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  • Anatol Wiecki

16 Beiträge seit 20.01.2006

Riesen-PR-Gag für verantwortungslose Wikipedia

Der Verdacht liegt nahe, dass das ganze ein riesen PR-Gag ist. Die
Frage ist nur, ob Wikipedia - für die immerhin sogar ein Bericht in
der Tagesschau abfiel - mitgemischt hat.

Wer ernsthaft eine einstweilige Verfügung in einer Pressesache
erlangen will, geht in aller Regel vor die 27. Kammer des
Landgerichts Berlin und schlägt nicht einen Streitwert von 600 (in
Worten: Sechshundert) Euro beim Amtsgericht Charlottenburg vor.

Hier wollte man wohl einfach nur den Nachrichtenagenturen eine
Einstweilige Verfügung vor die Nase halten, die nur mit wenig
Kostenaufwand produziert wurde, denn die Gerichtskosten bemessen sich
an dem Streitwert. Und alle sind darauf eingestiegen. Anscheinend
haben wir jetzt auch im Winter das Sommerloch.

Obwohl die "Tron"-Nummer eigentlich wahrscheinlich nur ein
Riesen-PR-GAG sein sollte, ist es eine gute Gelegenheit nochmals die
redaktionelle Verantwortung der deutschen Ausgabe der Wikipedia zu
thematisieren. Denn bei Wikipedia kann anscheinend jeder ungehindert
wochen- oder monatelang anonym Rufmordkampagnen intiieren.

Wenn dort die Artikel nicht von anonymen Verfassern, sondern nur
durch Kopie des Personalausweises verifizierte Benutzer eingestellt
werden könnten, dann hätte die Wikipedia jetzt auch nicht das
Problem, da sich dann die Antragsteller an die jeweiligen Autoren
wenden könnten.

Derzeit ist es so, dass jedermann ohne sich registrieren zu müssen,
dort Beiträge verfassen kann, was zumindest den Vorteil hat, dass die
IP, die man dann gegebenenfalls dem LKA übermitteln kann, angezeigt
wird. Und die sogenannte Registrierung kann sich Wikipedia in der
jetzigen Form eigentlich schenken. Was ist eine Registrierung Wert,
wo man noch nicht einmal eine E-Mail-Adresse angeben muss? Es genügt
die Angabe eines Pseudonyms und die Eingabe eines selbstgewählten
Passworts.

Bisher ist die einstweilige Verfügung auch nicht aufgehoben, sondern
deren Vollstreckung wird gegen Sicherheitsleistung, die sich an den
geringen Streitwert orientiert, in Höhe von 500 Euro bis zum Termin
der mündlichen Verhandlung ausgesetzt. Solange der Verein Wikimedia
Deutschland e.V. seine redaktionelle Verantwortung nicht anerkennt,
insbesondere Rufmordkampagnen - wie unter 
http://www.heise.de/newsticker/foren/go.shtml?read=1&msg_id=9690517&forum_id=90941
beschrieben - monatelang in der deutschen Ausgabe von Wikipedia
duldet, sollte die einstweilige Verfügung bestehen bleiben.

Die Betreiber der Wikipedia sind verantwortungslos! Ich weiss wovon
ich spreche! Sie lassen nicht nur zu, dass dort über jedermann
ungeprüft von anonymen Autoren Verleumdungen in Artikeln verbreitet
werden können, sondern lassen auch zu, dass andere oder die gleichen
anonymen Autoren  anschließend auch noch in sogenannten
Löschdiskussionen über die Verleumdungsopfer, die mit dem entstehen
des Artikels überhaupt nichts zu tun hatten, wochenlang herziehen
können.

So verfasste irgendjemand bei Wikipedia einen Artikel über mich und
behauptete absurderweise darin, ich sei vorbestraft. Anschließend, am
17. Oktober 2005, initiierte vermutlich die gleiche Person, aufgrund
des Schutzes der Anonymität kann man das leider nicht mehr
feststellen, eine sogenannte Löschdiskussion. Dort wurde das ganze
dann auch noch gesteigert und ich war plötzlich "Rechtsextremist",
außerdem wurde suggeriert, ich hätte ein Gewaltverbrechen initiiert.

Obwohl vermeintlich verschiedene Autoren, die komischerweise sich
fast alle immer über denselben Einwahlknoten der HanseNet ins
Internet einwählten, über mich in dieser sogenannten Löschdiskussion
absurde und rufschädigende Behauptungen aufstellten, konnte
einwandfrei anhand der History zu dem Artikel festgestellt werden,
dass es sich dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit um den gleichen
anonymen Autoren handelte. Denn die angeblichen Benutzernamen können,
dies läßt Wikipedia auch noch zu, mit geringen Aufwand gefälscht
werden. Ob ein Benutzername nur gefälscht wurde, kann man aber anhand
der History, dem Versionsverlauf zu dem jeweiligen Artikel,
entnehmen, dann erscheint nämlich nicht der Benutzername, sondern die
IP-Nummer des Autoren.

17.10.2005, 03.51 h   85.178.87.198    HanseNet, "Benni"
17.10.2005, 03.53h    85.178.87.198    HanseNet, "Benni"
18.10.2005, 23.54h    85.178.70.184    HanseNet, "Oliver"
18.10.2005, 23.54h    85.178.70.184    HanseNet, "Oliver"
19.10.2005, 16.50h    84.190.159.169   Telekom,  "Karsten"
19.10.2005, 22.36h    85.178.91.163    HanseNet, "Karsten"
22.10.2005, 01.12h    85.178.65.105    HanseNet, ...
22.10.2005, 01.24h    85.178.65.105    HanseNet, ...
22.10.2005, 19.17h    85.178.117.72    HanseNet, "Judith"
23.10.2005, 22.56h    85.178.101.205   HanseNet, "Jens"
25.10.2005, 01.37-02.40h 85.178.83.144 HanseNet, "Benni"

Dies hatte dann zur Folge, dass man aufgrund des hohen Rankings von
Wikipedia bei Google unter meinem Namen an oberster Stelle ab Ende
Oktober 2005 lesen konnte, ich sei "Rechtsextremist, wäre ein
"Psychopath" und habe ein "Gewaltverbrechen" initiiert.

Als ich davon erfuhr, kontaktierte ich sofort den Verein Wikimedia
Deutschland e.V., sowohl schriftlich als auch telefonisch. Es wurde
jede Verantwortung abgelehnt und nach Florida verwiesen. Ich musste
dann mehrfach die Rechtsabteilung von Google informieren, damit die
Sachen wenigstens von der Suchseite verschwinden. In der Folgezeit
tauchte es dann aber immer wieder bei Google auf, sei es über
gespiegelte Seiten oder über Benutzerdiskussionen.

Die Staatsanwaltschaft konnte leider den Urheber nicht ausfindig
machen, da zum einen HanseNet die Logdateien nach nur 5 Tagen löscht
und die IP dem konkreten Kunden nicht mehr zugeordnet werden kann,
zum anderen der Telekom-Anschluss wohl ein öffentlicher Zugang war.

Ungeachtet dessen hätte ein Verein, dessen Vorsitzender immerhin ein
29-jähriger Soziologiestudent ist, wenigstens soviel Verantwortung
zeigen können und die Verleumdungen entfernen können. Dies geschah
aber erst kürzlich - nach Androhung eines Strafverfahrens nicht nur
gegen Unbekannt, sondern gegen den Vorsitzenden, Herrn Kurt Jansson,
persönlich. Offenbar sind die Begriffe Anstand und Respekt vor der
Ehre anderer nicht jedem geläufig.

Es kann nicht sein, dass der Verein Wikimedia Deutschland e.V. zwar
einerseits gerne den Grimme-Preis für die dort eingestellten Artikel
abholt, aber andererseits jedoch sich von den gleichen Artikeln
distanziert, sobald sich Rechtsanwälte melden. Wie können eigentlich
die "Wir haben nichts damit zu tun. Wir sind nicht die
Betreiber"-Leute Preise dann dafür abholen?

Mit welchem Recht?

Mit freundlichen Grüßen
Anatol Wiecki
http://media.wiecki.de
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