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  • Azenion

mehr als 1000 Beiträge seit 28.08.2002

Amerikanisierung des Jugendschutzes

Es wäre interessant zu ergründen, wie diese "Amerikanisierung" des
Jugendschutzes zu erklären ist.

Es betrifft ja nicht nur die Prüderie (nächster bereits geplanter
Schritt: Die mediale Gleichsetzung von Jugendlichen mit Kindern),
sondern neuerdings auch den Umgang mit Alkohol. Statt auf Aufklärung
und den Erwerb von Lebenserfahrung an der langen Leine setzt man auf
Rund-um-die-Uhr-Behütung und entläßt dann am 18. Geburtstag
unselbständige Halbkretins in die Unabhängigkeit.

Zugrundeliegende Kernthesen scheinen zu sein:
- Sex ist böse oder "unnormal" (wie diese "Expertin" Cooper befindet)
- Jugendliche sind Kinder, also bis zur Vollendung des 18.
Geburtstages unzurechnungsfähig und natürlicherweise "unschuldig"
(also asexuell).

Das sind eigentlich puritanische Ideen - wieso fassen sie jetzt in
Europa fuß?

Kommen sie unterschwellig mit amerikanischen Medieninhalten zu uns
und werden von hiesigen Medien aufgegriffen und weiterverbreitet?

Oder ist es einfach eine Begleiterscheinung des Jugendwahns der
Erwachsenen, die auf diese Weise die echten Jugendlichen distanzieren
wollen: Wenn Erwachsene lebenslang Jugendliche bleiben wollen, müssen
die Jugendlichen Kinder bleiben?

Oder hängt es mit der Überalterung der Gesellschaft zusammen: Kinder
sind so knapp geworden, daß man sie überbehüten möchte, damit sie
*genau* dem erträumten Zerrbild eines Kindes gleichen.. gaaanz
"unschuldig", und möglichst nie erwachsen werdend, weil man dann ja
selbst zur Großelterngeneration wird?

Oder ist es nur ein Neidreflex auf die in Medien und der Realität
auftretenden knackigen, sexy Teenies, die man mißgünstig in den
Kindergarten zurück verbannen möchte, damit man selbst, mit Bierbauch
und Zellulitis vom Alter gezeichnet, sich besser fühlen kann?

Früher war es selbstverständlich, daß Jugendliche sehr erotisch sein
können und dürfen. "17 Jahr, blondes Haar" hieß es in einem Schlager.
Und heute geht man offenbar schon davon aus, daß irgendeine Form von
"Mißbrauch" vorliegen muß, wenn sich 17jährige nicht präpubertär
verhalten.

Irgendwie scheinen die jetzigen Meinungsführer der Gesellschaft
völlig den Draht zur Jugend verloren zu haben. Während diese
vermutlich mehr Medienkompetenz besitzt (die Ausnahmen beherrschen
die Schlagzeilen, aber nicht die Realität) als jede Generation zuvor,
wird von der Politik und dem vergreisenden Volk allen Ernstes eine
Gefährdung sogar 17jähriger durch gewöhnliche Pornographie behauptet,
und immer noch mehr statt weniger Zensur gefordert.
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