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  • Kerstin Vogler

426 Beiträge seit 29.01.2011

Je bekloppter desto besser

Fliegende Autos, Städte unter Glaskuppeln auf dem Mond, Kugeln um
Sterne, die die gesamte Energie einer Sonne nutzen können. Je größer
und abgefahrener, desto besser. Technische Hürden haben da noch nie
interessiert. Ich will ja auch niemandem den Spaß nehmen, aber früher
hat man sowas noch als Science Fiction gekennzeichnet und nicht
versucht, das als machbare Investitionsmöglichkeit hinzustellen.

Der Vorschlag, Energie als potentielle Energie einer halben Milliarde
Kubikmeter Granit zu speichern, die in einem Stück bewegt werden
sollen, hat nur genau einen vernünftigen Aspekt: Die
zugrundeliegenden physikalischen Gesetze F=m*a und W=F*s. Die
Vorstellung, das technisch umzusetzen, ist absurd: Die Toleranzen,
mit denen eine solche Masse aus einem Berg herausgeschnitten werden
müssten, so dass sich der Zylinder nicht noch vor Inbetriebnahme
verkeilt, sind nicht einzuhalten. Der Druck, mit dem der Zylinder
angehoben werden müsste, könnte nicht gegen die Schnittflächen
abgedichtet werden und vorbeiströmendes Wasser würde in kürzester
Zeit minimale Unebenheiten vergrößern und das erste Problem weiter
verschärfen. Und bei all dem müsste man davon ausgehen, dass man
solche Schnitte überhaupt durchführen könnte, was an sich schon eine
Absurdität sondergleichen ist.

Stellt sich noch die Frage, wozu man das überhaupt machen sollte? Die
Dichte von Granit ist nicht einmal das Dreifache der Dichte von
Wasser. Um die selbe Energiemenge durch Anhebung von Wasser zu
speichern, bräuchte man bei der gleichen Höhendifferenz also gerade
mal das dreifache Wasservolumen, bzw. beim gleichen Volumen gerade
mal die dreifache Höhendifferenz. Dieses Prinzip ist aber schon lange
bekannt und wird auch tatsächlich eingesetzt: Pumpspeicherkraftwerk.
Im Gegensatz zu dem Science Fiction Quatsch funktionieren die, weil
Wasser sich nicht verkantet und damit beliebig geformte Reservoirs
verwendet werden können, die auch nicht am Stück aus einem homogenen
Granitblock herausgeschnitten werden müssen. Ausserdem werden keine
absurd großen Hochdruckdichtungen benötigt.

Es ist wirklich ein Armutszeugnis für ein Magazin, solchen Unfug zu
veröffentlichen, selbst wenn es nur populärwissenschaftlichen
Anspruch hat.
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