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  • Florian Mueller (STA)

147 Beiträge seit 18.05.2004

Nicht lamentieren, sondern Fragebogen ausfüllen und einsenden

Es hat wenig Sinn, über gewisse Unaufrichtigkeiten des
Bundesjustizministeriums in der Swpat-Frage zu klagen. Es ist für das
BMJ schon peinlich genug, dass das BMWA einen Fragebogen herausgibt,
der klar von Softwarepatenten spricht (und nicht von
"computer-implementierten Erfindungen", einer Wortkonstruktion, über
die sogar der Bundeskanzler kürzlich lachen musste). Das erinnert an
den Spruch "you can fool all people for some time, some people for
all time, but not all people for all time".

Sinnvoller als Wehklagen ist, dass jetzt möglichst viele - vom
einzelnen selbstständigen Programmierer angefangen - den Fragebogen
ausfüllen.  Die Fragebogendatei bekommt man auf folgender Seite im
Word- oder wahlweise auch OpenOffice-Format:

http://www.informatik.fh-gelsenkirchen.de/pohlmann/

Entgegen aller Unkenrufe ist das BMWA wirklich daran interessiert,
dem Problem auf den Grund zu gehen. Ich war erst letzte Woche bei
einem Runden Tisch des BMWA und habe durchaus den Eindruck gehabt,
dass ein grundsätzliches Bewusstsein für die Probleme, die
Softwarepatente den kleinen und mittelständischen Unternehmen
bereiten, vorhanden ist. Jetzt kommt es aber darauf an, dass die
Professoren, die im BMWA-Auftrag an einer Studie arbeiten, von uns
allen unterstützt werden.

Über Demokratiedefizite in Europa kann man immer noch klagen, wenn
alles vorbei ist. Im Moment ist die Zeit nicht zum Jammern, sondern
zum Handeln. Ich kann aus meinen diversen Gesprächen mit Mitgliedern
der Patentlobby sagen, dass denen der Schock von der letztjährigen
Entscheidung des Europaparlaments immer noch in den Gliedern steckt.
Frustration und Sorgen gibt es nicht nur auf Seite der
Softwarepatente-Gegner, sondern auch umgekehrt.

Das Thema bekommt immer mehr Aufmerksamkeit in den Medien
(spiegel.de, International Herald Tribune, ZDF usw. usf.). Die
Entscheidung des niederländischen Parlaments hat historische
Tragweite, die Ratsposition vom 18. Mai hat damit technisch keine
qualifizierte Mehrheit mehr.

Nach der Sommerpause wird auch der Bundestag über einen
Entschließungsantrag gegen Softwarepatente entscheiden. Wenn man
bedenkt, dass die Grünen klar gegen Softwarepatente sind und zuletzt
immer mehr Gremien der SPD deutliche Empfehlungen gegen die
Ratsposition ausgesprochen haben (Arbeitsgemeinschaft
sozialdemokratischer Juristinnen und Juristen; Jusos; Parteitag der
SPD München; der medien-, bildungs- und forschungspolitische Sprecher
Jörg Tauss MdB), dann könnte eine überwältigende Resonanz auf die
BMWA-Umfrage durchaus etwas bewirken.
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