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Avatar von hanneshar

mehr als 1000 Beiträge seit 25.03.2000

Qualitätsverzerrung durch geänderte Finanzierung

Hallo,

nachdem ich lange Zeit eigentlich ein großer Freund von Open Access war und teils so auch publizierte, so hat sich diese Begeisterung doch unterdessen arg gelegt.

Denn: dadurch, dass nicht mehr der Leser das Journal finanziert, "reduziert" sich das Qualitätsinteresse des Publishers nicht unerheblich - das Volumen der verdienten Geldes wird bei Open Access nun einmal über die Zahl veröffentlichter Publikationen gemacht. Und das führt dann leider nur zu schnell dazu, dass wirklich alles Eingereichte am Ende auch veröffentlicht wird. Als Reviewer wird man da z.T. arg frustiert, wenn man zu dem Eindruck gelangt, dass man nur noch pro forma Gutachten schreibt - und der Kram dann auf jeden Fall online geht.

Aufgrund der "klassischen" Finanzierung von Journalen ist hier das Interesse des Publishers zugunsten inhaltlicher Qualität doch eine Andere - und ich fürchte langsam, dass Open Access durch diesen intrinischen Malus arg leidet. Es gibt sicherlich seriöse Open Access Journals - leider aber unterdessen noch viel mehr Zeitschriften, welche primär sich dem Geldverdienen widmen und dann ihre Schwerpunkte auf eine häßliche Weise verzerren.

Als Reviewer mache ich unterdessen kaum noch etwas für Open Access Journale - und wenn z.B. eine Arbeit von uns seit 5 Monaten bei Plos one liegt, weil "man keinen Gutachtern findet", dann scheint das auch ein Problem zu sein, welches andere Leute der Community so sehen.

Und wenn ich selber meinen Kram veröffentlichen möchte, bei Open Access Journals aber richtig Geld ausgeben muss, welches ich dann nicht im Labor verbrennen kann, dann tut es weh - leider wirft nicht jeder Förderer/Universität einem Geld für Open Access Publikationen nach... Und dann schone ich doch meinen Etat lieber und sende meinen Kram (mit s/w Abbildungen) an klassische Journals.

Grüße,

Hannes

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