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  • Mikn_

mehr als 1000 Beiträge seit 29.08.2016

Eher "Unsicherheit durch Borniertheit und Privatisierung"

Es ist ja leider so, dass natürlich eine Bundesbehörde kaum nach Erfahrungen auf einer Landes- oder gar Kommunalbehörde anfragt. Schließlich ist es Bundesbehörde. Umgekehrt natürlich genauso.

Erschwerend kommt natürlich ganze "Privatisierung" der Rechenzentren in AÖR bzw. GmbHs hinzu. Es sah natürlich in den verschiedenen Haushalten toll aus. Die Politik konnte sich auf die Schulter klopfen. 5-8% der Stellen eingespart. Ganz viele Personalfixkosten gesenkt.

Ein unendliches Lieblingsprojekt der Regierung wo die FDP mit einwirkt. "Lieber privatisieren, als wirklich sparen".

Dafür gingen an anderer Stelle die variablen Kosten hoch (die nicht so schlimm für BWLer sind, wie Fixkosten), da ja nun IT-Leistungen eingekauft werden mussten. Plus das Risiko das Defizite durch die Anteilseigner entsprechend ausgeglichen werden müssen.

In Kürze übrigens bis zu 19% teurer, weil die EU-Umsatzsteuerrichtlinie in Deutschland umgesetzt werden muss. Die Dienstleistung von Kommunen bzw. kommunalen Einrichtungen die nicht einer hoheitlichen Aufgabe entsprechen, sind dann mit Umsatzsteuer zu belasten.

Das richtig Schlimme was nun passiert ist, dass die Zusammenarbeit der neuen Firmen leidet.

Denn vorher war es üblich gemeinsam am Projekten zu arbeiten, da unter dem kommunalen Austausch steuerrechtlich ein Leistungsaustausch nicht ein Problem wurde. Mit der Gewinnerwartung an die Rechenzentren änderte sich das. Und wenn man nun auf die Erfahrungen eines Rechenzentrums einer anderen Behörde zurückgreifen will, kostet diese ungefähr so viel, wie die Beauftragung eines IT-Beratungshauses. Und so darf der Steuerzahler, der die ganzen Strukturen finanziert, fleißig die Mehrwertschöpfung bezahlen. Genialer Plan der liberalen Marktwirtschaft.

Das freut natürlich die IT-Beratungshäuser, die über ihre Lobbyverbände natürlich auch dafür sorgen, dass Rechenzentren eigentlich auch nicht über ihre Verbandsgrenzen beratend tätig werden dürfen.

Bei uns rüffelte regelmäßig die Bezirksregierung, wenn wir so was genehmigt haben wollten. Somit bleibt uns dann den anderen Rechenzentren zu sagen, ihr dürft leider das Rad neu erfinden, da wir unser Wissen nicht weiter geben dürfen.

Und das was die IT-Beratungshäuser stellenweise abliefern ist ebenfalls unter aller Qualität. Aber wie soll da auch was rauskommen, wenn die nur auf Nachwuchsberater setzen (Billig und verheizbar), die dann nach 4-5 Jahren (wenn sie endlich Erfahrung haben) das Weite suchen. Aber diese Baustellen sind ja leider für den Steuerzahler nicht sichtbar und es würde bei weiten desolater aussehen, als das Wunderprojekt BER.

Selbst die Arbeit des BSI ist letztlich lachhaft. Wenn ein Rechenzentrum die BSI-Zertifizierung angeht, kostet das Unsummen, weil entsprechende Beratung für den Zertifizierungsprozess eingekauft werden müssen. Es ist leider nicht möglich, einfach direkt durch das BSI begleitet werden zu können. Und auch so werden x-Fach Steuergelder verbraten. Erst erarbeitet das BSI mit Beratern Sicherheitskonzepte, dann zertifizieren die Berater und das BSI entsprechende Vertragspartner. Und die RZs kaufen dieses Know-How wieder ein. Warum nur? Ach ja, liberale Marktwirtschaft bei volkswirtschaftlichen Aufgaben.

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