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Avatar von rebzilla
  • rebzilla

mehr als 1000 Beiträge seit 28.06.2001

Warum ist digital wirklich besser als Analog?

Gestern hatte ich mich ja sehr kurz gehalten in meinem ersten Beitrag. Das liegt unter anderem daran, weil ich in jungen Jahren die Entwicklung der CD soweit mitbekommen habe. Ich hatte das Glück genau in der Zeit ein gutes Gehör zu haben als die CD erfunden wurde und dürfte als Geha Stift die Firma Polygram in Hannover besuchen, wo die CD und die Schallplatte produziert wurde ... und wo auch die CD mit erfunden wurde. Das heißt, in der Werksführung plauderte man aus dem Nähkästchen.

Ich sah die damaligen Reinräume, ich sah die Plattenherstellung, ich bin u.a. Stahlformenbauerin/Werkzeugmacherin und kenne den Aufwand der damals für die CDs und für die Plattenherstellung betrieben wurde und kann das also qualitativ wie quantitaiv beurteilen. Ich wollte noch mit einem befreundeten Radio und Fernsehtechniker einen netten Plattenspieler konstruieren, doch dazu kam es wegen der CD aus mehreren Gründen nicht.

Sie hörte sich damals schon (bei den neuen Aufnahmen) einfach (für meine jugendlichen Ohren) besser an.

Bei den Formen für die Schalplattenherstellung werden schon im Master zu viele Kompromisse gemacht. Es muß darauf geachtet werden das die Nadel die abtastet nicht aus der Rille fliegt. Dies braucht bei der CD, im digitalen nicht beachtet zu werden. Im analogen schon. Das ist schon die erste Klangverfälschung bevor das Produkt in die Produktion geht.
Das Problem mit der Winkelgeschwindigkeit. Am Anfang legt die Plattennadel (und auch der Schneidstichel während der Aufzeichnung) noch einen langen Weg zurück. Doch später, am Ende des Stückes hat man nicht mehr so viel Platz für die hohen Frequenzen.
Das bedeutet, auch hier werden die hohen Frequenzen nicht mehr so sauber wiedergegeben. Das war der Grund für die "Long Singles", Weshalb man sich Platten in Langspielplattengröße gönnte die mit 45 Umdrehungen pro Minute drehten und dann nur ein längeres Musikstück abspielten.
Das Stereoproblem. Wie bekommt man es hin das man auf der gleichen Schallplatte Stereo und Mono gleichzeitig hören kann? Man dreht die Aufzeichnungsachse um 45° in die Platte hinein und hat dann zwei Ebenen. Doch damit bekommt man das Problem der Kanaltrennung des Aufzeichnungsarms. Denn die Tonabnehmer tasten von einem radialen Punkt ab, während der Schneidstichel sauber und grade geführt wird. So treten zwangsweise Winkelfehler auf die sich auch in der Wiedergabe wiederfinden.

Das Abtastproblem. Neben der radialen Abtastung bei graden Schnitt kommt noch die Form der Nadel vs. Stichel hinzu. Dann Wellenschlag der Platte, exzentrizität der Plattenmitte und der Abnutzungsgrad der Schallplatte ... das alles macht die Schallplatte nicht sexy. Und wer die Produktionsbedinungen gesehen hatte, wo die Schallplatten gefertigt wurden (Drecksloch vs. Hochreinraum). der hat sich damals für die CD entschieden. Also das war bei mir so.

Das war der Stand der 80er in der Zeit, in der die CD erfunden wurde.

Warum Digital gar nicht so schlecht ist, wenn Profis mit die richtigen Musikern, im richtigen Raum mit den richtigen Mikrofonen und dem richtigen Equipment aufzeichnen zeigt folgende Diplomarbeit zweier Tonmeister Dominik Blech und Min-Chi Yang aus dem beschaulichen Detmold:

http://www.eti.hfm-detmold.de/lehraktiv/diplomarbeiten/diplomarbeitenordner/blech-yang-pcm-vs-dsd.pdf

Und ich bedauere es immer öfters, das ich in meinen Lieblingsstücken, das nicht bessere Mikrofone verwendet wurden (weil es sie damals noch nicht gab).

Für mich zählen also gute Musiker in guter Umgebung mit Tonmeistern die hervorragend ausgestattet sind. Dann passt auf jedem fall auch die CD ...

... aber Schallplatten, das geht gar nicht. Das hat mein Großvater in seiner Jugend gemacht (auch bei Polygram in Hannover) und ich höre meine Musik mit Monitoren. Möglichst neutral. So wie sie die Tonmeister abgemixt haben. Keine Boxen mit Eigenklang.

Wenn Kopfhörer dann den Beyerdynamik DT 880 Pro. Abends im Bett dann den DT 770 wegen meinem Mann, damit er nicht gestört wird. Und die Musik der 80er, wegen der mangelhaften Mikforontechnik kann man schon mal mit dem DT 990 hören die heben dann die fehlenden Höhen und Tiefen etwas an.

Ich hoffe es ist jetzt etwas nachvollziehbarer warum ich persönlich als Tonliebhaberin (Mikrofone Schoeps Neumann Sennheiser und RME Audioequipment Monitore von Genelec) dann doch lieber Digitaltechnik nutze als die Schallplatte mit all ihren mechanischen Fehlern die man ignorieren kann aber nicht wegdiskutieren.

In diesem Sinne.

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