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Avatar von ricky2000
  • ricky2000

596 Beiträge seit 01.10.2003

Spielen wir mal "heiseBlog"

Glückwunsch zur Überschrift. Passender Einstieg, "Raubkopien" haben
mit dem Thema hier nichts zu tun.

>Amerikanische Blogger kommentierten dies auch deshalb belustigt,
weil McCain in einer Befragung im 
>Zusammenhang mit Immaterialgüterrechtsansprüchen weit weniger
Verständnis für 
>Verbraucheranliegen zeigte als sein demokratischer Konkurrent Obama.

Tun sie das deswegen? Ich konnte in diesem Blogeintrag keinen Hinweis
darauf sehen. Generell ist dieser sehr knapp gefasst und eigentlich
nur ein Link auf eine sehr viel aussagekräftigere Quelle (auf die wir
später noch kommen).

>Durch die nicht lizenzierte Verwendung des Stücks "Can't Take My
Eyes Off Of You" von Frankie Valli 
>im Reklameclip "Obama Love" macht sich der Republikaner nicht nur
der ungenehmigten 
>Vervielfältigung, sondern auch der Verbreitung schuldig. 

Ach, Telepolis-Autoren können Urteile über nicht stattgefundene
Prozesse vorhersagen?
"Schuldig machen" ist ein sehr interessant gewählter Ausdruck, wenn
wir es mit Aussagen, Stellungnahmen und Meinungen zu tun haben.

>Weil mit dem Spot, der eine angebliche Vorliebe der amerikanischen
Medien für den telegenen Senator 
>aus Illinois thematisiert, um Spenden geworben werden soll, hat
diese ein gewerbliches Ausmaß.

Wieder eine Rechtseinschätzung eines Journalisten… Sehr seriös.

>Der Republikaner kann sich daher nicht auf den Grundsatz des "fair
use" berufen, der amerikanischen 
>Verbrauchern häufig größeren Spielraum im kreativen Umgang mit
fremden Werken einräumt als das 
>deutsche Urheberrecht.

Kann er das nicht? Hier wird langsam deutlich, dass sich unser
Telepolis-Autor die ganze Zeit an der unerlaubten Vervielfältigung
festhält - was in diesem Zusammenhang sehr fragwürdig ist.
Bei öffentlichen Aufführungen, Verwendung in künstlerischen Werken
gibt es ein sehr weit gefasstes Zitatrecht, besonders in den USA.
Beispielsweise bei Satire (das könnte man hier so sehen, immerhin
sollen die Medien und ihr Verhältnis zu Obama verarscht werden und
dieser Titel setzt einen schönen Punkt dazu, kein satirischer Stil?).
Erwiesen ist da nix.

>Wired zufolge intervenierte die Warner Music Group bislang nur bei
YouTube und sorgte dafür, dass 
>der Spot aus dem Angebot genommen wurde – worauf McCains
Wahlkampfteam ihn prompt wieder 
>einstellte. Ob der Warner-Konzern das Risiko eingehen wird, sich mit
einem konsequenten Beharren 
>auf eine strenge Verfolgung der Rechtsverletzung einen mächtigen
Politiker zum Feind zu machen, 
>gilt als eher fraglich. (pem/Telepolis) 

Hier wird es richtig peinlich. Er wurde NICHT prompt wieder
eingestellt, sondern die Musik wurde entfernt! Jetzt dudelt da ganz
andere Mucke. Das kann man übrigens Lesen, wenn man die Quelle
(Newsweek) des Blogs, das im Artikel verlinkt ist, auch gelesen hätte
oder wenn man das Video angeschaut hätte, das hier im letzten Absatz
verlinkt ist. Da dudelt etwas ganz anderes und das Video heißt auch
"V.3", was auf eine andere Version schließen lässt.

"Gilt als fraglich" heißt übrigens übersetzt: "Glaube ich (der Autor)
nicht".
Nur weil der Recheinhaber Einspruch gegen die Verwendung einlegt (was
er darf), heißt das noch lange nicht, dass es tatsächlich eine
Urheberrechtsverletzung war. Tja, so kompliziert ist das Gesetz.

Da wollte man sich durch zuviel Recherche wohl die Story nicht
versauen. Hätte sonst nicht in die heise-Linie gepasst. Die Story
ist: niemand will, dass McCain seine Musik verwendet. Ob es eine
Urheberrechtsverletzung ist, bleibt völlig offen. Und die Pointe,
dass McCain das Video ganz frech und dreist wieder eingestellt habe:
die ist eine Ente, weil die Musik herausgenommen wurde.
Die Subline, dass sich der Präsidentschaftskandidat alles
herausnehmen kann: die ist anhand von erfundenen Interpretationen
zusammenkonstruiert.

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