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Avatar von HarryKrinkle
  • HarryKrinkle

83 Beiträge seit 03.05.2007

Machen wir uns nichts vor….

Liebe Kolleginnen und Kollegen, so wird´s laufen mit dem Streik (der
selbstverständlich legitim ist und den ich für notwendig halte):

Es geht in die Schlichtung(schließlich muss ver.di ihr Gesicht
wahren), noch minimal abgemildert wird dann das jetzige
„Angebot“(erinnert mich an Der Pate) durchgesetzt. Die Beamten(etwa
die Hälfte der betroffenen Mitarbeiter) werden, da man ihnen nicht so
einfach an die Geldbörse gehen kann, den Verlust, den die
Angestellten haben werden, durch noch längere Arbeitszeit als diese
kompensieren. Die schließliche Auslagerung und der spätere Verkauf,
sprich die Zerschlagung ist beschlossene Sache und folgt
unweigerlich.

Zur Zeit läuft noch ein Versuch der T-Com, die Mitarbeiter in so
genannten „Dialogkonferenzen“ von der Notwendigkeit der Maßnahmen zu
überzeugen und die Belegschaft zu entsolidarisieren (zwecklos, aber
natürlich muss (D)obermann es zumindest versuchen). Es wird versucht,
die Gewerkschaft für den ruinösen Zustand der Telekom verantwortlich
zu machen.
Selbstverständlich muss sich ver.di in der Tat vorwerfen lassen (und
diesen Vorwurf sollten wir Arbeitnehmer ihnen machen!) sich überhaupt
auf die im Callcenter-Geschäft geltenden Verträge eingelassen zu
haben! Damit hat ver-di dem Vorstand wunderbare Munition geliefert
und der Telekom insgesamt geschadet.
Die Regierung als Hauptverantwortlicher für die jetzige Situation?
Tut so, als hätte sie mit all dem nichts zu tun. Ich jedenfalls werde
nicht vergessen, wer die rechtlichen Grundlagen für unsere
Entrechtung geschaffen hat.
Tatsache ist: Spätestens mit dem Gang an die Börse war der weitere
Weg der Telekom vorgezeichnet. Zu erwarten, ein Dax-Unternehmen könne
oder wolle versuchen, einen Sonderweg zu gehen, ist schlicht naiv.
Vom Vorstand einer Aktiengesellschaft so etwas wie soziale
Verantwortung zu erwarten heißt die Realität leugnen. Der
Kapitalismus basiert darauf, dass das oberste Gebot jeder Firma
zwingend Profitmaximierung sein MUSS. Und darum wird es auch nicht
bleiben bei den augenblicklich von uns zu schluckenden Kröten.
Selbstverständlich ist es aber auch deshalb notwendig, unser Recht
und unsere Pflicht, uns gegen die Pläne mit unseren bescheidenen
Mitteln so gut es geht zu wehren! Retten wird es uns nicht.
Für uns T-Com-Mitarbeiter ist dies eine völlig neue Situation: Es
geht um unseren Arsch!
Es herrscht große Angst um die eigene Zukunft, die Verbitterung ist
groß.(Ich weiß, für Siemensmitarbeiter und auch Arbeitnehmer in
anderen Branchen ist das nicht neu! Und für die Seeligen, die so
etwas noch nicht kennen sollten, gilt: Heute wir, morgen Ihr !)
Jeder von uns reißt sich unter Weißgott schwierigen Bedingungen
(IV-Landschaft etc, völlig unbefriedigende Prozesse) den
Allerwertesten auf, zum Dank streicht man uns das Geld zusammen, wird
uns in die Arbeitslosigkeit entlassen, verkaufen oder wahlweise auf
Niedriglohngehalt drücken. Dass die Komplexität unserer Arbeit nach
wie vor so hoch ist, ist definitiv den Managern anzulasten, die
Bearbeitung verhältnismäßig einfacher Vorgänge ist nach wie vor
lächerlich umständlich, behaftet mit unzähligen möglichen
Fehlerquellen. Die teils miserable Performance der vielen dafür
notwendigen Programme ist schlicht absurd. Zur Zeit benötigt man
sogar (pro Mitarbeiter) locker eine Dreiviertelstunde, um sich die
eigenen Arbeitsschichten zu buchen(online!)!. Lächerlich und eines
Telekommunikationsunternehmen schlicht unwürdig!
Wenn, ja wenn, die Prozesse irgendwann mal vernünftig aufeinander
abgestimmt sind UND die Performance ok ist, DANN kann die T-Com
vielleicht die Arbeit von angelernten 400 Euro-Kräften erledigen
lassen(für irgendwas bei 7 Euro pro Stunde. Zur Zeit: Keine Chance!
(Die Qualität der durch Fremdfirmen angenommen bzw. bearbeiteten
Aufträge kennen wir T-com Mitarbeiter doch genau.) Und weil die
Dobermanns von heute das begriffen haben, gehen sie den Weg, der
ihnen noch bleibt: Runter mit den Löhnen.
„Angebot“ :
-Verlängerung der wöchentlichen Arbeitszeit um 4 Stunden= MINUS 11,76
%

-Arbeitszeitverlängerung durch Beginn der Arbeitszeit NACH Hochfahren
der Programme bzw. BEI ANKUNFT beim ersten Kunden, das gleiche beim
Feierabend(wöchentlich ca. 2,5 Stunden)= MINUS 7,35 %

-Wegfall der Erholzeiten bei Bildschirmarbeitsplätzen(derzeit 4,19
Minuten) macht wöchentlich noch mal ca. 2,5 Stunden=MINUS 7,35 %

- Nullrunden für 3 Jahre, noch mal 3x3 Prozent (halte ich für von
ver.di leicht schöngerechnet)= MINUS 9 %

-schließlich
die auch in den Medien verbreitete offene Absenkung der Löhne=MINUS 9
%

Man kann es rechnen, wie man will, wir landen bei einem
Reallohnverlust in der Größenordnung von ca. 40 Prozent. Und wie
gesagt, die Beamten, denen man die 9% derzeit rechtlich nicht so
einfach nehmen kann, werden ihren „Beitrag“ todsicher zu leisten
haben.

Liebe Leute, T-Com-Mitarbeiter oder nicht, sollen wir das etwa
KAMPFLOS akzeptieren????
Würdet IHR das kampflos akzeptieren???

(Hat da jemand was von Raubtierkapitalismus gesagt?)

Spiegel Online, heute:„NACH DEM METALL-ABSCHLUSS Deutsche können auf
drei Prozent mehr Lohn hoffen“

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