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  • Karsten W.

mehr als 1000 Beiträge seit 19.10.2000

Tolles Gerät, tolle Konzepte

Vorweg: Ich bin kein Apple-Fan, sondern stehe der Firma eher kritisch
gegenüber (wer das nicht glaubt, kann das via Suchfunktion leicht
nachprüfen).

Aber: Der iPad könnte wirklich der Anfang einer neuen Generation von
Computern sein. Leider ist es den meisten Leuten nicht möglich,
außerhalb ihrer eingefahrenen Wege zu denken, woher die meiste Kritik
herrührt. 

Die Hauptkritik liegt ja daran, das versucht wird, das iPad als
Notebook zu sehen. Das ist es nicht. Absichtlich. Dazu gibt es
weiterhin spezielle Geräte, auch von Apple. Nochmal: Der iPad ist
KEIN Notebook. Jede Kritik, die entsprechende Vergleiche zieht, geht
am Kern vorbei (und das ist ca. 90% der hier und anderswo lesbaren
Kritik). 

Das iPad ist aber ebenso KEIN Telefon. Dafür gibt es das iPhone und
Geräte von zig anderen Herstellern. Auch hier geht jede Kritik, die
entsprechende Vergleiche zieht, völlig am Kern vorbei.

Der iPad ist eine völlig neue Geräteklasse und Apple hat hier (wieder
einmal) gezeigt, wie es (prinzipiell) geht. Die aktuelle Version ist
noch nicht perfekt, ich hätte auch gern höhere Auflösung, etwas
preiswerteres G3, eingebaute Kamera und USB/SD-Slot. Aber das sind
alles keine "Gamekiller", sondern Kompromisse, die über die Zeit
sicher ausgebügelt werden. Wer sich auf solche Punkte versteift,
sollte einmal an die Einführung des iPhones denken. Auch das Gerät
hatte prinzipiell ebenso die erwähnten Nachteile - trotzdem wurde es
ein schon fast monströser Erfolg (besondern im Hinblick auf den sehr
stolzen Preis des iPhones).

Was ist nun das geniale am iPad? Eigentlich gab es die ganze Technik
ja schon lange, ist also nichts "besonderes". Aber das war auch beim
iPhone so, als das rauskam gab es auch da viel Kritik. Kein G3,
fester Akku, kein SD-Slot usw. Alles wahr - und trotzdem war (und
ist) das iPhone ein Riesenerfolg. Die Technik ist es also nicht.
Wenn, dann ist es eher das Design des Geräts: Leicht, flach, elegant:
Etwas, was man selbst im aufgeräumten Designerloft auf dem Tisch
liegen lassen kann, wo ein Lenovo-Notebook wie ein Fremdkörper
aussehen würde. Vor allem ist es aber die Software und die Bedienung:
Alles "flutscht", keine "Fummelkram", eine Bedienung, die man bis vor
dem iPhone nur aus SF-Filmen kannt (und das iPad geht da noch einen
Schritt weiter als das iPhone). Wer es noch noch getan hat, sollte
sich das Video auf http://www.apple.com/ipad/features/ anschauen,
statische Bilder werden dem einfach nicht gerecht.

Hier haben wir Idee hinter dem iPad: Das liegt auf dem Tisch, wie ein
Buch oder eine Zeitschrift und wird auch so benutzt: Nehmen, etwas
lesen, wieder weglegen. Das Ding ist kein Notebook, kein Computer, es
ist eben ein "Pad". Der Name kommt sicherlich nicht von ungefähr, bei
jedem, der die neueren Star-Trek-Serien geschaut hat, sollte es
"klick" machen. Das iPad ist nämlich genau die reale Implementation
dieser "ST-PADD"s. Nicht dazu da, einen Computer zu ersetzen, sondern
zu ergänzen. Quasi "Intelligentes Papier". Bisher eher abstrakte
Dienste wie E-Mail und Web-Surfen werden damit "handgreiflich". Ob
Bücher lesen, dabei Musik hören, zwischendurch kurz E-Mails checken,
was im Web nachschlagen. Aber auch viele andere Dienste, für die ein
Computer "zu groß", "zu abstrakt" ist. Aber auch groß genug um den
Komfort zu haben, den ein Telefon nie bieten kann, weil es dazu
einfach zu klein ist. Manchmal bringen quantitaive Änderungen
tatsächlich qualitative Unterschiede - und genau den Fall haben wir
beim iPad: Selbst wenn es "nur" ein größerer iPod ist, erlaubt die
Größe Anwendungsbereiche, die vorher schlicht sinnlos waren.

Notebooks haben den ersten Schritt gemacht, diese Dienste aus dem
abgegrenzen Raum des Desktop-PCs ins "tägliche Leben" zu bringen.
Aber das waren weiterhin Computer, Programme installieren, starten,
beenden, Fenster verschieben, kleine Icons mit der Maus bedienen usw.
All das schrie weiterhin "Computer!". Das iPad versucht, dagegen das
auf eine völlig eigenständige Ebene zu stellen.

Um das etwas klarer zu machen, sollte man sich überlegen, warum Leute
noch Fernseher kaufen. Heute kann man ja mit jedem Computer
Fernsehen, wozu also eigene Geräte für den Zweck? Ein Fernseher kann
ja auch vieles nicht, was ein Computer kann. Viele der Kritik am iPad
trifft ja analog auch den Fernseher. Und trotzdem werden die Dinger
gekauft wie eh und je. Der Grund liegt darin, das Universalgeräte nie
so einfach und "handgreiflich" benutzbar sind wie Spezialgeräte. Ein
Fernseher hat ein super-einfaches Interface, dessen Grundfunktionen
jeder beherrscht, ohne auch nur in die Bediengungsanleitung zu
schauen: Einschalten, ausschalten, Kanal/Lautstärke. Keine Treiber,
keine Karten/Sticks, keine Hintergrundprogramme, die das Bild ruckeln
lassen, keine Gedanken an Speicherplatz, Updates usw. Einfach simpel.
Und dazu: Großer Bildschirm, steht immer an der selben Stelle (kein
auf/abbauen/umrücken nötig), guter Klang.

Und das iPad? Das macht dasselbe für Dienste, die bisher im Computer
ihren Platz hatten. Für's Web, für Mail, für diverse einfache
Arbeiten. Es wird sich zeigen müssen, was man nun tatsächlich alles
aufs "Pad" übertragen kann, welche Dienste davon mehr und welche
weniger profitieren. Es ist wirklich eine neue Geräte Kategorie.
Prinzipiell SF-Technik, die nun plötzlich Einzug in jedermanns
Wohnzimmer hält. Da gibt es noch viel zu experimentieren. Da sind
noch Ecken und Kanten. Aber der erst Schritt ist gemacht. Andere
werden nachfolgen. 


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