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  • Matze100

1 Beitrag seit 01.10.2017

Gebühren für Öffentlich-Rechtliche?

ARD und ZDF unterscheiden sich schon immer in Ihrer Berichterstattung. Z. B. werden Interviews von dem einen Sender ausführlicher gesendet als von dem anderen. Zuletzt ist mir das bei SPD-Frau Andrea Nahles Ausspruch "dann gibt`s in die Fresse" aufgefallen. In der ZDF 19:00 Uhr heute-Sendung wurde dies in Bild und Ton übertragen, in der ARD-Tagesschau um 20:00 Uhr fehlte diese Interview-Passage. Wenn man, wie von vielen geäußert, das ZDF als CDU-freundlichen Sender betrachtet, entbehrt das auch nicht einer gewissen Logik und erhärtet den Verdacht einer versuchten Einflußnahme auf uns Bürger. Und zwar durch beide Sender. Nur dieses unterschiedliche Verhalten, vielleicht auch die unterschiedlichen Blickwinkel, erlauben aber eine eigene Meinungsbildung. Bei Zeitungen ist das ja auch nicht anders.

Und ja, ich bin davon überzeugt, das wir Bürger nicht alles erfahren was wir erfahren müssten und auch das wir nicht wirklich neutral informiert werden. Egal ob ÖR oder Privat, ob Radio, TV, Zeitung, Internet. Aber welche Wahl haben wir Bürger denn momentan hier: 1. politische Einflußnahme, 2. Diktat durch die werbetreibenden Unternehmen, 3. Beides. Hinzu kommt die persönliche und damit niemals völlig neutrale Betrachtung des jeweiligen Verfassers/der jeweiligen Verfasserin eines Berichts. Letzteres ist ein wohl unvermeidbares Restrisiko.

Was haben wir denn heute meiner Meinung nach für einen Zustand bei den Privaten:
Dauer-Werbesendungen mit gelegentlichen, kurzen Unterbrechungen durch Spielfilm-Schnipsel mit Wiederholung aus dem jeweils letzten Spielfilm-Schnipsel.
Reißerisch aufgemachte Nachrichten deren dramatische Worte und Bilder selten der Realität gerecht werden.
Sog. Reportagen und Wissens-Sendungen die diese Titel nicht verdienen, natürlich auch hier ständig von nervender Werbung unterbrochen und die ständig wiederholt werden.
Gähnend langweilige "Unterhaltungssendungen".
Die Werbeindustrie bestimmt das Programm, denn sie bezahlt das Ganze. Und die Privaten sind ausschließlich auf die Werbeeinnahmen angewiesen.

Und bei den Öffentliche-Rechtlichen, ebenfalls meiner Meinung nach:
sinkende Werbeeinnahmen, weil die Werbeindustrie Alternativen zu ARD und ZDF hat.
Gesunkene Werbeeinnahmen plus Gebühren der Bürger reichen nun nicht mehr für den "Bildungsauftrag", den die ÖRs haben.
Weil Gebührenerhöhungen unpopulär sind muss man der Werbeindustrie bei Preis und Werbezeit unwidersprochen entgegenkommen wenn man "überleben" will.
wir haben also die gleiche Situation wie bei den Privaten.

Für eine tatsächlich neutrale, unabhängige ÖR-Berichterstattung bin ich sehr gerne bereit, meinen Obulus zu entrichten. Mitbürger die sich diesen Betrag nicht leisten können, sollten hierfür eine staatliche Unterstützung erhalten oder den Beitrag erlassen bekommen.
Die Sender-Neutralität muss allerdings durch ein entsprechendes Gremium, bei einem nicht verfälschendem Interpretationsspielraum der Sender, permanent geprüft und gewährleistet werden.

Was ich mir wünsche:
Bürger, die diese ganzen privaten Sender gar nicht erst einschalten und damit für die Werbeindustrie uninteressant machen.
Starke, neutral kontrollierte ÖRs die ihrem Bildungsauftrag wieder gerecht werden bzw. werden können.
ÖRs die wieder die Hoheit über die Werbeindustrie haben und nicht umgekehrt.

Noch ein Kommentar zum Risiko des in diesem Forum erwähnten "Staatsfernsehens":
In einer Diktatur oder nach einer Machtübernahme z. B. durch Rechts- oder Linksextreme, durch Islamisten oder wen auch immer werden zuerst sämtliche Medien "auf Linie gebracht". Da spielt es keine Rolle, ob "Öffentlich-Rechtlich" oder "Privat" auf dem Etikett steht.

Klar, jede/r kann selbst entscheiden, welche Sender er/sie einschaltet. Das ständig sinkende Niveau können wir mit einem "Weiter so" aber nicht aufhalten.

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