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Avatar von Magnar Hirschberger
  • Magnar Hirschberger

mehr als 1000 Beiträge seit 19.05.2005

Re: Vietnam + China

opensky schrieb am 25. Juli 2007 6:44

> Hallo Magnar

> herzlichen Dank fuer deine interessanten Ausfuehrungen. Ich lebe in
> Thailand und bin oft in den benachbarten Laendern.

> Ich hoffe, deine Einschaetzungen treffen zu - es spricht einiges
> dafuer. Nur den Chinesen traue ich nicht ganz ueber den Weg. Ich habe
> nichts persoenlich gegen sie, im Gegenteil, ich habe bisher nur gute
> Erfahrungen mit ihnen gaemacht, auch geschaeftlch. Allerdings habe
> ich mich auch etwas mit deren Kultur und Mentalitaet befasst - im
> Gegensatz zu vielen Wessis, die glauben, dort schnell das grosse Geld
> machen zu koennen. Dass Europa seine Zulieferindustrie dorthin
> auslagert und sich damit voellig abhaengig macht, koennte sich imho
> einmal bitter raechen.

Es ist ein guter Zug an Dir, dass Du Dich mit der Denkweise der
Chinesen beschäftigst. Konfuzius Morallehre ist eine der Grundsäulen
des dortigen Verhaltenkodexes. Und die chinesische Sprache ist auch
heute noch voller Zirkelbezüge auf historische Überlieferungen.

Die 36 Strategeme von Tan Daoji aus der Zeit der Frühlings- und
Herbstanalen - gut zusammengefaßt mit Ableitung aus dem chinesischen
Orginal unter http://de.wikipedia.org/wiki/36_Strategeme - spielen
eine wichtige Rolle bei Kämpfen, sei es nun der Kampf bei
Generalsspiel (dem chinesischen Schach), beim Militär oder eben beim
Konkurrenzkampf auf den Weltmärkten.

Als Europäer darf man dabei nie vergessen, dass die Chinesen ihre
Vorstellungen nicht zuletzt untereinander anwenden. Ansonsten ist
auch den Chinesen durchaus klar, dass wir als Europäer anders
gearteten Vorstellungen anhängen. Man hat sich halt aufeinander
einzustellen, wobei ein jeder sein Bestes versuchen sollte - dann
steht die verschiedenen Kulturen dem Erfolg nicht mehr im Wege.

Die Auslagerung ganzer Industrien nach China hat schlicht mit dem
Gebahren des Finanzkapitals zu tun, das jetzt und hier nach
günstigsten Verwertungsbedingungen fürs Kapital sucht, welche z.Z. in
China gegeben sind. Strategisch ist es natürlich unklug, jeden
dritten (!) auf der Welt verfügbaren Dollar in China zirkulieren zu
lassen.

Dieser Umstand ist freilich nicht auf angebliche hinterlistige Pläne
der chinesischen Führung und Wirtschaftsmanager zurückzuführen,
sondern eher auf die kurzsichtige und gierige Herangehensweise
westlicher Manager, die diesen Ansatz dann auch noch als "kreativ"
verkaufen wollen. Da Problem ist also hausgemacht. Es sind genau jene
oft fürstlich bezahlten Manager, welche kaum noch innovative Produkte
kreieren, sondern nur noch - frei von sozialem
Verantwortungsbewustsein - auf der Kostensenkungsschiene fahren. Das
Problem liegt also eher in den westlichen Ländern, der Politiker
diesen Managern auch noch dienstbeflissen assistieren, deren Politik
nicht mehr agiert, sondern nur noch sogenannten "Sachzwängen"
hinterherläuft. Es dokumentiert schlicht das Scheitern eines
Vierteljahrhunderts neoliberaler Politik.

Die Entfesselung der Marktkräfte in China, Indien und Vietnam hat
dort nicht nur die Wirtschaft beispiellos angekurbelt, sie hat vor
allem - und genau das ist der Motor des ganzen Vorgangs - hunderte
Millionen Menschen aus der Armut befreit. Da China und Indien über
eine urgewaltig große Bevölkerung verfügen, läuft dieser Vorgang sehr
viel länger und damit wesentlich nachhaltiger als etwa seinerzeit der
japanische Wirtschaftsaufschwung. Und noch bleiben (in beiden Ländern
zusammen genommen) dort mehr als 1 Milliarde Menschen, welche noch
der Armut entrinnen wollen...

Magnar Hirschberger

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