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Avatar von Bernd Paysan

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Re: Wer sich wirklich mal mit der Person Einstein beschäftigt hat,

schnubbi schrieb am 15. März 2004 0:52
> Solange Du Einstein nicht als Begründer der Quantentheorie, sondern
> für einen ihrer Gegner hälst, darfst Du das gerne tun ;-)

Einstein ist beides. Der photoelektrische Effekt (einer der drei
Artikel von 1905) ist einer der entscheidenden Grundlagen der
Quantenmechanik: Wellen haben Energie, und diese ist proportional zur
Frequenz (E=h\nu, das hat schon Planck postuliert, aber nicht direkt
nachweisen können). Der eigentliche Begründer der Quantenmechanik,
DeBroglie, setzt E=mc²=h\nu, und postuliert eine (stehende) Welle für
Teilchen. Diese Welle transformiert er mit Hilfe der speziellen
Relativitätstheorie (die zweite wichtige Entdeckung Einsteins, auch
wenn er da nur "zweiter" war, denn Lorentz hatte diese Idee schon ein
paar Jahre vorher), und dieses Ergebnis läßt sich genau so
nachweisen.

Die Quantenmechanik steht also mit zumindest zwei Füßen auf Einstein.
Alternativ natürlich auf Planck und Lorentz ;-), aber Ideen reifen,
und es gibt nie einen einzigen Urheber. Die allgemeine
Relativitätstheorie hat ihre Wurzeln schließlich auch bei Ernst Mach,
und Albert Einstein scheint so manches von Machs Ideen etwas anders
verstanden zu haben als Mach selbst.

Die Kritik Einsteins an der Quantenmechanik ist eher eine Kritik an
der Interpretation (insbesondere der aus Kopenhagen) zu verstehen.
Einstein konnte sich nicht mit einem inherenten Indeterminismus
anfreunden; damit ist er nicht allein. DeBroglie hat auch den Rest
seines Lebens daran gearbeitet, eine deterministische Quantentheorie
zu basteln, und Bohm scheint das sogar halbwegs gelungen zu sein -
allerdings für einen hohen Preis (gegen den sich Einstein mit dem
EPR-Paradoxon wendet). Eine deterministische, kausale (lokale)
Quantentheorie gibt's bislang nicht.

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