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  • warum_denn_wohl

10 Beiträge seit 28.02.2006

Meinung eines SAP Mitarbeiters....

Ich bin selbst SAP Mitarbeiter, jedoch in der Beratung (SAP
Deutschland).

Der Betriebsrat für die SAP AG (u.a. Entwicklung und Support) ist
natürlich eine große Überraschung, aber ein wenig Schadenfreude kann
ich mir nicht verkneifen.

Ich selbst bin in der Frage zwiegespalten, ob die SAP tatsächlich
einen Betriebsrat braucht. Auf der einen Seite gab es in den letzten
Jahren Entscheidungen, die starke Einschnitte für einzelne
Mitarbeiter bedeutet haben. Nach Rücksprache mit einem Juristen gab
es folgende Aussage: "Ja, das ist nicht i.O. Aber wollen Sie Ihren
Arbeitgeber verklagen?"

Auf Seiten der Arbeitnehmervertretung wurde der heftige Protest von
vielen Mitarbeitern nur mit Schulterzucken zur Kenntnis genommen.
"Ja, das wurde mit uns abgestimmt. Können wir aber nix mehr dran
machen."

Im konkreten Fall ging es um eine Regelung, wie Dienstfahrten mit dem
Privatwagen abgerechnet werden können bzw. wie die Alternative mit
einem Dienstwagen aussieht. 1 Tag vor Weihnachten wurde eine email
vom Management versendet, die für einige Mitarbeiter folgende
Konsequenzen hatte:
- bis zu 500-600 Euro PRO MONAT weniger Erstattung für Dienstfahrten
mit dem Privatwagen
- alternativ kann ein Dienstwagen genommen werden, der den
Mitarbeiter locker 500 Euro im Monat kostet

Die Erstattung für den Privatwagen war normalerweise so, daß ein Auto
mit Listenpreis von ca. 25000 Euro voll bezahlt war. Die neuen
Regelung: s.o.

Auf diese Extremfälle sind unsere Vertreter im Aufsichtsrat gar nicht
gekommen - kein Wunder, sind ja auch keine Berater.

Richtig ist natürlich, daß die alte Regelung sehr großzügig war und
es haben vor allem Berater davon profitiert. Aber Entschuldigung: die
Berater sind 170-210 Tage bei wechselnden Kunden vor Ort! Hier wird
das Geld verdient! Die Situation ist nicht mit der Entwicklung
vergleichbar, dort wird normalerweise an einem festen Arbeitsplatz in
Walldorf gearbeitet - Dienstwagen sind hier ein Goodie und auch
privat nutzbar. Der Berater ist die Woche über in irgendeiner Stadt
im Hotel - der Dienstwagen steht in der Tiefgarage, wird überwiegend
dienstlich genutzt, und kostet mich als privatmann 500 Euro Netto im
Monat (das ist nicht
nur die Versteuerung, SAP verlangt noch zusätzlich Geld für die
Grosszügigkeit, einen Dienstwagen für Berater zur Verfügung zu
stellen). Meine Frau braucht natürlich in dieser Konstellation ein
eigenes Auto - die Mitnutzung des Dienstwagens ist zwar erlaubt, aber
für Berater selten möglich.

Jedoch: die Mitarbeitervertretung im Aufsichtsrat hat überhaupt nicht
verstanden, worum es ging. Einzelne Härtefälle sind erst nach der
Einführung der Regelung aufgefallen und die Aussage des Managements
nach Beschwerden war: Pech gehabt, wir haben hier einen alten Zopf
abgeschnitten, wem das nicht gefällt, soll gefälligst gehen!

In diesem Fall bin ich sicher: Eine solche Regelung hätte mit einem
Betriebsrat anders ausgesehen. Auch die Klagemöglichkeit hätte über
den Betriebsrat laufen können, ohne das der einzelne Repressionen
befürchten muß. So haben alle nur die Faust in der Tasche gemacht.

Und dies ist ja nur ein Beispiel, es gibt weitere.

- Bonusplan: der Bonusplan wird jedes Jahr geändert, merkwürdiger
Weise bekomme ich aber für vergleichbare Leistung jedesmal weniger
Geld (einige 1000 Euro / Jahr). Hier findet angeblich eine
Umverteilung statt, von der andere Mitarbeiter im Ausgleich
profitieren. Auch an der Summe der Auszahlung soll nichts geändert
werde. Ich glaube der Aussage des Managements hier - jedoch würde ich
mir manchmal etwas mehr Transparenz wünschen, damit ausgeschlossen
wird, dass die Umverteilung nicht einfach nur Richtung Management
geschieht.

- Personalabrechnung: Die Bearbeitung von Reisekostenabrechnungen
findet nicht mehr in Deutschland statt - das ist jetzt in Ungarn.
Soviel zum Thema Standort Deutschland.

Nun nochmal die Frage: brauchen wir einen Betriebsrat?
Für die Einzelfälle: ja!
Generell: Nein, auf keinen Fall!

Sicher mag manch einer denken:
"Die jammern aber auf einem hohen Niveau". Da stimme ich vollkommen
zu. Es war immer Mentalität der SAP, bei großem Erfolg auch die
Mitarbeiter zu beteiligen. Allerdings hat sich dies die letzten Jahre
relativiert - es folgt eine Hurra Meldung nach der anderen, mit
Millardengewinnen und großem Erfolg an der Börse. Nach innen hin aber
ist alles ganz schwierig und wir müssen uns weiter einschränken und
noch größere Leistungen bringen. Offenbar wird der Erfolg nur noch
mit dem Management geteilt.

Also bei SAP geht alles seinen Weg Richtung "normale" Firma:
Betriebsrat, großes Geld nur noch für Manager, Jammern über den
Standort Deutschland, trotz Einschnitten dennoch outsourcen usw.

Ist etwas schwarzgemalt, aber es war vor 2 - 3 Jahren besser. Die
Zeiten kommen aber auch mit einem Betriebsrat nicht wieder.

Ich freue mich auf eure Kommentare.

Viele Grüße,
anonymer Feigling
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