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  • microB

mehr als 1000 Beiträge seit 14.04.2000

die Abfragemöglichkeit wäre eine völlig neue Qualität

Leute, das was Schäuble da lostreten will, besitzt eine völlig neue
Qualität!

Wenn das alles richtig formuliert ist, geht es um den Abruf der
BIOMETRISCHEN MERKMALE aus Reisepässen und (zukünftigen)
Personalausweisen.

Das bedeutet aber, daß es primär gar nicht um Bilder und
Fingerabdrücke sondern um die numerischen Codes geht, die aus den
Bildern bzw. Fingerabdrücken errechnet werden - und das ist eine
völlig neue Dimension.
Weder Bilder noch Fingerabdrücke an sich eignen sich als Identifier
für eine Person oder eine Personengruppe in Datenbanken.
Die aus diesen Rohdaten generierten Codes dagegen schon.

Das, worum es hier eigentlich geht, ist keine Form von Amtshilfe nach
dem Muster "Wir haben da ein Radarfoto, das wir zu Beweiszwecken dem
Fahrzeughalter zuordnen wollen".
Es geht um eine neue Qualität: Es ist absehbar, daß die hinter
Überwachungskameras stehende Software in naher Zukunft in der Lage
sein werden, Gesichter abzugleichen, die aus unterschiedlichen
Perspektiven aufgenommen wurden. Es wird ein Leichtes sein, auf diese
Aufnahmen auch die Algorithmen zur Erzeugung der biometrischen Codes
anzuwenden.
Was man damit in Händen hält ist klar: Ein handlicher, universell
einsetzbarer Identifier, mit dem sich jede Form von Aufnahmen ohne
großen Aufwand mit vorhandenen Datenbeständen zu einer Person
verknüpfen lassen.

Fassen wir mal die bereits verfügbaren Schlüsselsysteme zusammen:
Wir haben eine Personalausweisnummer, die eigentlich nur für das
Schlüsseln von Informationen Öffentlicher Verwaltungen zugelassen
wäre, aber inzwischen (rechtswidrig) auch von Banken als Schlüssel
eingesetzt wird.
Es gibt eine Sozialversicherungsnummer, die den universellen
Schlüssel zu allen, unsere Berufstätigkeit und unser Einkommen
betreffenden, Informationen darstellt. Zusätzlich wird wohl noch ein
Job Card-Schlüssel hinzukommen, der den Zugriff auf die Datenbestände
in den Unternehmen erleichtern wird.
Es wird eine universelle Krankenversicherungsnummer auf der
Gesundheitskarte geben, mit deren Hilfe man eindeutig auf alle im
Gesundheitswesen gesammelten Daten wird zugreifen können. Hinzu kommt
die Möglichkeit einen Restriktionskettenpolymorphismus (eine
"Gendatei", die im Kontext medizinischer Daten wirklich sinnvoll
eingesetzt werden könnte) zur Vernetzung mit forensischen
"Gendatenbanken" einzusetzen.
Damit ist der gesamte Bereich des bürokratisch geregelten
Lebensumfelds abgedeckt.

Nicht zu sprechen von den nicht eindeutig personenbezogenen
Schlüsselsystemen wie z.B. KFZ-Kennzeichen.

Was fehlt, sind Schlüsselsysteme, mit denen sich der private, nicht
öffentliche Bereich erfassen und analysieren läßt.
Ideal für das Schlüsseln und Abgleichen dieser personenbezogenen
Informationen sind biometrische Systeme, weil sie (relativ)
unveränderlich sind und "im Vorbeigehen" ausgelesen werden können.
Als Schlüsselsysteme etabliert sind seit der Einführung biometrischer
Ausweise die normierten Passbilder und die Fingerabdrücke.
Zusätzlich könnte (das kann man nur vermuten) ein akustischer Code
aus der Stimmanalyse existieren oder sich in der Entwicklung
befinden, mit dem sich z.B. anonyme Telefongespräche oder
Informationen aus der akustischen Überwachung öffentlicher Räume
zuordnen lassen.

Um es noch mal zu sagen: Es geht nicht um das Abrufen von Bildchen
aus den Meldeämtern.
Das was hier angegangen wird, ist das Etablieren eines
Schlüsselsystems, mit dem sich Informationen aus allen Formen der
optischen Überwachung verknüpfen und abgleichen lassen.
Unter diesem Aspekt gewinnt die Diskussion um das Schlagwort
"1:n-Abgleich" eine ganz neue Bedeutung.

Um es noch mal anders auszudrücken:
Heute existieren zahlreich Inselsysteme, in die unterschiedlichste
personenbezogene Daten eingespeist werden. Viele dieser Datenpools
sind anonym, weil sie z.B. bei der Videoüberwachung öffentlicher
Räume oder der ungerichteten akustischen Überwachungen aufgenommen
wurden. Die Zuordnung dieser Inselinformationen efordert im Moment
einen hohen Aufwand, ist automatisiert kaum möglich.
Das wird sich mit der zunehmenden Einsatzreife (also der immer
vollständigeren Erfassung der Bevölkerung in den kommenden Jahren)
der biometrischen Schlüssel dramatisch ändern. Da ist es nur
konsequent, wenn man sich zu einer Zeit technischer nicht voll
einsatzfähiger Systeme um die formaljuristische Absicherung der
Schlüsselverwendung kümmert.

Ist das Paranoid?
Ich denke nicht. Ich habe mir nur Gedanken über technische Fragen
gemacht.
Paranoid wäre es, an die technischen Aspekte eine Frage nach dem
WOZU? anzuhängen.

Das mache ich aber besser nicht.

microB
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