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  • kraileth

220 Beiträge seit 28.10.2016

Re: Lizenz

MetaCircularEvaluator schrieb am 30.07.2017 20:51:

kraileth schrieb am 27.07.2017 12:07:

Während BSD mir als Anwender so ziemlich alle Freiheiten läßt, legen die Copyleft-Lizenzen mir eine Fußfessel mit einer verdammt schweren Kugel dran an. Und falls es die GPLv3 sein sollte, kommen gewissermaßen noch Handschellen dazu. Freie Software wird durch beide Lizenzfamilien ermöglicht. Freie Anwender schaffen aber nur die permissiven Lizenzen, auch wenn es nicht wenige Menschen gibt, die es als „Freiheit“ deuten, andere zu gängeln, zu bedrängen und mit Legalease zu belasten.

Ich glaube, Du hast da was ganz gewaltig nicht versanden.

Das möchte ich in Bezug auf die GPL auch überhaupt nicht ausschließen. Ich bin kein studierter Jurist. Und selbst von denen haben, wenn es um die GPL geht, 10 Rechtsgelehrte im Zweifel auch mal 11 unterschiedliche Auffassungen. Zwar habe ich mich vermutlich etwas mehr mit der Lizenzfrage beschäftigt als manche andere, aber hier den totalen Durchblick zu haben, maße ich mir nicht an.

Die GPL schränkt die Freiheit der Entwickler zugunsten der Freiheit der Anwender ein.

Das kann ich Dir als GPL-Verfechter natürlich genauso einfach glauben, wie ich mein Seelenheil der guten Lenkung durch einen Priester anvertrauen kann. Wenn ich das aber nicht tun will, weil ich ein mündiger Mensch sein möchte, bleibt mir nichts anderes übrig, als selbst festzustellen, wie es damit steht. Und in diesem Fall sieht meine „Freiheit“ - auch als Anwender - erstmal so aus, daß ich mich durch einen furchtbaren Rechtstext wühlen muß, von dem ich nicht bestreiten möchte, daß er gut gemeint ist, der mir aber schon von seiner Form her ganz ähnliche Beklemmungen verursacht wie eine EULA von Microsoft (von der ich weniger verklausuliert ziemlich schnell sehe, daß sie gegen mich gerichtet ist).

Die Anwender erhalten alle Freiheiten, und die Copyleft Lizenzen sorgen dafür, dass diese von den Entwicklern auch gewährt werden. Und das dauerhaft.

Wenn das so ist, kannst Du bestimmt abschließend erklären, wie ich - GPL-konform - von meiner Freiheit gebrauch machen kann, den unter CDDL (einer Copyleft-Lizenz!!) stehenden ZFS-Code mit dem Linux-Kernel zu verheiraten? Hier haben wir einen Fall direkt aus der Praxis, keinen esoterischen Einwand zwecks Nörgelei an der heilsbringenden GPL.

Meine Mutter nutzt auf einem Rechner Ubuntu. Der SABDFL Shuttleworth und seine Mannen, sowie die von ihm bezahlten Anwälte, sind der Meinung, das paßt so. RMS & Co. sehen das anders und die Software Freedom Conservancy bemühte sich sogar, rechtlich dagegen vorzugehen.

Was ist in diesem einfachen (!) Fall nun die Lösung? Hat der durchschnittliche Ubuntu-Anwender (und das sind bekanntlich gar nicht so wenige):

a) Rechtssicherheit bezüglich der Verwendung von ZFS?
b) die Gewissheit, daß er mit ZFS in Ubuntu auf ein Dateisystem setzt, das auch in Zukunft vom Betriebssystem seiner Wahl unterstützt wird und nicht aufgrund irgendwelcher Querelen letztlich doch wieder entfernt werden muß?
c) irgendeinen Vorteil davon, daß sich Juristen über einen schönen jahrelangen Streit freuen und goldene Nasen verdienen, während eine der wichtigsten Technologien der Jetztzeit wegen der blöden Regulierungswut von (dann gerne inkompatiblen) Copyleft-Lizenzen ausgebremst oder sogar zerrieben wird?

Software, die wichtigste Erfindung seit dem Feuer, soll Anwendern (und das ist der überwiegende Teil der Menschheit!) nutzen, nicht möglichst viel Geld in die Kassen der Entwickler spülen.

Hier bin ich bei Dir, bestreite aber, daß die GPL dieses Ziel zu erreichen mehr unterstützt als hemmt.

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