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  • tempomat

mehr als 1000 Beiträge seit 20.01.2003

Lang lebe der klassische Walkman...

Ist schon irgendwie originell. Da gibt es Jahrzehnte lang ein Gerät
namens "Walkman", in dem man lustige Magnetbänder abspielen kann und
es stört niemanden, daß es eine gigantische Industrie mit
Leercassetten gibt, auf die natürlich Schallplatten (die großen meist
schwarzen Scheiben) und CDs (die kleinen silbernen Scheiben) zum
mobilen Transport überspielt werden.

Alle freuen sich darüber, weil dadurch die Verbreitung von
Musiktiteln viel einfacher und schneller ist und der "die Scheibe
will ich auch" oder "da freue ich mich auf das Konzert" Effekt viel
größer ist. Auch die Musikindustrie sagt keinen Piep und freut sich.

So richtig geändert hat sich nicht viel, einmal abgesehen davon, daß
die Musikindustrie ihre Songs anders vermarktet: Über bunte Videos
mit viel Haut auf Musiksendern. Rauf und runter, rauf und runter. Als
würde das nicht reichen, gibt es Auftritte der "Künstler" auf allen
anderen Kanälen. Das Radio hilft noch beim Musik-Overkill, weil nicht
die Abwechslung zählt, sondern "so oft wie möglich".

Da kommt MP3. Alles wird digital, die alte Kopierleidenschaft der
Songs weitet sich aus und - ja - Mißbrauch gibt es leider auch in
größerem Stil. Es geht aber nur noch um das Dabeisein, nicht um das
"haben wollen". Denn wer hört schon ernsthaft alle Songs, die da
teilweise kopiert werden.

Solange die Musikindustrie nicht kapiert, daß Vertriebswege und
Vermarktung an vielen Stellen überholt sind und der Maßstab nur noch
"Masse statt Klasse" zu produzieren genauso überholt ist, wird das
Problem nicht gelöst werden, sondern nur verschlimmert. Leidtragende
sind dann die ehrlichen Käufer, welche die Musik nicht nur "einfach
mitnehmen", sondern sich auch ernsthaft anhören. Und die "Kunst" der
"Künstler" bleibt eh auf der Strecke.

Wohl dem, der noch ein Tapedeck und einen Walkman hat. Irgendwie
scheint die analoge Kopie nie in die Diskussion zu geraten, die man
jetzt über digitale Inhalte führt. Und irgendwie wirkte zumindest in
den meisten Fällen der Anspruch von Labels, wirklich "Kunst" zu
vermarkten, authentischer, bevor dieses ganze "Katz und Maus"-Spiel
begonnen hat.

Vielleicht werde ich auch nur langsam alt... ;-)
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