:3 Format gesendet wird, ist das PAL Bild besser als bei
einer 16:9 Übertragung, da dann die volle PAL Auflösung  genutz wird.
(Ausnahme: PALplus und DVDs können auch im 16:9 Format die ganze PAL
Auflösung nutzen können).

Die Frankfurter Rundschau berichtet, dass entgegen den Ausführungen
des ARD Vorsitzenden Thomas Gruber die WM ohne "Balken" im
klassischen 4:3 Format in bester PAL Auflösung gesendet werden kann.
Grubers Ausführungen in dieser Angelegenheit waren bereits am Tag der
Äußerung nicht sonderlich glaubwürdig, da bekannt war, das Premiere
die WM auch in 4:3 überträgt. Hat Gruber gelogen, oder war er nur
schlecht informiert, als er u.a. behauptete die FIFA verlange die
16:9 Übertragung und bei einer 4:3 Übertragung würde der Zuschauer
wohlmöglich Wichtiges verpassen? Erst 2010 soll nach Plänen der FIFA
nur das 16:9 Format (HDTV Standart) angeboten werden, obwohl beide
Formate problemlos mit einem Team gleichzeitig produziert werden
können, ohne das irgendwer irgendwas verpasst, wie fälschlicher Weise
auch in der Neuen Züricher Zeitung (NZZ) zu lesen ist. Bildregie und
Kamera beachtet im wesentlichen nur den 4:3 Ausschnitt indem die 16:9
Monitore an den Seiten abgecacht werden. Es könnte auch anders herum
produziert werden, dass bei einem 4:3 Bild nur der 16:9 Ausschnitt
beachtet wird. Die 16:9 Zuschauer erhielten dann den kleineren
Ausschnitt. Die 1. Lösung ist aber aus technischen Gründen (HDTV
Kameras können nur 16:9) und aus ästhetischer Sicht vorzuziehen.

 Nur 15% der Zuschauer haben sich bislang überhaupt für das 16:9
Format erwärmen können. Ein 4:3 Gerät hat zudem eine um 96 Zeilen
höhere vertikale Auflösung. Sollte es bei 16:9 bleiben, unterstützen
ARD und ZDF indireckt Premiere gleich doppelt. Die ARD könnte 4:3 und
16:9 simultan ausstrahlen. Das 16:9 Format z.B. über EinsPlus. Das
Schweizer Fernsehn überträgt ohne "Balken" im klassischen 4:3 Format.

Die Bildauflösung ist nur einer von mehrern Faktoren, die die
Bildqualität bestimmen. Ein aufwändig produzierter Werbetrailer hat
auch in heuter PAL Auflösung oft eine bessere Qualität als ein
durschnittlicher HDTV Beitrag. Im Gegensatz zu Schriften werden
Bilder, auch bei geringerer Auflösung bereits als scharf empfunden.
Jedem PC Besitzer mit TV Ausgang wird dies bekannt sein. Die Details,
die HDTV zeichnen kann, verlieren sich mit der Entfernung zum
Fernseher. Beträgt der Betrachtungsabstand etwa das 4-fache der Höhe
des Fernsehers ist kein Unterschied zwischen der heutigen PAL
Qualität und HDTV mehr zu sehen, da das Auflösungsvermögen des bloßen
Auges selbst unter idealen Bedingungen nur etwa 1 Winkelminute
beträgt (1 mm auf 3.5 Meter).  Wer im Geschäft die PAL Qualität mit
HDTV vergleicht, sollte dies daher im normalen Betrachtungsabstand
zum Gerät machen. Für Präsentationen ist HDTV sicherlich sehr
interessant, für das normale Wohnzimmer aber wohl weniger, es sei
denn, es wird beabsichtig das Wohnzimmer in ein Kino zu verwandeln.
Da schon S-VHS gegenüber VHS keine nennenswerte Bedeutung erlangen
konnte, ist auch nicht zu erwarten, dass nun eine große HDTV
Begeisterung aufkommt. Werbeslogans, die HDTV als Neuerung gar mit
dem Schritt vom Schwarz/Weiß zum Farbfernsehn vergleichen, klingen
reichlich übertrieben.

Jeder der einen PC besitz hat bereits eigendlich einen HD Fernseher.
Den PC Monitor. Er kann zu Hause den Unterschied zwischen PAL und den
HDTV Auflösungen testen, indem er ein Bild in den verschiedenen
Auflösungen bei gleicher Größe im normalen Fernsehabstand betrachtet.
Dabei schneiden TFTs in der Bilddarstellungsqualität schlechter ab
als Röhrenmonitore. Wer einen PC mit TV Ausgang besitzt, kann auch
direckt vergleichen. Ein Bild, dass auf einem hochauflösenden TFT
schon schlecht aussieht, wirkt auf einem PAL TV noch gut scharf. Auf
einem "HD ready" TV wird das Bild auch schlecht aussehen. Auch daher
sollte die Anschaffung eines "HD ready" Geräts gut überlegt sein.
Maßstab sollte in erster Line die PAL Qualität und nicht die HDTV
Qualität sein.

Denn es ist abzusehen, dass noch sehr lange der weitaus größte Teil
des Programms in heutiger PAL Qualität gesendet wird. Die drei
Premiere Kanäle "HD Sport", "HD Doku" und "HD Film" können gegen
Aufpreis nur über Satellit empfangen werden, da Kabelfrequenzen
fehlen. Die WM in HDTV soll bei Premiere rund 45,-- bis 50,-- Euro
monatlich kosten. ARD und ZDF haben gerade erst angekündig nicht in
HDTV Auflösung zu senden und in PAL Equipment investiert. Die
privaten Free TV Anbieter können HDTV nicht finanzieren. Daher bieten
PAL Fernseher meist eine bessere Bildqualität als "HD ready" Geräte.
Die "HD ready" Geräte haben zudem oft Schwierigkeiten ein Bild in
guter Qualität darzustellen, dass nicht ihrer eigenen (pysikalischen)
Auflösung entspricht.

Langfristig ist aber davon auszugehen, dass hochauflösenden Fernsehen
(HDTV) das jetzige Fernsehsystem PAL ablösen wird. Anders als oft
behauptet, werden die meisten HDTV Sendungen aber weder in jetziger
PAL Qualiät noch in HDTV Auflösung aufzunehmen sein, wenn der "HD
ready" Kopierschutz sich durchsetzen sollte.

Derzeit kann nur der Verbraucher eine Besserung erreichen, indem er
keine "HD ready" Geräte kauft und abwartet bis HDTV Fernseher ohne
Kopierschutzsystem angeboten werden. Diese sollten natürlich dann
erst gekauft werden, wenn die HDTV Sender garantieren auf eine
Kopierschutzverschlüssellung zu verzichten. Im anderen Fall bekäme
der Werbeslogan "Intel inside" in Zukunft einen ziemlich bitteren
Beigeschmack.

Hoffentlich wird jeder auch in Zukunft noch in der Lage sein, seine
Lieblingssendung aufnehmen zu können.
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