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  • Dr. Peter Rottengatter

mehr als 1000 Beiträge seit 06.01.2000

Schön, wie der Autor hier wieder Mythen pflegt

Optische Atomuhren sind hochkomplizierte Apparaturen und waren bis vor Kurzem nur in den Laboren einiger großer Forschungs- institute zu finden. Eine transportable optische Strontiumuhr der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt PTB, Braunschweig und Berlin, ermöglicht erstmals Messungen im Feld.

Ich arbeite nicht in einem großen Forschungsinstitut. Ich habe aber eine Strontium-Atomuhr in der Größe einer kleinen Zigarrenbox und eine Cäsium-Atomuhr in der Größe einer Streichholzschachtel auf dem Labortisch liegen. Bei der Größe würde ich die wohl transportabel nennen wollen. Die Strontiumuhr ist eine von einem Typ, wie er zu tausenden an Mobilfunkmasten zu finden sind, und sogar billig auf eBay gehandelt wird:

https://www.ebay.com/p/Fe-5680a-Rubidium-Atomic-Frequency-Standard-10mhz-SMA-Output-0-5m-Cable/1731521986?iid=290709958177

Die andere ist von einem Typ, dessen Formfaktor tatsächlich erst seit immerhin fünf Jahren verfügbar ist:

https://www.microsemi.com/document-portal/doc_view/134343-sa-45s-csac-faq

Beide Typen sind optische Atomuhren, angeblich "hochkomplizierte Apparaturen". Naja, jedes Prozessor-Innenleben ist komplizierter!

Was der Autor wirklich meint, sind Atomuhren auf Atomstrahl-Basis, evtl. sogar in Fontänenform. Die sind zwei Größenordnungen komplizierter, aber eben auch genauer. Ob die zusätzliche Genauigkeit gebraucht wird für den Nachweis der allgemein-relativistischen Zeitdilatation bei den in den Alpen anzutreffenden Höhenunterschieden, weiß ich jetzt nicht, und bin zu faul, es auszurechnen. Ich nehme es aber an.

Was ich ebenfalls nicht weiss, ist, ob der Autor nun für eine solche genauere Darstellung das Heise-Publikum für nicht schlau genug hält, eine andere Agenda verfolgt, oder es eben selbst nicht verstanden hat.

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