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Avatar von hirnzerfall
  • hirnzerfall

mehr als 1000 Beiträge seit 18.11.2005

mal was zum "grossen Unfug", das Xen Dom0 Support in den Linux Kernel gehoert

Hi

Bei so ziemlich jeder Newsmeldung zum Thema Xen kommt das Argument
auf, Xen sei im prinzip tot, weil "Xen nicht in den Kernel
aufgenommen" wird.

Ich halte das - offen gesagt - fuer ganz grossen Kase.

Xen gehoert nicht in den Kernel, oder um genauer zu sein, Xen Dom0
Support gehoert nicht in den Kernel. Der Dom0 Kernel bietet das
Management-Interface fuer Xen und kontrolliert aus historischen
Gruenden die Hardware. Bei der Entwicklung von Xen hatten die
Verantwortlichen Bedarf an einer moeglichst Kompletten
Systemumgebung, um das Managementinterface zu realisieren und
natuerlich Device-treibern fuer die Hardware. Einen kompletten
Linux-Kernel dazu zu verwenden lag nahe und war eine
entwicklungstechnische Abkuerzung. Linux war frei verfuegbar und
hatte schon damals eine recht gute Ausstattung an Treibern vor allem
fuer x86-Serversysteme. Klar wollen die die Aufnahme der Aenderungen
fuer den Dom0 Support im Kernel - dann wuerden naemlich unzaehlige
zusaetzliche Entwickler dafuer sorgen, dass Aenderungen am
Linux-Kernel fuer den Dom0-Support keine Probleme verursachen.
Aus Sicht der Linux Kernelentwickler jedoch, bietet Xen keinen
"Mehrwert" an sich. Es ist ein vollkommen ausserhalb des
Linux-kernels laufender Code-Blob, der im Prinzip keinerlei Aufgaben
ausuebt, fuer die Linux an sich gedacht war (das hat sich mit KVM
geaendert, aber KVM ist - stark vereinfacht ausgedrueckt - ein
"Device-treiber" fuer Qemu).
Die Linux-Entwickler haben mit den pv_ops Funktionen ein Interface
geschaffen, ueber das verschiedene Hypervisore mit dem Kernel
kommunizieren koennen - auch Xen. DomU Support ist
selbstverstaendlich drin und auch sinnvoll - im Prinzip ist DomU
Support nichts anderes, als eine x86-architektur mit eigenartiger
Treiberschnittstelle. Damit laeuft Linux auf Xen unter Ausnutzung
aller Funktionen. Passt und reicht.

Meiner Meinung nach sollten die Xen Entwickler einen anderen Weg
gehen:
In bester Open-Source Manier die Code-Teile vom Linux-Kernel
verwenden, um ein minimales Management-Interface aufzubauen, und den
relevanten Bus-Support/Device-treiber entnehmen und ueber eine eigene
Schnittstelle an den Xen-Hypervisor anflanschen. Vernuenftig gemacht,
lassen sich zukuenftige Treiber auf diese Schnittstelle portieren.
Tatsaechlich enthaelt Xen mit den 'stubdomains' bereits einen
entsprechenden Mechanismus seitens Xen, der extrem leichtgewichtige
"Minidomains" im Xen-Kontext ablaufen lassen kann. Ideal also fuer
die zuvor genannten Anforderungen.

Damit waere das leidige Thema vom Tisch und vor allem koennte der
Xen-Hypervisor ohne Ruecksicht auf den Linux-Kernel weiterentwickelt
werden. Zudem koennte er kompakt genug werden, um eines Tages ins
Flash-memory von Mainboards zu wandern. Der Kunde wuerde Maschinen
kaufen, die aus dem Stand ins Managementinterface von Xen booten, von
wo aus Gastsysteme eingerichtet werden koennten. Updates kaemen quasi
per BIOS-update. (Mit EFI koennte der Hypervisor samt Treiber als
EFI-extension geladen werden...).

Xen mit KVM zu vergleichen hinkt meiner Meinung nach gewaltig. Wenn
ich ohnehin Hostseitig Linux einsetze und auch sonst Linux verwende,
macht KVM Sinn. Die Administratoren finden eine
Virtualisierungsumgebung vor, mit der Sie auf Anhieb zurechtkommen.
Der Erfolg von Firmen wie VMWare und Citrix zeigt aber, dass es eine
Menge Kunden gibt, die Virtualisierung quasi als Funktion der
Hardware erwarten, die als virtualisierendes System bootet und dann
bereit fuer die Installation und Betrieb von Gastsystemen ist. 
Xen hat prinzipiell erstmal nichts mit Linux zu tun - das zeigt 'xVM'
fuer Solaris und die diversen Xen-Dom0-Anstrengungen der freien BSD
Derivate.

Ich setze beides gerne ein: KVM hauptsaechlich zur
Desktop-virtualisierung unter Linux. Da kommt es mittlerweile mit den
meisten Distributionen mit, die Aenderungen an der Linux-Umgebung
sind minimal und der Administrationsaufwand sehr gering.
Auf Servern bevorzuge ich Xen, weil ich dann eine auf die
Anforderungen der Dom0 getrimmte und abgespeckte Installation
durchfuehren kann. Die braucht sehr wenige Updates und sehr geringe
Pflege. Xen wird durch PV-Treibern von so ziemlich allen
x86-Betriebssystemen angeboten und wenn ich den Drang nach
kommerziellem Support und Management-tools verspuere, nehmen
Citrix&Co gerne mein Geld. Zudem laeuft Xen auch rund auf Systemen,
die zwar alt aber noch nicht abgeschrieben sind und daher nicht
"entsorgt" werden koennen. Die Buchhaltung freuts.

Xen ist nicht tot und mit dem Release 4.0 sind einige sehr schicke
Dinge hinzu gekommen. Wen es interessiert, sollte sich dringend mal
'Remus' ansehen.

Nur um das mal loszuwerden ;)

Gruss
hirnzerfall
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