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  • Schaulustiger

464 Beiträge seit 19.05.2004

Datamining for Columbine

Nachdem ich mit meinen Kollegen nun ausgiebig das Für und Wider von
Verfallsdaten auf "Anti-Aging"-Cremes diskutiert habe und zudem
geklärt ist, ob Vitaminbrausetabletten in Vanille-Cappuchino nun die
Gesundheit verbessern oder nicht, haben wir nun Zeit, uns den
Killerspielen zuzuwenden, die in dunklen Gassen arglosen Mitmenschen
auflauern und diese mit ihren scharfkantigen Datenträgern ins
Jenseits befördern.

Zuerst einmal fiel uns die Parallele zwischen der Unfähigkeit von
Politikern und ihrem Mangel an Aufbausimulationserfahrung auf.
Unsereins hat bereits in den 90ern mit "Aufbau Ost" grüne
Landschaften gestaltet, mit Bundesliga-Managern diverse
Kreisliga-Vereine in die Champions-League geführt, zahlreiche Male
den Planeten vor Alieninvasionen geschützt oder zumindest befreit,
ganzen rückständige Inselgruppen den Aufschwung gebracht, Eisenbahnen
in der ganzen Welt aufgebaut, die zu Beginn maroder als die DB waren,
und letztendlich ganze Zivilisationen aufgebaut.

Was hat dagegen der durchschnittliche Politik-Hinterbänkler zu
bieten, der in seinem Wahlkreis 10% aller möglichen Stimmen bekommen
hat, meistens von irgendwelchen Rentnern, die auf ihrem
Wochenend-Spaziergang eh am Wahllokal vorbeigekommen wären? Welches
Spiel zockt eine Merkel, wenn sie nach einem harten Arbeitstag nach
Hause kommt und ihren Mann hinter der FAZ versunken vorfindet, so wie
sie ihn am morgen verlassen hat? Die Sims? Siedler? Wäre ich
Bundeskanzler und müsste mir tagein tagaus die sinnlosen
Mitläufer-Parolen meiner Mitpolitiker anhören, ich würde zum
geistigen Abschalten direkt Doom oder CS einwerfen.

Die Konsequenz muss also lauten: Aufbausimulationspflicht an den
Schulen und für politische Ämter einführen, nicht etwa Killerspiele
verbieten. Wenn man so wenig Ahnung von IT, Computerspielen und der
Realität nahe der Hartz-IV-Grenze hat, wie die von mir geschätzten
90% der Politiker ab der Kreisklasse, dann machen Forderungen nach
Sammeldateien natürlich Sinn. Was wüsste ich denn noch von der
Fussball-WM 1982 in Spanien ohne mein Panini-Sammelalbum? Darum ein
deutliches JA zur Sammeldatei, in der über die jedem Bürger
zugewiesenen ID die Flags für 'Sexualverbrecher', 'Raubkopierer',
'Ausländer', 'Terrorist', 'Amokläufer' gesetzt werden können.
Mehrfachnennung möglich.

Meine persönlichen Wünsche in der Datei wären die Felder
'Schmiergeldannehmer', 'Vorstandsmitglied-Absahner',
'Parteispendenveruntreuer', 'politischer Mitläufer', 'Abmahnanwalt',
'Forentroll' und 'VW-Nutten-Abnehmer'. Das Ganze wird aboslut anonym
einmal jährlich ausgewertet, um beispielsweise feststellen zu können,
wieviele alleinstehende brasilianische Hausfrauen vom VW-Konzern
durchgefüttert werden, oder ob all die Koffer im Arbeitszimmer von
Herrn Kohl wirklich Reisekoffer sind. Schluss mit "ich kann mich
nicht mehr erinnern", her mit SELECT SUM(schwarzgeld) FROM
tbl_german_citizens WHERE party = 'cdu' AND citizen_id = 1.

Wenn jeder alles von jedem weiss oder alle jedes von jedem, dann gibt
es auch keine Amokläufer mehr. Deutschland wird zu einer grossen,
glücklichen Familie, in der niemand mehr etwas zu verbergen hat. Wenn
ehemals wildfremde Menschen an der Tür klingeln und mir ein
Zeitschriften-Abo oder den neuesten Telekomtarif verkaufen wollen,
weiss ich endlich, ob derjenige wirklich ein ehemaliger Straftäter
ist, der eine zweite Chance verdient hat. Oder nur ein gescheiteter
Siemens-Vorstand, den man beim letzten Bestechungsskandal als
Bauernopfer gekickt hat. Sind das wirklich Zeugen Jehovas vor der
Tür, oder Satanisten, die nachts im Drogenrausch Doom 3 zocken? An
ihren schwarzen Anzügen sollt ihr sie erkennen!

Und damit ist für mich Feierabend für heute. Ich gehe nach Hause und
bastel an meinen CS MOD "Bundestag 2007" weiter, bis es an der Tür
klingelt. Und dann will ich von denen netten Mitbürgern in Uniform,
die nur ihre Pflicht tun, eigentlich nur eins wissen: es ist in
Ordnung, wenn Arcor meine Verbindungsdaten sammelt und weitergibt,
aber warum zum Geier habe ich in 3 Jahren nie einen kompetenten
Servicemitarbeiter an die Strippe gekriegt, und der BND schafft das
innerhalb weniger Minuten?


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