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  • mein bac - dein bac

412 Beiträge seit 02.05.2002

So liefs in der Vergangenheit beim THW im Ausland

Kann man nicht verallgemeinern. Die UN bringt normalerweise eigene
Sachen mit, aber nicht jede GO oder NGO profitiert davon. Die NGOs
kochen ihr eigenes Süppchen.

Ich war bei einigen Einsätzen des THW dabei (Flüchtlingswelle
Nordsomalia 1992, Erdbeben Türkei 1999, Genozid Ruanda/Zaire 1995),
wobei das THW ja eine "GO" ist (governmental organization) und
prinzipiell einen engen "Draht" zur UN (OSSOC) hatte. 

Ich hatte als Funkamateur beim THW die Aufgabe, über Pactor
(Kurzwelle) die Verbindung zur Zentrale in Bonn oder anderen
Aussenstellen (Djibouti) aufrechtzuerhalten und unsere lokalen
Einsatzkräfte über 2m oder 4m FM zu koordinieren und das Ganze
kommunikationstechnisch "in Schwung" zu halten. Das hat meistens
recht gut funktioniert. 

Die UN in Goma beispielsweise hatte ein (oder mehrere) 2m-Relais für
Rund- und Notrufe eingerichtet, das hat man immer nebenher mitgehört.
Motorola hatte in Goma mehrere GSM-Basestations eingerichtet, daran
waren wir aber nicht "angeschlossen".

Es war zwar jeweils auch ein Inmarsat-Telefon dabei, aber die
exorbitanten Kosten waren das Argument, es NICHT für regelmaessige
Berichte zu nutzen. Leider ist mit den Jahren in den Köpfen "oben"
die Kurzwelle als "Freaky" verschrien gewesen, was Quatsch ist. Aber
es gab da Einsatzleiter vor Ort, die ziemlich lange das am Telefon
durchgegeben haben ($$$), was man haette tippen und für 0€ via Pactor
verschicken können (und sollen). Das Telefonieren nicht so ganz das
Wahre ist haben (neben den Kosten) alle erst gemerkt, als das
Marconi-Inmarsat-Tel ausgefallen war... da waren (in Goma) alle
dankbar für Pactor ;-)

So schnell wie mit Kurzwelle/Pactor war ich nie "online", es hat in
der Türkei irgend ein "hingeworfener" Draht auf'm Marktplatz
gereicht, 12V vom LKW, Transceiver und Laptop dran... um fast an der
Hörbarkeitsschwelle noch eine stabile Pactor-Verbindung aufzunehmen
und Lageberichte durchzugeben. Langsam zwar, aber sicher. Das ging
auf der Hebebühne des LKW... Sat-Verbindung kannst du unter den
Umständen kaum machen.

2m/4m lokal ist je nachdem schwierig gewesen, da der Einsatzradius
recht gross sein konnte (in der Türkei 20km... in Trümmerbergen auf
2m FM fast nicht zu machen). 

Das größte Problem aus meiner Erinnerung waren die "Haltbarkeit" der
Geräte und Sprechgarnituren, Bedienungsfehler und - wie immer - die
Akkus, die bei Hitze und Kälte funktionieren müssen. Wir hatten
Kennwood-Handgeräte, die eigentlich OK waren, was im Moment beim THW
bei SEEBA/SEEWA eingesetzt wird im Ausland, das weiss ich leider
nicht.

Es gab einen Fall, wo wir wegen schlechter interner Kommunikation
(belegte Frequenzen, Bedienungsfehler, Akkus leer,... sowas in der
Art) vor Ort das Leben derer verloren haben, die wir retten sollten.
Das ist rückblickend die Katastrophe in der Katastrophe... wenn ich
daran zurückdenke, wirds mir ganz anders. In den meisten Fällen aber
lief es fast reibungslos, wichtig ist ein eingespieltes Team, das
sich vertraut, und üben üben üben. 

Leider bin ich nicht mehr aktiv, aber das Erdbeben in Haiti weckt
ganz komische Gefühle, helfen oder überhaupt irgendwas tun zu
wollen...

Gruesse
Bac
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