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  • andreas.c.hofmann, Andreas C. Hofmann

1 Beitrag seit 09.01.2018

#dsgvo Widerrufsrecht bei Print-Publikationen

Dem allgemeinen Verständnis nach kann eine bereits erfolgte Einwilligung zur Verwendung personenbezogener Daten stets widerrufen werden. Im Internet führt dies ggfs. dazu, dass personenbezogene Daten wie Namen, Fotos, Geburtsdaten etc. wieder vom Netz genommen werden müssen. Ferner hat jeder das Recht, Auskünfte zu den über ihn gespeicherten Daten zu erhalten. Die meisten Anbieter im Internet stellen entsprechende Funktionen bereit, mit welchen man in einem maschinen- oder menschenlesbaren Format seine personenbezogenen Daten herunterladen kann.

Wie sind diese Grundsätze des neuen europäischen Datenschutzrechts allerdings auf Print-Publikationen anwendbar? Muss ich als Autor damit rechnen, einzelne Passagen nachträglich schwärzen zu lassen? Oder kommen sogar eine Indizierung oder eine Einziehung wegen Verstoßes gegen die Datenschutz-Grundverordnung in Betracht? Werden dadurch nicht Grundrechte wie die Freiheit der Wissenschaft oder die Pressefreiheit ad absurdum geführt? Oder habe ich schlichtweg das neue Regelwerk falsch oder gar nicht verstanden und es ist alles nicht so schlimm?

Wie verhält es sich mit dem Recht auf Auskunft über erhobene personenbezogene Daten? Wäre ich bei einer Dissertation zu einem Thema der Zeitgeschichte verpflichtet, jeder Person Auskunft zu geben, welche personenbezogenen Daten in der Veröffentlichung enthalten sind? Oder muss ich sogar meine Forschungsdaten vorhalten, um datenschutzrechtliche Auskünfte über die verwendeten und erhobenen Daten geben zu können? Gibt es hier ein Wissenschaftsprivileg und ggfs. auch ein Presseprivileg? Was ist mit dem Rest der schreibenden Zunft?

Mir selbst wurde im Kontext der Abschaltung der Facebook-Fanpage einer größeren deutschen Partei durch den Datenschutzbeauftragten deren Landesverbandes vorgeworfen, dies sei "überzogene Reaktion". Befreundete Juristen gaben mir zu verstehen, dass ich als einfacher Blogger oder Vorsitzender eines kleinen Vereines keine Repressalien staatlicher Stellen zu befürchten hätte. Aber sind Gesetze nicht dazu da, um sich an sie zu halten? Ist ein Gesetz nicht von Intention und Form eine Katastrophe, wenn jeder sagt, dass man sich ohnehin nicht daran zu halten braucht?

Dr. Andreas C. Hofmann ist als Referent für Informationsmanagement tätig und beschäftigt sich darüber hinaus als Internetpublizist mit Aspekten der Informationsgesellschaft und Informationswissenschaft.

Das Posting wurde vom Benutzer editiert (17.10.2018 00:03).

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