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Avatar von serdna_
  • serdna_

mehr als 1000 Beiträge seit 08.11.2009

GEMA Rechtfertigung beim Abzocken verwaister Werke (link inside)

Grob gesagt geht es um Folgendes. Es gibt Werke, über deren Urheber
nichts (mehr) bekannt ist, weder über ihn, noch über dessen Erben.
Das trifft zum Teil auf sehr wichtige Werke zu, z.B. Chanson de
Partisan von Anne Marly. Auch für diese Werke sackt die GEMA
natürlich Gebühren ein, denn sie vertritt das "Weltrepertoire an
Musik", auch wenn der Urheber kein Mitglied einer
Verwertungsgesellschaft ist, weder bei ihr noch bei einer
Schwestergesellschaft. Man könnte nun meinen, es wäre eine
intelligente Lösung, wenn sich die Leute, die das Nutzen wollen
selber auf die Suche machen und den Urheber suchen, soweit er
auffindbar ist, aber das will die GEMA natürlich gar nicht. Sie will
abzocken, auch ohne Vertretungsanspruch. Die Argumentation hierfür
lesen wir hier.

http://ec.europa.eu/internal_market/consultations/2011/audiovisual/no
n-registered-organisations/gema_de.pdf

Es beginnt natürlich theatralisch:
"Die GEMA fühlt sich dem kulturellen, insbesondere musikalischen Erbe
Europas zutiefst verpflichtet und unterstützt daher Bemühungen, durch
die eine digitale Nutzung der in den Archiven liegenden Schätze
ermöglicht werden soll."

Soll heißen, die Kultur geht uns am Arsch vorbei, Hauptsache wir
kriegen Knete. Dan wird es konkreter. (Die Zahlen stammen von mir)

"(1) Die Problematik besteht darin, dass die Rechteinhaber an
derartigen Werken häufig nicht bekannt oder ermittelbar sind und so
die für eine Nutzung erforderliche Einwilligung des Berechtigten
nicht eingeholt werden kann. (2) Es handelt sich insofern um die
bekannte Problematik der Behandlung verwaister Werke, die derzeit im
Rahmen des Richtlinienvorhabens über bestimmte zulässige Formen der
Nutzung verwaister Werke einer Lösung zugeführt werden soll."

Mit (1) ist gemeint, dass man den Urheber fragen sollte, was man mit
dem Werk macht, man muss ihn also finden. Soweit so gut. Problem:
Dabei hilft die GEMA nicht. Die hat zwar zu jedem Liede irgeneinen
Komponisten irgendwo gelistet, aber nach meinen gründlichen
Recherchen im Bereich Musik aus der Spanisch sprechenden Welt zu etwa
25 Prozent falsch. Was die GEMA auch weiß, aber ihr egal ist.
(Schriftlicher Briefverkehr mit der GEMA liegt hier vor). Das mit der
bekannten Problematik ist nun Grenzwertig. Mir hat die GEMA vor vier
Jahren SCHRIFTLICH bestätigt, dass es keine verwaisten Werke gibt.
Parallelschreiben vom Bundesinnenministerium liegt hier ebenfalls
vor. Nachgeholfen hat hier das Max Plank Institut und die Europäische
Komission. Die GEMA wusste es vielleicht, wollte es aber nicht
wissen. 

Aber jetzt kommts. Sie will es so richtig auch heute noch nicht
wissen, denn sie will Kohle abkassieren.

"(1) Diesen Umstand unberücksichtigt lassend, weisen wir darauf hin,
dass die genannte Problematik im Bereich der musikalischen
Urheberrechte keine nennenswerte Bedeutung hat: (2) Aufgrund des
vergleichsweise weitreichenden Wahrnehmungsumfangs der in diesem
Bereich tätigen Verwertungsgesellschaften, der Erst- und
Zweitverwertungsrechte für in- und ausländische Rechteinhaber sowie
insbesondere deren Rechtsnachfolger umfasst, sind die Rechteinhaber
in diesem Bereich sehr umfassend dokumentiert."

Zu Deutsch: (1) Zähneknirrschend gibt sie zwar inzwischen zu, dass es
solche Werkte gibt, aber es sind wenige. DAs wiederum sieht das Max
Planck Institut nicht so. Für bestimmte Kulturräume sind das bis zu
25 Prozent. Alles Musik, an der die GEMA dann nix mehr verdienen
würde, das geht gar nicht. Der Hammer ist aber(2). Zwischen den
ausländischen Verwertungsgesellschaften und der GEMA besteht
praktisch kein Abgleich der Datenbanken. Hat sich also vor vierzig
Jahren mal ein Komponist bei der argentinischen SADAIC angemeldet,
landet er unter Umständen mal bei der GEMA, meldet er sich aber dort
aber wieder ab, verstirbt, tritt aus etc.. landet das nie bei der
GEMA und selbst wenn, interessiert es die GEMA nicht. Selbst wenn man
mit einer Bestätigung der SADAIC, dass der Komponist dort nicht
gelistet ist zur GEMA geht, entfernt die GEMA ihn nicht, denn dann
wäre wieder ein Lied frei, das will man nicht. Die GEMA
Repertoiredantenbank ist über weite Strecken Schrott pur. Auf BAsis
dieser DAtenbanken kann auch der Abgleich zwischen den
Verwertungsgesellschaften nicht gelingen. Und jetzt kommts, da zeigt
die GEMA offen und ehrlich ihre äußerst hässliche Fratze.

"An einer Schrankenregelung, die die Nutzung urheberrechtlicher Werke
der
Musik ohne Zustimmung des Rechteinhabers zulässt und dem
Rechteinhaber damit
das ihm ansonsten zustehende Verbotsrecht nimmt, besteht daher kein
Bedarf."

Soll heißen, dass jeder Versuch, das mit den verwaisten WErken
jenseits der GEMA zu regeln, abzulehnen ist. Es geht aber noch
weiter, die Jungs lügen, ohne Rot zu werden. So was wie Scham kennen
die nicht.

"Eine vergütungsfreie Nutzung ist aus Sicht der GEMA zur Hebung der
kulturellen Schätze nicht erforderlich, da eine vergütungsfreie
Nutzung mit der Frage der Rechteklärung in keinem Zusammenhang steht.
Schrankenregelungen kommen daher nur bei einer angemessenen Vergütung
der Rechteinhaber in Betracht und können damit lediglich das
Verbotsrecht, nicht aber das Vergütungsrecht des Berechtigten
ausschließen."

Das heißt, sie lehnen das ab, was sie selber machen. Sie kassieren
Geld für verwaiste Werke, der Urheber oder dessen Erben erhält
nichts, weil die GEMA nach dem Urheber eines verwaisten Werkes nicht
suchen wird und dazu intellektuell (Sprachkenntnisse etc.) auch gar
nicht in der Lage ist. Sie befürchten also nicht, dass der Urheber
nix bekommt, sondern dass ihre Laden leer ausgeht. 

Der Laden hat einfach keine Scham, nicht den geringsten. "...zur
Hebung der kulturellen Schätze...". Doch genau dazu braucht man das,
weil die Werke endgültige verschwinden, wenn sich niemand engagiert
darum kümmert und das wird nicht so ein Trümmerhaufen wie die GEMA
sein. 

Dass in einer zivilisierten Gesellschaft ein derartig dreister Laden
wie die GEMA geduldet wird, ist schon ein Skandal an sich. 


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