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Avatar von Schumbit
  • Schumbit

487 Beiträge seit 29.01.2010

Abstoßende Argumentation

Frutsch schrieb am 4. Juli 2010 12:44

> [..]
> Wer wirklich Bedarf hat, kann auch seine private Korrespondenz
> absichern. Produkte gibt es in rauen Mengen und oft auch kosten-
> los bzw. als OSS. Der Anteil an kryptografisch geschützter Kom-
> munikation entspricht somit ihrem Bedarf. Wenn Deine Oma Deine
> verschlüsselte Mail nicht entschlüsseln kann, musst Du sie ent-
> weder überzeugen, dass das wirklich nötig ist oder Du musst
> Dein eigenes Handeln überdenken.

"Wer wirklich bedarf daran hat", seinen Briefinhalt "vertrau-
lich" zu versenden, der benutzt eben auch keine Postkarten son-
dern Briefe. Davon ausgehend, dass die überwiegende Mehrzahl
der ernsthaften Snail-Mails Briefe und nicht Postkarten oder
Drucksachen sind wage ich abzuleiten, dass das im krassen Wi-
derspruch zu Deiner Aussage steht:

Die überwiegende Mehrheit der Postkunden legt Wert auf die
Vertraulichkeit der Inhalte in der versendeten Post, ist aber
nach Deiner Behauptung freiwillig bereit darauf zu verzichten,
wenn es um elektronische Kommunikation geht. DAS ist absurd!

Viel plausibler ist, dass die so genannte Standard-Software
(Outlook, würg..) für jedermann frei benutzbare pgp/gpg von
Natur aus nicht mitbringt und auch nicht darauf drängt, dass
die Masse der Nutzer sicher kommuniziert. Wie einfach wäre
es, wenn jeder Outlook-Nutzer vor der Benutzung des Clients
ein Schlüsselpaar erstellen würde. Das ist ja alles kein Hex-
enwerk aber es ist einmal mehr das typische Versagen vor der
Verantwortung des Monopolisten: Microsoft hätte uns viele Vi-
ren- und Wurm-Schäden dadurch ersparen können, dass sie auf
eine Unterscheidung von Administrator- und Benutzer-Accounts
unter Windows 2000 ff. drängen. Dass sie das nicht getan und
als Enterprise-Feature vermartet haben, hat ihnen Milliarden
in die Kassen gespült - und uns ein x-faches für Schäden, "Be-
ratung" sowie überflüssige Anti-Viren- und Firewall-Software
gekostet. Deren Gewinne haben wir durch unsere Schäden dop-
pelt und dreifach gezahlt.

Bei effektiver Verschlüsselung ist es exakt das Gleiche: Weil
sie Infrastrukturen durchsetzen wollen, an denen sie selber
maximal verdienen können, werden freie und funktionierende
Strukturen weder gefördert noch unterstützt. Das ist der die
Form eines kontraproduktiven Kapitalismusses, der in der Natur
jedes Monopols begründet liegt: Der Monopolist muss keinen
Wettbewerber fürchten, der durch tatsächlichen Kundennutzen
Marktanteile gewinnt - der Monopolist kann definieren, was
der Kunde braucht!

Die Menschen könnten heute vollkommen selbstverständlich
mit pgp-Schlüsseln umgehen, wenn der Marktführer Verant-
wortung übernommen hätte und/oder politisch entsprechende
Signale gesetzt worden wären (z.B. indem jede öffentliche
Einrichtungen mindestens einen öffentlichen Schlüssel be-
reit stellt und darüber vertraulich erreichbar ist).

Deine Argumentation ist eine Frechheit, weil Du aus der Un-
wissenheit der Nutzer und der Angebots-Diktatur durch den
Monopolisten eine fehlenden Nachfrage interpretierst. Wie
gut Microsoft den Benutzern ihre "Bedürfnisse" aber diktie-
ren kann, ließ sich damals beim Internet-Explorer analysie-
ren: Von heute auf morgen hat Microsoft seinen Kunden die-
sen Browser aufgezwungen und von heute auf morgen haben die
Benutzer sie in der Masse verwendet - ohne sich irgendwel-
che Gedanken zu machen. Netscape uneingeschränkter Markt-
führer wurde so binnen Monaten geköpft und in die Fremd-
verwertung geschickt.

Genau wie den Nutzern den IE zu diktieren hätte MS seine
Software mit einem Fingerschnipsen sicher machen können.
Dass sie es nicht getan haben war daher gewollt und der
Grund dafür ist schlicht die Profitmaximierung - auch wenn
die eigenen Kunden und die Volkswirtschaften dabei massive
Schäden erleiden müssen.

So lange das Monopol von Microsoft nicht beseitigt ist, ist
es eine Verhöhnung aller Computer-Nutzer, ihnen so etwas wie
"freie Entscheidungen" und dem Markt eine normale Entwick-
lung zu unterstellen! Das ist ein kranker Markt, auf dem
Mondpreise für wertlosen Schund erzielen lassen, weil die
Nutzer ohnmächtig und entmündigt sind. Dass es unter den
"Software-Sklaven" zur Ausbildung eines Bewusstseins für
Freiheit und fairen Ausgleich zwischen Anbieter und Nutzern
kommt, wird aber durch hierarchische Strukturen in der Ver-
waltung und Wirtschaft unterlaufen, denen die Dummheit der
Anwender im Grunde sehr gelegen kommt. Freie, in der Masse
aufgeklärte und verschlüsselnde Bürger sind sicher nicht
der Traum der Überwachungsorgane. Insofern haben wir hier
eine plausible Erklärung, warum man das Monopol seit Jahr-
zehnten toleriert und auch staatlicherseits nicht auf mün-
dige Bürger drängt - eine unheilige Allianz aus Monopol-An-
bieter(n) und den staatlichen Administrationen ..

Y.S.

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