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  • eclipse.sx

132 Beiträge seit 16.04.2006

Wie schafft man eine Demokratie ab?

Man macht ein paar Gesetze die den Interessen der Bürger zuwieder
laufen, verlagert ein paar Kompetenzen in eine ferne Hauptstadt. Die
Bürger sehen sich plötzlich mit Gesetzen konfrontiert, die als
ungerecht empfunden werden. Plötzlich ist das brechen von Gesetzen
nicht mehr etwas verwerfliches, sondern etwas das jeder tut. Das
Gerechtigkeitsempfinden bleibt irgendwo auf der Strecke, wenn man
sieht wie Rapper einem vorrappen wie cool es ist Cops zu erschiessen
oder wenn sie die Frauenwelt in "Schlampen" und "Nutten" unterteilen
und wie rührend, wenn sich die selben Leute dann im TV über diese
kriminellen Raubkopiererschweine aufregen, die ihre "Kunst" stehlen.
Aber schon klar, die machen das alles für die Musik. So richtig
"credible" ist man ja nur mit den drei Rolls Royce und der
Pfundschwere Goldkette. Überhaupt kann man nur in der Sonne von
Malibu so richtig gut über die Bronx texten. Die brauchen das Geld,
ehrlich!

Im Geschichtsunterricht in der Schule fand ich es immer seltsam,
wieso sich im Griechenland der Antike die attische Demokratie nicht
durchgesetzt hat oder wieso sie später im Römischen Reich keinen
Bestand hatte.
Gut, mag naiv sein aber man hinterfragt den ganzen Scheiß, den man im
Gemeinschaftskundeunterricht (oder wie die Indoktrinierung aktuell
gerade heisst) bekommt auch jahrelang nicht. Kling ja auch so toll,
wenn es heißt die Demokratie ist toll, weil die Bürger mitbestimmen
können und frei sind,  frei von staatlicher Willkür, frei von
privater wilkür. Dumme Griechen, dumme Römer haben dieses überlegene
System nicht mehr gewollt und fanden sich plötzlich unter der
Herrschaft einer priviligierten Oberschicht. Warum haben die nichts
gemacht, selber schuld...
Was soll ich sagen, ich weiß es jetzt! Niemand hat jemals abgestimmt
das ihr Gesellschaftssystem, also die Demokratie abgeschafft wird. Es
ist einfach passiert, Bürger wurden von populistischen Politikern an
der Nase herum geführt und für einen schellen Profit verkauft. Das
passiert nicht plötzlich, sondern Stück für Stück. Schrittweise
wurden ihnen ihre Rechte genommen, immer und immer mehr. Äussere und
innere Feinde sind auch immer gut für so etwas. Damit kann man viel
rechtfertigen. Das Reich wird von aussen angegriffen, wir müssen uns
schützen gegen Feinde von aussen und von innen. Der Staat muss ja
schliesslich seine Bürger schützen, auch vor sich selbst. Die Bürger
verwöhnt und verwirrt von ihrem Wohlstand nehmen es hin. Nach ein
paar Jahren stellt sich nun mal in einer Gesellschaft wie der unseren
die Vollkasko-Mentalität ein. Da werden Parteien gewählt, weil Opa
die schon gewählt hat, ohne nachzudenken, wozu auch. Parteiprogramme
liest sowieso keiner. Wenn wir vom Staat fordern, daß er uns alles
abnimmt, so nimmt er uns am Ende eben auch alles ab. Da nimmt man ab
einem gewissen Punkt der Unmündigkeit eben auch hin, wenn es dann
"offiziell" gemacht wird. Irgendwann so 50 Jahre später fragen einen
die eigenen Kinder, wieso man damals die Demokratie abgeschafft hat.
Da kann man nur nach kurzen Nachdenken sagen: "Es ist einfach
passiert". Die Wahrheit aber wird sein: "Wir haben es passieren
lassen", weil wir zu faul und zu träge waren und keine Risiken mehr
eingehen wollten.

Es ist passiert und es wird passieren, vielleicht muss es passieren,
weil es ein Zyklus ist wie alles andere, wie die Gezeiten, wie die
Abfolge von Warm- und Kaltzeiten. Mir bedeuted dieses System
jedenfalls nichts mehr, es ist eine Demokratie im Endstadium. Das
neue System hat noch keinen Namen, nennt es Wirtschaftsfeudalismus.
Softwarepatente, Intellectual property, wem nutzt das denn? Den
Bürgern? Wen vertreten die Politiker? Die Masse ist dumm und wird
jeden Verlust persönlicher Freiheit hinnehmen, und die besonders
dummen werden es auch noch beklatschen. 
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