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  • Inge49

64 Beiträge seit 20.11.2003

Wikipedia ist sein eigenes Problem !

Wikipedia hat eine Grundstruktur, die einige schwere Probleme
verursacht und sie gleichzeitig unlösbar macht.

In Anlehnung an die berüchtigte Seite "Was Wikipedia nicht ist", mit
der man bekanntermaßen jedes Argument totschlagen kann, schreibe ich
daher:

Was Wikipedia leider ist:

* Nicht Förderer, sondern Blockierer von Wissen: 
Der erste Link geht bei Suchmaschinen mittlerweile bei fast allen
Suchbegriffen auf Wikipedia, als ob das der Nabel der Welt wäre.
Selbst die Originalseiten eines Themas oder einer Person erreichen
inzwischen dahinter nur noch Platz 2 – wenn überhaupt. Und auf den
nächsten 30 Plätzen sind garantiert mindestens 20, die nicht anderes
machen als die Wikipedia-Seite komplett zu zitieren. So macht
Wikipedia Suchmaschinen bald völlig nutzlos.

* zu eingeschränkt im Autorenkreis:
Das Universum entstand mit dem Urknall und der war 1995. Weiter
reicht das Wissen im Internet nicht zurück. Und da auf Wikipedia
meist Computer-Fixierte und Studenten unter 30 arbeiten (meistens
sogar computer-fixierte Studenten unter 30), ist das Alter des
Universums nicht irgendwas mit 15 Milliarden Jahren, wie Astronomen
behaupten oder etwas über 4000, wie man angeblich aus der Bibel
errechnen kann, sondern nur 11 Jahre.

Und die 80er Jahre? Titel einer Fernsehshow auf RTL! Das ganz normale
Alltagswissen eines jeden 50-jährigen aus den 70ern? Ergebnis einer
Massen-Psychose, ähnlich den Nah-Todeserfahrungen von Wiederbelebten
(von wegen Tunnel und „Gehen Sie nicht auf das Licht zu…“). Denn wenn
etwas nicht im Internet steht, kann es nie existiert haben. Jegliche
Recherche findet nur vom Rechner aus statt und jeder, der im Internet
nichts dazu findet, ist Experte darin, daß es so etwas nie gab!

* Tummelplatz für Zerstörer:
Das geringste Problem sind mittlerweile klassische Vandalen, die
einfach nur Schimpfwörter oder offensichtlichen Unsinn einfügen, sei
es bei Politikern der falschen Partei oder Fußballspielern des
falschen Vereins. Deren leicht erkennbare Ergüsse zu korrigieren ist
bestenfalls etwas lästig. Viel schlimmer sind Lösch-Fanatiker, die
sich als Wikipedia-Polizisten aufführen und sich in diese Rolle
hineinsteigern: „Ich bin nix, ich kann nix, gebt mir Admin-Rechte!“.
Sie haben keinen Respekt vor aufwendiger Recherche und mühevoller
Kleinarbeit. Sie löschen binnen Sekunden ohne jede Diskussion die
stundenlange Arbeit anderer. Dafür braucht es auch nicht viele Leute,
denn man kann hundert Änderungen rückgängig machen in der Zeit, die
man braucht, um nur eine zu schreiben. Und ihre einzige Lebensdevise
ist: Wovon ICH noch nie gehört habe, das kann auch nie existiert
haben. Und was wichtig ist, entscheide ich. Das Ganze mündet dann in
sogenannte Edit-Wars und am Ende zur Sperrung von Seiten, so daß
erstmal gar nichts mehr geändert werden kann. Mittlerweile sind
übrigens nicht unerhebliche Teile von Wikipedia gesperrt.

Auch bei Abstimmungen über die Verleihung von Admin-Rechten findet
sich zigmal das Argument "Held in Löschdiskussionen", aber so gut wie
nie "Guter Autor", "Schrieb viele Artikel" oder „Recherchierte
aufwändig“.  Seinen Admin-Status kann man sich auf Wikipedia leicht
zusammenlöschen, aber nur schwer erschreiben!

Aufgabe von Administratoren (und solchen, die sich dafür halten) wäre
doch, anstatt sofort zu löschen, dem Autor erstmal Gelegenheit zu
geben, Quellen anzugeben, andere Aspekte nachzurecherchieren und
Formulierungen selbst zu korrigieren, kurzum: den Artikel verbessern!
Wenn darauf nicht angemessen reagiert wird, DANN kann man
berechtigterweise auch löschen. Stattdessen hat sich die Unkultur
eingestellt, ohne jede Rückfrage sofort zu löschen. Soll sich der
Autor doch beschweren.

* Zu neutral:
NPOV: Der Neutral Point of View oder die neutrale Sichtweise wird von
unglaublich vielen völlig mißverstanden als komplette
Bewertungsfreiheit. Dabei sollte eine solche Bewertung eben nur von
einem neutralen Standpunkt aus erfolgen. Auf der entsprechenden Seite
(http://de.wikipedia.org/wiki/NPOV) steht das übrigens unter Punkt 1
AUSDRÜCKLICH! Diese Seite wird in Wikipedia zwar unglaublich oft
zitiert, aber von denen, die sie anführen, offenbar gar nicht
gelesen. Unter NPOV war ursprünglich eine EINSEITIGE Meinungsäußerung
gemeint.

Eine komplette Bewertungsfreiheit führt in letzter Konsequenz dazu,
daß Adolf Hitler kein Diktator mehr wäre und zum Thema Holocaust
müßte man schreiben: „In den Konzentrationslagern wurden Millionen
Juden getötet. Aus ihrer subjektiven Sichtweise heraus waren diese
Juden mit diesem Vorgehen nicht einverstanden. Die KZ-Wächter
argumentierten anders.“ (Seien wir alle dankbar, daß man wenigstens
beim Dritten Reich eine verurteilende Beschreibung zugelassen hat).
Bei umstrittenen Themen ist keine Wertung möglich und weil man sich
nicht einigen kann, sollte man das Thema gleich ganz weglassen. Was
Wikipedia nicht davon abhält, genau diese Themen dann doch zu
behandeln. Bei vielen Politikern muß man den Lebenslauf auf „Hat
gelebt.“ verkürzen. Und das ist dann das gesammelte Wissen der
Menschheit…

* Überfordert mit den eigenen Ansprüchen:
Wäre Wikipedia nur eine Randerscheinung im Internet, wäre sie der
Aufregung nicht wert und die Probleme einfach "das Übliche". Denn
Wikipedia ist eigentlich nur ein ganz normales Internet-Forum. Ein
riesengroßes zwar, und eines mit riesengroßen Ansprüchen an sich
selbst, aber am Ende doch nur ein ganz normales Forum.

Doch Wikipedia ist keine Randerscheinung. Nicht mehr! Wikipedia
verdrängt mittlerweile auch klassische Lexika – ohne die gleiche
Verantwortung für richtige und falsche und vollständige Inhalte zu
übernehmen, nicht einmal übernehmen zu können. Wie denn auch - bei
dieser Struktur? Wikipedia macht sich auf einigen Seiten inzwischen
selbst lustig über diese Probleme, ohne sie jedoch im geringsten
lösen zu können. Einige sind auch harmlos, denn wer nicht mitarbeiten
will, muß ja auch nicht. Andere wie der Alleinvertretungsanspruch
menschlichen Wissens sind weit gefährlicher, insbesondere wenn die
Suchmaschinen dabei noch mitspielen und viele anfangen, sich auf
Wikipedia in einer Art und Weise zu verlassen, wie man sich auf ein
solch offenes Projekt niemals verlassen darf.

*Konkurrenzlos:
Konkurrenz würde sicher nicht alle Probleme lösen. Aber vielleicht
das eine oder andere…

Was übrigens dieser Text hier nicht ist:

Editierbar...

PS: Wer Ironie findet, darf sie behalten oder meistbietend
versteigern. Wer Inhalte findet, darf daraus einen Wikipedia-Artikel
machen.

Wenn jemand versuchen will, mich hier zu sperren: Viel Glück!
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