Menü
Avatar von Seven81
  • Seven81

4 Beiträge seit 13.05.2013

Enorm schwierige Mitgliederstruktur der Piratenpartei

Die Piraten haben aus meiner Sicht ein gewaltiges Problem mit ihren
Mitgliedern, die de facto in großen Teilen politikungeeignet sind.
Ich bringe mal drei Punkte inkl. Links, zu denen sich jeder mal eine
Meinung bilden kann.

1. Antrag der Spitzenkandidatin Julia Reda zum Europawahlprogramm
Unter
http://wiki.piratenpartei.de/Antrag:Bundesparteitag_2014.1/Antragspor
tal/WP030 findet sich der von ihr vertretene Antrag "EU-Wahlprogramm
- Kurz und Knackig". Lest es euch wirklich mal Punkt für Punkt durch
und beantwortet die Frage, ob ihr eine Partei mit einem solchen
Programm wählen würdet.
Der Antrag wurde zwar nicht angenommen, bekam jedoch nicht wenig
Zustimmung. Dass ein Großteil der anwesenden Piraten überhaupt keine
Anträge lesen mag und lieber irgendwas abstimmt, ist ein elementares
Problem. Man kann schlecht Volksabstimmungen einfordern, wenn ein
großer Teil der eigenen Partei überhaupt kein Interesse an
inhaltlicher Arbeit hat. Wenn an Infoständen oder in Zeitungen auch
noch irgendwelcher Quatsch erzählt wird bzw. steht wie eine
Weltraumleiter, verspielt man noch den Rest an Vertrauen beim Wähler.

2. Shitstorming und Schwarmdummheit
Was an inhaltlicher Arbeit weniger geleistet wird, kanalisiert sich
ständig über Twitter in Filterbubbles von Teilen der Partei. Also es
gibt aus meiner Sicht ein erhebliches Problem im absolut
oberflächlichen Meinungsbildungsprozess. Dazu kann jeder ja mal die
Diskussion um die Antifa-Fahne auf dem gerade abgelaufenen Parteitag
anschauen
(https://twitter.com/search?q=%23bpt141%20antifa&src=typd&f=realtime)
. Ob solche Fahnen was zu suchen hat bei einer politische Partei, sei
mal dahingestellt. Die Diskussionskultur, wie auf die jeweiligen
Befürworter oder Ablehner eingedroschen wird, ist wahrscheinlich ein
Alleinstellungsmerkmal der Mitglieder der Piratenpartei. Die Leute
werden dummgemacht, beleidigt, als Nazis beschimpft. Und der
Klüngelkreis dieser beschimpfenden Personen springt dann darauf auf.
Diese Kommunikationsweise zieht sich durch die gesamte Partei. An
dieser Stelle möchte ich auch mal einen Tweet der medial bekannten
Julia Schramm nach der Vorwahl heute der Europakandidatenliste mit
drei Männern an der Spitze (Zitat Julia U. Schramm @laprintemps: "Ich
mache ja keinen Wahlkampf für eine Penisliste. Nie wieder."). Die
Reduktion von Personen auf ihr Geschlecht durch bekannte
Persönlichkeiten der Piratenpartei ist sicherlich wenig förderlich. 

3. Viele Kompetenzträger sind längst raus
Sicher hat der ein oder andere den 30c3 Ende letzten Jahres
mitbekommen. Möglicherweise wurde früher mal die Piratenpartei recht
ähnlich wahrgenommen so als Ansammlung vieler technisch orientierter
Personen, die sich an Überwachung, Drohnen, mangelndem Datenschutz
oder Ähnlichem stören. Dem ist aber überhaupt nicht so. Sehr viele
Piraten haben überhaupt keinen Plan davon bzw. auch überhaupt kein
Thema, in dem sie sich auskennen. Aber jeder will überall mitsprechen
und mitentscheiden. Dass Wissensträger mal Anerkennung bekommen, kann
man in der Piratenpartei wohl kaum erwarten. Stattdessen sind die
Personen im Vordergrund, die gut vernetzt sind. Eine Lobby in der
Partei versucht, diese "Macht durch Vernetzung" auch in der
Entscheidungsfindung durch die Einführung von Liquid Feedback zu
manifestieren. Dieser innerparteileiche Kampf schreckt
Kompetenzträger ab, sich parteipolitisch zu engagieren. Von einem
Klima der Freiheit für wirklich themeninteressierte Personen und
Wertschätzung ist die Piratenpartei Dimensionen entfernt.

Und daher ist mein Fazit, dass die Piratenpartei erstmal ordentlich
bei sich aufräumen muss und die Personen rausschmeißt, die
parlamentarische Arbeit und Twitter verwechseln und denen es einzig
um Macht geht.

Bewerten
- +
Anzeige