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  • artes.liberales

17 Beiträge seit 18.04.2017

Aus der Praxis...

...sprichwörtlich. Letzte Woche ging bei einem Kunden solch eine Box in Betrieb.

Da kam unter großem Tamtam ein "zertfizierter IT-Systemtechniker" mit dem Konnektor in die Praxis gestiefelt, der stolz zerknitterte Papierzertifikate auspackte, um seine Kompetenz eindringlich zu demonstrieren.

Los ging es mit der "IT-Inventarisierung":

"Oh, ein abschließbarer Serverschrank!" "Erm, ja?"

"Wer hat denn Zugang zum Schrank?" "Praxisinhaber und ich?"

"So geht das nicht! Sie sind nicht zertifiziert! Da darf nur der Praxisinhaber ran!" (wtf? Dein Kaffeekocherzertifikat darf ich dir als Dipl. Inf. vom Endlosdrucker in allen Farben ausdrucken...)

War schon mal n bombiger Einstand von dem guten Mann. Also Box ran, verwunderter Blick, das es eine USV im Schrank gab, per DHCP eine Adresse zuweisen lassen und dann ab an eine Workstation.

Hier gab es einen ersten Einblick in das "weitreichende Können und Wissen des zertifizierten IT-Systemtechnikers". Die zuvor erhaltene IP des Konnektors hatte man vergessen. Also machte man am Client die Shell auf und begann "ipconfig /" einzutippen.

"Wozu brauchen Sie die IP eines Clients? Die Box hat die .58 bekommen..."

Dann tippte man ping XXX.XXX.XX.53 ein, ging natürlich nicht. Dass man STRG+C zum Abbruch verwenden kann - unknown.

"Es war die 58... probieren Sie doch die mal..."

Also wieder alles von vorne eintippen (Pfeil auf kennt man auch nicht), mit der .55 am Ende. Wieder warten bis die 4x Zeitüberschreitung durch waren.

Nach 15 Minuten glaubte man mir dann doch, dass es die 58 war und startete Firefox. Das ausgeschaltete NUM-Pad bemerkte man nach 5 Minuten und fluchte lieber über "dieses komische System". Dann gestaltete sich das Kopieren einer URL aus einer TXT als mittelschweres Unterfangen, denn die IP im "Muster" war natürlich eine andere.

Irgendwann konnte er sich dann darauf verbinden. Dann kam die Frage nach freien Adressen für den Konnektor und das Lesegerät. Er solle bitte die 240 & 241 nehmen, also aus dem hinteren Bereich. "Das geht aber so nicht! WIR verwenden immer die 30 & 31!" OK, Adressbereich noch frei und nicht im Leasebereich, mach mal...

Dann kam soz. der Mount Everest - "Die User haben hier KEINE ADMINRECHTE auf den PCs???" Nein, welcher Kamikazepilot macht denn sowas heute noch? Ist für die gammelige Zahnarztsoftware auch Gott sei Dank nicht nötig!" "Also sowas..." Was ein Drama. Also als Admin anmelden, in der Software rumfummeln lassen und irgendwann funktionierte die Konnektor-Schnittstelle dann.

Nach der "Schulung" (die ganze 10 Minuten dauerte) gab es noch ein Q&A. Das nutzte ich dann ausgiebig.

"In welchen Rechenzentren werden die Daten gehostet? Speichern die ihre Daten ausschließlich nach gültigem Recht in Deutschland? Wer hat Zugriff auf diese Daten?"

Stotterndes "...das muss man dann von dem Betreiber erfragen..." "Und wer ist das?" Keine Antwort.

Nächste Frage: "Wofür berechnen Sie monatlich 89 € an Wartungsgebühr?"

Antwort: "Für Updates auf dem Konnektor und bei Fragen!"

Nachfrage: "Und wie schalten Sie sich auf den Konnektor von außen?"

Antwort: "Da haben wir immer Zugriff drauf!" Oh wie schön!

Zusatzfrage: "Und auf was haben Sie dann Zugriff, wenn Sie auf dem Konnektor verbunden sind?"

Antwort: "Auf das gesamte LAN/Subnetz!" Und dann wedelte man wieder mit seinen Zertifikaten herum....

Der Spaß hat jetzt zum "günstigen Einführungspreis" 3.560 € gekostet. 89 € monatlich für nix und man hat noch einen ständigen Fremdzugriff ins eigene LAN von Drittanbietern.

Herz, was willst Du mehr!

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