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  • HooMair

531 Beiträge seit 16.08.2003

Die Abheber sind nur die halbe Wahrheit, es gibt auch noch die Meilen-Generierer

...die einen kleinen Trick mit schlecht konfigurierten Kassensystemen und mangelnden Limits seitens Number26 genutzt haben, um mit wenig Aufwand und ohne echte Kosten für sie tonnenweise Kreditkarten-Benefits (Meilen, Kickback-Zahlungen o.ä.) zu generieren. Der Spaß funktionierte, indem mal über barzahlen.de eine "Einzahlung" auf sein Konto erzeugte. Das geht bis zu 999€, und was man dann bekommt ist ein Stück Papier zum Ausdrucken mit einem Barcode. Den bringt man zu einem teilnehmenden Partner (da sind diverse bekannte Supermarktketten bei) und lässt den an der Kasse scannen. In der Theorie sollte man jetzt den gewählten Betrag bar bezahlen können und die Kasse meldet an barzahlen.de, dass dies stattgefunden hat, woraufhin der Geldempfänger (in diesem Fall Number26) irgendwas tut, z.B. eine Bestellung ausliefert (in diesem Fall wird der Betrag dem Konto zur sofortigen Nutzung gutgeschrieben).

Findige Kreditkarteninhaber sind nun auf den Trichter gekommen, dass manches Kassensystem nachlässig konfiguriert wurde. Barzahlen.de sollte, wie der Name ja sagt, zum bar bezahlen von (Online-)Leistungen dienen, d.h. die Kasse sollte mit so einem barzahlen-Artikel auf dem Bon keine Kartenzahlungen zulassen. Das tun einige jedoch. Und gleichzeitig haben viele Händler nach der kürzlich erfolgten Deckelung der KK-Gebühren per EU-Beschluss sehr spontan entschieden, nun Kreditkarten zu akzeptieren. Dies eröffnete die Möglichkeit, sich unter Nutzung eines Number26-Kontos einen 999€-Artikel zu "erstellen", der das Geld beim "Kauf" direkt aufs eigene Konto transferiert. Diesen bezahlt man nun an einer von besagten Kassen mit seiner Kreditkarte, die irgendeinen Benefit für jeden damit ausgegebenen Euro bietet, z.B. Flugmeilen. Das macht man nun jeden Tag aufs Neue. Man lässt das Geld eigentlich nur für einen selbst verlustfrei in der Gegend herumkreisen, sahnt dabei aber täglich satte Boni ab und erzeugt auf der anderen Seite für den Händler und vor allem für Number26 riiiiiichtig fette Transaktionskosten, denn Number26 muss an Barzahlen.de Provisionen für deren Dienste zahlen. Manche Leute zogen diesen Geldkreisel zumindest gelegentlich auch noch über Bankautomaten, z.B. am Wochenende, wo keine Überweisung von Number26 zu ihrem Kreditkartenkonto verarbeitet werden würde - dann holten sie sich ihr Geld halt in bar am Automaten ab. So entstehen zusätzlich auch noch die Kosten, über die sich Number26 nun öffentlich aufregt (die Kosten durch den barzahlen.de-Kram sind aber ungleich höher; ich schätze mal nur, dass Number26 diesen Aspekt verschweigt und das Geld-Abheben so betont, weil sie nicht auf diese Geldkreisel-Taktik hinweisen wollen...).

Ich kann ziemlich gut verstehen, wenn man sich derartiger Kunden durch ordentliche Kündigung entledigen möchte. Gleichzeitig wurde jetzt wohl die Möglichkeit der Einzahlung per Barzahlen.de stark limitiert, um diese Geldkreisel zu unterbinden. Auch das ist verständlich. Etwas peinlich ist allerdings, dass Number26 dieses Loophole nicht gesehen und gestopft hat, bevor die Meilen-Generierer es ausgenutzt haben. Das wirft kein gutes Licht auf Number26 - gerade jemand, der so offensiv damit wirbt, er sei der neue heiße Scheiß der modernen, online-gestützten und bargeldlosen Zahlungswelt, sollte derartige Zusammenhänge im Vorhinein erkennen und unterbinden können.

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