zurück zum Artikel

Bild-Bändiger: Freiheit durch Metadatenstandards Kommentare

Bild-Bändiger: Freiheit durch Metadatenstandards

Die dunkle Seite des Fotografierens heißt Archivieren – denken viele. Doch ein gepflegtes Bildarchiv bedeutet nicht nur Arbeit, sondern bringt auch Spaß: Weil es nicht so eindimensional ist wie die Organisation in Verzeichnissen, eröffnet es ganz neue Perspektiven. Viele Bilder wirken erst in einem neuen Kontext, und der lässt sich in einer gut organisierten Fotosammlung im Handumdrehen herstellen. Über die Jahre gesehen spart der anfängliche Aufwand sogar Zeit: Anfangs hat man alles perfekt im Blick und im Gedächtnis, doch je mehr Bilder sich anhäufen, umso länger muss man nach älteren Schätzen graben.

rgb_ct0909Bildverw1_61589-atr-A.jpg

Langlebig, transportfähig, flexibel

Die besten Überlebenschancen haben Ihre Fotodaten, wenn Sie Ihr Archiv strikt mit Hilfe von IPTC oder besser noch XMP organisieren. Zugegeben: Die Arbeit mit diesen Metadatenstandards wirkt kompliziert und problematisch – ein Eindruck, der sich leider auch in der Praxis häufig bestätigt. Doch bewaffnet mit den richtigen Tools und einigem Know-how schaffen Sie nicht nur ein krisensicheres Archiv, sondern auch das Fundament für einen reibungslosen, flexiblen Arbeitsablauf.

Jede daran beteiligte Software sollte also IPTC und/oder XMP unterstützen: Zur Grundausstattung gehören zumindest ein Bildbetrachter, meist auch eine Bildverwaltung (siehe Datendrang: Mediendatenbanken für Foto und Grafik [1]) und immer häufiger ein Raw-Konverter sowie gegebenenfalls eine Bildbearbeitung. Wer Kontaktabzüge, Webseiten und Diashows mit speziellen Tools produziert, legt mitunter Wert darauf, dass diese die Metadaten ebenfalls interpretieren können. Machen Sie die Entscheidung für oder gegen eine Software auch davon abhängig, welche Ihrer archivierten und publizierten Bildformate die Metadaten behalten sollen: Während noch viele Anwendungen mit JPEG+ IPTC klarkommen, wird die Software- Auswahl bei TiFF+IPTC oder gar PSD/Raw+IPTC äußerst dünn. Doch auch hierfür gibt es Workarounds, die wir im Artikel vorstellen werden.

Wir zeigen anhand eines beispielhaften Arbeitsablaufs und einiger ausgewählter, möglichst preiswerter Programme, wie man ein sinnvolles Fotoarchiv mit XMP- und IPTC-Daten aufbaut und wie man die Metainformationen vor allem beim Publishing wiederverwerten kann. Sie sollten anschließend in der Lage sein, die IPTC-Tauglichkeit Ihrer individuellen Kombination aus Bildformaten und Software zu beurteilen sowie den Ablauf an Ihre Bedürfnisse anzupassen. Wichtig: Bevor Sie einen neuen Workflow etablieren, sollten Sie ihn intensiv mit einem repräsentativen Satz an Fotos testen und sorgfältig überprüfen, ob die Metadaten korrekt verarbeitet wurden. Ob Sie eine ausgewachsene Bilddatenbank benötigen oder nicht, müssen Sie selbst entscheiden.

Unser Beispiel-Workflow kommt über weite Strecken ohne Bilddatenbank aus, da wir zum Aussortieren und ersten Verschlagworten einen guten, schnellen Bildbetrachter gegenüber dem aufwendigeren Datenbankimport bevorzugen. Die Bilddatenbank dient dann vor allem zum Selektieren, Suchen und Anlegen temporärer Sammlungen. Welche Software bei Ihnen welche Aufgaben übernimmt, können Sie dank IPTC flexibel entscheiden. Als Bildbetrachter haben wir die Shareware ExifPro [2] gewählt, nützliche Dienste leisten auch XnView [3] sowie das Metadaten-Helferlein ExifTool GUI [4]. Einen zugleich günstigen und mächtigen Archivbauer finden Sie in der Shareware-Bilddatenbank IMatch [5] – manchen genügt zum Wiederfinden auch eine schlichte IPTC-fähige Suchmaschine wie Windows Desktop Search. Ins Web bringt man Bilder nebst Daten mit JAlbum [6]. Auch die Foto-Communities Flickr [7] und Picasa Web Album [8] geben Metadaten ausgewählter Felder wieder.

Struktur und Stichwörter

Struktur und Stichwörter

rgb_exifpro.ig.SC.jpg
Mit Metadatenvorlagen, Leuchttisch und Stichwortlisten bringt ExifPro schnell Ordnung ins Foto-Shooting.

Überlegen Sie sich zunächst eine sinnvolle Verzeichnisstruktur, die Ihrer Haupt-Suchstrategie entgegenkommt. Dann können Sie selbst mit der einfachsten Software mal eben schnell ein paar Bilder herauspicken. Die meisten Hobbyisten fotografieren bei bestimmten Ereignissen wie Urlaub, Festen oder Ausflügen; ihnen hilft eine chronologische Sortierung nach dem Schema JJJJMMEreignis1, JJJJMM-Ereignis2, … Wer sich hingegen einem Spezialgebiet wie der Tierfotografie verschrieben hat, bevorzugt eher eine thematische Verzeichnishierarchie, in der er schnell einzelne Tierarten sichten kann: den Adler etwa als Unterverzeichnis von Vogel– Raubvogel, die Nachtigall als Ableger von Vogel–Singvogel et cetera.

Das Herzstück des fortgeschrittenen Bildarchivs bildet ein sinnvoll dimensionierter Stichwortkatalog: Zu sparsam ausgestattete taugen nur für oberflächliche Abfragen, die nach einigen Jahren eine unüberschaubare Masse an Ergebnissen ausspucken. Allzu detaillierte wiederum, die jeden Grashalm beschreiben, zwingen zu zeitraubenden Archivierungsorgien. Was genau interessiert Sie an Ihren Fotos, nach welchen Kriterien würden Sie später ein Fotobuch oder eine Webseite gestalten? Solche häufig verwendeten Suchbegriffe und Filterkriterien sollte man in einer Liste dauerhaft festhalten. Offensichtlich ist: Sämtliche Freunde und Familienmitglieder erhalten einen Platz in diesem (hier – archischen) Stichwortkatalog. Dazu typische Begriffe, die Landschaften und Urlaubsziele beschreiben wie Strand, Meer, Berg, See, Fluss oder Stadt. Orte und Städte, an denen Sie sich häufiger aufhalten, bekommen ebenfalls einen festen Platz im Katalog, während man den Namen eines auf der Durchreise fotografierten Dorfes dem jeweiligen Bild besser frei zuordnet.

Gerade Personen- und Landschaftsaufnahmen sollte man darüber hinaus mit Informationen rund um die Aufnahme und den Charakter des Bildes plastischer beschreiben, damit die Erinnerung an bestimmte Bilder auch nach Jahren noch anspringt. Beispielsweise per Gesichtsausdruck der abgebildeten Person: fröhlich, traurig, ernst, …. Manchmal möchte man Innenraum- oder Blitzaufnahmen bei der Suche ausschließen oder gräbt verzweifelt nach farblich zueinander passenden Fotos oder Stimmungsbildern, von düster über romantisch bis hin zu knallig-bunt. Hilfreich sind dabei auch Angaben zur Jahres- und Tageszeit und dem speziellen Lichts, sofern das Foto ein dafür typischer Repräsentant ist. Ein in einer einfachen Textdatei konservierter Stichwortkatalog leistet wertvolle Hilfe: Viele Datenbanken wie Lightroom können solche hierarchischen Listen 1:1 umsetzen und ihren eigenen Kategorienbaum daraus bauen. Bei der Arbeit mit einfacheren Programmen, die nur flache Stichwortlisten kennen, dient die Textdatei als unverzichtbarer Spickzettel für eine konsistente Verschlagwortung zum Zusammenstellen handlicher temporärer Listen. Wer nicht gerne bei null anfängt, kann sich von CoolColors.ch [9] den kostenlosen Katalog „UltraTag+Lte“ herunterladen und diesen auf seine Bedürfnisse zuschneiden. Die Pro-Version kostet 20 Euro; beide lassen sich direkt in Lightroom, Adobe Bridge, IDImager, Fotostation, Aperture und den Mac-Bildbetrachter PhotoMechanic importieren.

Ausmisten und Verschlagworten

Ausmisten und Verschlagworten

rgb_idimager-stichw.ig.SC.jpg
Im Bildbetrachter vergebene XMP-Stichwörter synchronisiert IDImager mit seinem Kategorienbaum.

Mit der günstigen Shareware ExifPro für 20 US-Dollar lassen sich JPEG- und Raw-Dateien schnell vorsortieren und verschlagworten; dank Farbmanagement zeigt es die Bilder in realistischen Tönen. Standardfelder etwa zu Copyright, Fotograf und Kontaktinformationen befüllt die Software stapelweise aus XMP-Metadatenvorlagen via „Tools/Edit File Info“ oder Strg+D. Eine Vorlage erstellt man im Ausklappmenü links unten mit der Option „Save as Template“. Das Einlesen von Vorlagen läuft ebenfalls über das Ausklappmenü oder die Tastenkombination Alt+Ziffer. Leider werden dabei sämtliche bereits existierenden Felder überschrieben, sodass man nicht mehrere Vorlagen kombinieren kann. Möchten Sie zusätzlich zu Ihren Urheber- und Kontaktinformationen projektbezogene Stichwörter vergeben (etwa Urlaubsort und - land), muss Ihre neue Vorlage außer diesen Stichwörtern auch die Basisinfos enthalten – andernfalls würden Letztere durch leere Felder überschrieben.

Alternativen: Photoshop-Besitzer nehmen die beiliegende Bridge, JPEG-Fotografen bringt auch die Freeware XnView ans Ziel. Mac-Powernutzer sollten einen Blick auf PhotoMechanic werfen. Wer sich mit den Feldern Titel, Beschreibung, Bewertung und Stichwörter zufrieden gibt, kann auch iTag benutzen. Derart vorbereitet, geht es ans Ausmisten, Verschlagworten und Bewerten. Der Button „Tagging“ in der Werkzeugleiste oder F4 ruft die Vollbildansicht inklusive der aktuellen Stichwortliste auf. ExifPro kennt nur flache Listen, keine hierarchischen Bäume. Das ist nicht unbedingt ein Nachteil, denn beim ersten Verschlagworten eines Fotoshootings oder einer Urlaubsreise kommt man mit ein oder zwei handlichen Extrakten des all umfassenden, weitverzweigten Kategorienbaums oft schneller voran.

Sie können beliebig viele Listen auf Vorrat halten, als Standard- Speicherort hat ExifPro das „Dokumente“-Verzeichnis gewählt. Außerdem können Sie in dieser Ansicht eine temporäre Bildauswahl anlegen (Button „Light Table“ oder Tastenkürzel „E“), IPTC-Daten vergeben oder Bilder löschen (beim Durchblättern per Entfernen-Taste oder am Ende einer Session im Leuchttisch mit der Schaltfläche „Light Table Operations“, „Delete all remaining Images“). Schade nur, dass der zugehörige Dialog „File Info“ den Zugriff auf die praktische Stichwörter palette blockiert. Vorbildlich an dem erst in Version 1.0 vorliegenden Bildbrowser ist, dass die Hilfe detailliert Auskunft darüber erteilt, für welche Formate er Metadaten unterstützt und wohin er diese schreibt. Für Raw-Formate legt die Software XMP-Begleitdateien an, die Zusatzinfos zum JPEG landen sowohl im XMP- als auch im IPTC-IIM-Header; Metadaten anderer Formate wie PNG, PSD oder TIFF unterstützt ExifPro nicht.

Mehrdimensional

Wer eine umfangreiche, teilweise auf externe Medien ausgelagerte Fotosammlung sein Eigen nennt, stößt irgendwann an die Grenzen jedes noch so guten Betrachters. Immer häufiger sucht man nach Stichwörtern, möchte verschiedene Kriterien kombinieren oder einfach nur übergeordnete Selektionen anlegen: Eine Bilddatenbank muss her. Der günstigste, mit IPTC/XMP- Talenten gesegnete Vertreter seiner Zunft ist IMatch, gefolgt von IDImager. Deutlich tiefer muss man für Expression Media oder All-in-one-Pakete wie Lightroom und Aperture in die Tasche greifen – dafür taugen Letztere auch zum Bearbeiten und Publizieren. Hoffnung auf eine kostenlose Lösung macht die jüngst auf Windows portierte Open-Source-Datenbank digikam; eine stabile Release lässt leider noch auf sich warten.

IMatch schreibt sowohl IPTC-IIM als auch das neue XMP und stellt dafür getrennte Editoren bereit: Da ExifPro auf XMP setzt, sollte man Änderungen ausschließlich im XMP-Editor (Image/Special Tools/XMP Editor) vornehmen. An dieser Stelle sollten Sie die Grundsatzentscheidung treffen, ob Sie Ihr Archiv auf XMP- oder IPTC-IIM-Beine stellen wollen. Anschließend wählen Sie sämtliche Metadaten-Editoren wie Bilddatenbank, Betrachter und Zusatztools sorgfältig danach aus. Beim gemischten Einsatz laufen Sie Gefahr, dass Änderungen im falschen Header landen und innerhalb des Workflows unbemerkt von einer wohlmeinenden Anwendung kaputtsynchronisiert werden. Steuern Sie die Synchronisation der unterschiedlichen Metadatenblöcke besser bei Bedarf mit darauf spezialisierter Software wie etwa ExifTool. XMP landet bei IMatch per Default in einer Begleitdatei. Falls Sie die Infos direkt in der Datei unterbringen möchten, deaktivieren Sie unter „Options/Preferences“ die Option „Always store XMP data in external sidecar files“ und führen „Tools/XMP/Refresh XMP Cache“ aus. Beim Kopieren, Verschieben, Löschen und Umbenennen werden gleichnamige XMP-Anhängsel übrigens automatisch mitgezogen. Sinnvolle Dateinamen etwa nach dem Schema „JJJJMMTT_Begriff_laufende Nummer“ vergibt IMatch stapelweise per „Smart Rename“.

Ein Backup mit Netz und doppeltem Boden besteht aus zwei Sicherungskopien der komplett etikettierten und umbenannten Fotos nebst ihren XMP-Begleitern: eine auf einer externen Festplatte, die andere auf DVD. Die meisten Bilddatenbanken bieten hierarchische Kategoriensysteme, mit denen sich Bildersammlungen komfortabel verschlagworten und filtern lassen. Für einen metadatengestützten Workflow ist unerlässlich, dass diese Kategorien als Stichwörter in das entsprechende XMP- oder IPTC-Feld der Bild- oder Begleitdatei geschrieben werden können – wer auch mit externen Tools verschlagwortet, benötigt zudem einen Abgleich beim Import der Stichwörter. IMatch importiert Stichwörter aus beiden Headern und sammelt sie in einer vorgegebenen Ebene des Kategorienbaums; XMP-Beschreibungen muss man im XMP-Editor hinzufügen und per Suchfunktion filtern.

Einen perfekten Abgleich schafft IDImager: Er ordnet beim Import jedes XMP-Stichwort automatisch der entsprechenden IDImager-Kategorie zu – egal, in welchem Ast des Kategorienbaumes; nicht synchronisierbare Tags werden in der Hauptebene gesammelt und lassen sich nachträglich einsortieren.

Metadaten-Kür

Metadaten-Kür

rgb_jalbum.ig.SC.jpg
Das kostenlose JAlbum bringt ausführliche Bildbeschreibungen stilvoll ins Web.

Einen wirkungsvollen Web-Rahmen für Ihre Fotos zimmert das „Chameleon“-Skin des kostenlosen Album-Generators JAlbum. Das stilvoll-puristisch schwarz, grau und weiß gehaltene Webalbum überlässt Buntes Ihren Fotos; zudem können Sie in der Einzelbildansicht jede nur erdenkliche Beschreibung aus EXIF-, IPTC-, XMP-, GPS- und Windows-XP-Feldern unter oder über dem Foto anzeigen (Album/Einstellungen/Metadaten). Um schnell zu überprüfen, welche Daten JAlbum überhaupt erkennt, aktivieren Sie „Metadata Scouting“ und wählen dann „Album erstellen“ und „Vorschau“. Zu jedem Bild werden dann sämtliche verfügbaren Felder aufgelistet. IPTC-Felder liest das Chameleon ausschließlich aus den alten IIM-Sektoren. Sollten also Ihre Dateien ausschließlich XMP-Informationen mitführen, müssen Sie spätestens jetzt synchronisieren – beispielsweise per Exif-Tool-Batch oder -GUI.

Der Webdienst Flickr hingegen zeigt Stichwörter und Beschreibungen sowohl aus den alten IPTC-IIM- als auch aus den XMP-Headern. Phil Harveys kostenloses Programm Exif-Tool kennt sich mit Metadaten aus wie kein Zweites und sollte deshalb auf keinem fotoaffinen Rechner fehlen: Es bietet vollen Lese und Schreibzugriff auf EXIF, IPTC und XMP – und zwar nicht nur für die verbreiteten Formate JPEG, TIFF, PNG und PSD, sondern auch für diverse Raw- Dateien wie CRW/CR2, NEF, MRW, ORF und DNG (ausführliche Liste und Dokumentation siehe Link). Darüber hinaus kann es auch Kamera- und IPTC-Informationen aus XMP- Begleitern in die EXIF-, IIM- und XMP-Header der Fotodatei übertragen.

Hingegen nehmen viele Bilddatenbanken, -betrachter und -verarbeiter nur einen Teil der Metadaten wahr: Die einen sehen nur den alten IPTC-IIM-Header (zum Beispiel JAlbum), die anderen ausschließlich den neuen XMP-Sektor (Microsoft Photo Info bei Raw-Formaten), wieder andere setzen exklusiv auf XMP-Anhängsel (ExifPro bei Raw-Formaten). Zugegeben, in seiner Eigenschaft als Kommandozeilentool wirkt das omnipotente Helferlein auf den ersten Blick abschreckend. Doch zum einen gibt es mit ExifTool GUI eine sehr komfortable Oberfläche mit nützlichen Funktionen, zum anderen können Sie sich mit wenig Aufwand einen Satz Batch-Dateien für wiederkehrende Aufgaben zurechtbasteln und eine Verknüpfung auf den Desktop legen. Folgende kleine Beispiel-Batch überträgt sämtliche Informationen aus den XMP-Begleitern in die zugehörigen Fotodateien (in diesem Fall Nikons NEF):

Pfad zu Exiftool\exiftool.exe -Tagsfromfile %%d%%f.XMP -xmp:all -ext NEF dir,

wobei „%%d%%f.XMP“ sämtliche XMP-Dateien des zu verarbeitenden Bildverzeichnisses nacheinander auswählt und deren Inhalt via „-ext NEF dir“ in die jeweils gleichnamige NEF-Datei implantiert. Per ExifTool GUI können Sie komfortabel überprüfen, ob die Daten tatsächlich im XMP-Header gelandet sind – es zeigt nicht nur sämtliche im Bild enthaltenen Metadaten an, sondern auf Wunsch auch nur den Inhalt der einzelnen Header oder die Maker Notes des Digitalkameraherstellers. Um die IPTC-IIM-Felder mit den bereits vorhandenen XMP-Daten zu füllen, markieren Sie mehrere Dateien und wählen den Menüpunkt „Modify/ IPTC: copy from XMP“. Umgekehrt kann man auch sämtliche oder Teile einzelner Header vor der Veröffentlichung der Bilder löschen. Bei der Arbeit mit Metadaten ist es enorm wichtig zu durchschauen, wie jede einzelne Komponente des Workflows tickt. Insbesondere bevor Sie ein Programm zum Verändern der Daten einsetzen, sollten Sie mit ExifTool GUI intensiv checken, was dieses Programm mit welchen Metadaten-Headern anstellt. Bei ausschließlich lesenden Anwendungen können Sie großzügiger sein und Felder bei Bedarf synchronisieren.

IPTC und XMP

IPTC und XMP

Das, was man landläufig als traditionellen IPTC-Standard bezeichnet, heißt eigentlich Information Interchange Model (IIM) und wurde vom International Press and Telecommunications Council (IPTC) in den 90er-Jahren entworfen. Im Jahr 1995 implementierte Adobe einen Teil des IIM als Metadatenformat für Photoshop, um die IIM-Informationen als Header direkt in JPEG, TIFF und PSD einzubetten – und zementierte damit quasi den Standard. IPTC-Header boten sich für den Software-unabhängigen Datenaustausch an. Leider nur prinzipiell: In der Praxis kam es immer wieder zu Inkompatibilitäten und Missverständnissen (siehe auch Übersicht [10]). Im Jahr 1997 erreichte das IIM mit Version 4.1 seinen Endzustand.

Der Nachfolger heißt „IPTC Core“ und ist Bestandteil des von Adobe entwickelten XML-Metadatenformats XMP. Die gesamte Kontrolle liegt nun auch offiziell bei Adobe, wobei der Hersteller die Spezifikation ähnlich wie bei PDF offengelegt hat. Wie aus Entwicklerkreisen verlautet, hielt diese allerdings nicht immer mit der praktischen Umsetzung in Adobe-Software Schritt, sodass auch der neue Quasi-Standard mit In kompatibilitäten zu kämpfen hat. Ein Beispiel anfänglicher Interpretationsspielräume sind die Farbetiketten, die bei Adobe fünfstufig, in Microsofts Expression Media hingegen neunstufig ausfallen. Auch Adobe selbst sorgt in der aktuellen Photoshop-Version CS4 mit einem Übersetzungsfehler für Verwirrung: Die „Location“ – also der Aufnahmeort – firmiert hier als „Speicherort“. Der Hersteller, der hohe Preise für die deutschsprachige Ausgabe gerne mit Lokalisierungskosten rechtfertig, sei hiermit auf die kostenlosen, ausführlichen Übersetzungshilfen der IPTC [11] verwiesen.

XMP-Daten fassen außer IPTC Core auch EXIF- sowie benutzerdefinierte Felder – Letztere nutzen Adobe Lightroom und Photoshop extensiv, um die Entwicklungseinstellungen für die gemeinsame Raw-Engine untereinander auszutauschen. XMP tritt entweder als Begleitdatei (Sidecar bzw. Buddy File) in Erscheinung oder verbirgt sich ähnlich wie IPTC-IIM als eigener Header in der Bilddatei. Wie und wo genau, beschreibt die Adobe-Spec [12] unter anderem für JPEG, TIFF, JPEG2000, PNG, GIF und PDF sowie die Adobe-Formate PSD, AI und INDD. Mancher Software-Hersteller, darunter Microsoft, bettet IPTC- und XMP-Daten auch in Raw-Files ein. Dies birgt unter anderem die Gefahr, dass stark metadatengestützte Raw-Konverter wie etwa DxO Optics Pro den Dienst verweigern. (rst [13])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-791383

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.heise.de/foto/Datendrang-Mediendatenbanken-fuer-Foto-und-Grafik--/artikel/143296
[2] http://www.heise.de/software/download/exifpro/63241
[3] http://www.heise.de/software/download/xnview/3307
[4] http://www.heise.de/software/download/exiftool_gui/63032
[5] http://www.heise.de/software/download/imatch/19059
[6] http://jalbum.net/
[7] http://www.flickr.com/
[8] http://picasa.google.de/
[9] http://www.coolcolours.ch/coolcolours-de.php
[10] http://www.controlledvocabulary.com/pdf/IPTC_mapped_fields.pdf
[11] http://www.iptc.org
[12] http://www.adobe.com/devnet/xmp/
[13] mailto:rst@heise-foto.de