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  • jc1

425 Beiträge seit 16.07.2012

USB Stick mutiert plötzlich zu "read only"

Da es sich um einen fiktiven Fall handelt, tangieren wir wohl kaum die Interessen der gewerblichen "Organe der Rechtspflege", hoffe ich.

Ein USB-Stick (Kaufpreis ca 30 €) wurde zur unverschlüsselten Zwischenspeicherung von Nutzerdaten verwendet, um diese an verschiedenen Rechnern ohne Netzzugang zur Verfügung zu haben.

Nach etwa 7 Monaten liesen sich die Daten zwar weiterhin auslesen, jedoch weder weitere Schreib- noch Löschzugriffe mehr vornehmen, obwohl 2/3 der Kapazität (128 GB) frei waren.

Der Hersteller
--
Western Digital
951 SanDisk Drive
Milpitas, CA 95035-7933
(408) 801-1000
--
bestätigte, daß dieser Übergang in den "read only mode" ein "unresolvable issue" sei und schlug vor, in diesem Ausnahmefall vor Rückgabe "cut into pieces"
vorzunehmen, aber da der Versand an diesen erheblichen Aufwand verursacht hätte (16 € mit DHL), von mglw. unabsehbaren behördlichen Ungelegenheiten (Zoll) ganz abgesehen, wandte der fiktive Käufer sich an den nach deutschem Recht einzigen Ansprechpartner,
dem Händler (*** in ***). Der dort befragte Verkäufer räumte ein, daß unverschlüsselte personenbezogene Daten zwar ein Problem seien, daß er aber
eine Gewährleistung unter Verzicht auf Geltendmachung der Beweislastumkehr nur böte, wenn der Stick keine gewährleistungsausschließenden Merkmale (d.h., er müsse "aus einem Stück" bestehen) aufwiese.

Selbst eine Zerstörung in seinem Beisein nach vorheriger Vergewisserung über das Vorliegen des bezeichneten Mangels lehnte er mit Hinweis auf seine eigenen Abmachungen mit dem Distributor ab und riet, wenn der Hersteller das zugesagt habe, eben diesen in Anspruch zu nehmen (siehe oben).

Was wiederum nach deutschem Recht keine Möglichkeiten der Durchsetzung böte, z.B., wenn es auf der undurchschaubaren Transportkette zu Fehlabläufen käme. Eine bekannte Computerzeitschrift ist voller Schilderungen von Widerwärtigkeiten dieser Art.

Apropos, es hülfe auch nichts, lediglich darzulegen, daß es sich um eine Frage aus dem Rechtsgebiet Verbraucher- , nicht dem des Datenschutzes handele:

Beschritte der fiktive Kunde den hierorts vorgesehenen Weg, erwüchsen entweder neben eignen Spesen anwaltliche Aufwendungen für die "Erstberatung" iHv ca 200 €, die leider als Vorverfahrenskosten selbst im Obsiegensfalle nach X Instanzen nicht erstattungsfähig wären oder die Pauschalen für die eher überschaubare Hinweisgabe durch die Verbraucherberatung, die langweiligerweise meist bloß in dasselbe Szenario wiese.

Zwar wäre ein Beschreiten des Rechtsweges ohne Erstberatung denkbar, ist aber ebenfalls kaum akzeptabel wegen des Risikos, als jur. Laie irgendeine
entscheidende Kleinigkeit zu übersehen, die rückblickend zu beachten gewesen wäre.

Es sieht also rein rechtlich aus Laiensicht so aus, daß entweder das Recht auf informelle Selbstbestimmung unter Inkaufnahme erheblicher Nachteile bzw.
Risiken, vor denen ausgerechnet datenschutzaffine Einrichtungen andauernd warnen, aufgeben (Stichwort: Kontodaten) oder die Inanspruchnahme der
Gewährleistung für einen ansonsten nur noch sehr eingeschränkt nutzbaren Gegenstand mit völlig unverhältnismäßigen Nachteilen zu erstreiten wäre.

Hat wer schon vor so einer Situation gestanden und was war sein Procedere?

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