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Bilderbuch für Cineasten: 100 Years Studio Babelsberg 0 Kommentare

(Bild: teNeues)

Die Geschichte der Babelsberger Studios ist mit großen Namen und großen Werken verbunden, zugleich aber auch mit politischem Missbrauch der Kunst und wirtschaftlichen Krisenzeiten. Die knapp 260 Seiten des großformatigen Bildbands werden der wechselvollen Geschichte gerecht, sie erzählen von Ruhm der Zwanziger ebenso wie vom Filmschaffen unter der Herrschaft der Nazis, vom Wechselbad zwischen Harmlosigkeit und Grenzgängen im Sozialismus der DDR und den Big-Budget-Produktionen jüngerer Zeit.

Faszination Kino

Dass "100 Years Studio Babelsberg" dabei trotz manch kritischer Anmerkung und umfangreicher, zweisprachiger Textpassagen viel Raum für entspannte und zugleich spannende Unterhaltung bietet, ist gleichermaßen der Faszination des Sujets wie auch der gelungenen Präsentation zu verdanken. Statt in klassischer Manier bei den Anfängen zu beginnen, reist der Bildband rückwärts durch die Zeit. Denn so wichtig die Arbeiten von F.W. Murnau oder Fritz Lang für die Filmgeschichte auch sein mögen: Unterhaltsamer, zumal für jüngere Semester, sind eben doch die Bilder und Hintergrundinformationen zu aktuelleren Filmen wie Anonymous, Huhn mit Pflaumen, The International oder V for Vendetta.

Dass Babelsberg nach den unruhigen Zeiten der Neunziger zur internationalen Liga wichtiger Filmstudios aufsteigen konnte, wird im Bildband übrigens nicht nur anhand weithin bekannter Filmtitel deutlich. Ganz an den Anfang ihres fast 3 Kilogramm schweren Wälzers haben die Redakteure die Gratulationen einiger besonders prominenter Filmschaffender gestellt, darunter Quentin Tarantino, Kate Winslet und Tom Hanks.

Informativ und detailreich

(Bild: RP Productions/Guy Ferrandis, teNeues)

"100 Years Studio Babelsberg" profitiert, wie auch andere Titel vergleichbarer Konzeption, erheblich vom großen Format. Auf dem guten halben Meter des aufgeschlagenen Bildbands bleibt auch in den ausführlichen Textabschnitten zur Geschichte der Studios immer noch genügend Raum für üppige Bebilderung. Jenseits der Essays, innerhalb rein fotografisch befüllter Strecken offenbaren die mitunter doppelseitigen Aufnahmen beachtlichen Detailreichtum. Das Auge kann lange wandern und immer wieder Neues entdecken. Wer Interesse an der Entstehung von Filmen mitbringt, findet in den Setfotos zahllose Hinweise zur verwendeten Aufnahmetechnik, zum Aufbau von Kulissen, zur Kostümierung, zur Arbeit von Statisten und natürlich auch zur Tricktechnik. Die Szenenfotos wiederum enthüllen manche Feinheit, die beim Betrachten des Films vermutlich selbst erfahrenen Cineasten entgangen wäre.

Fazit

Mit knapp 60 Euro kostet "100 Years Studio Babelsberg" etwa ebenso viel wie ein halbes Dutzend Kinobesuche. Ein auch aus der Sicht begeisterter Filmfans sicher nicht geringer Preis. Wer sich für das Eine oder das Andere entscheiden muss, hat es nicht leicht. Schließlich sorgt der Bildband nicht nur für langes Lesevergnügen, sondern auch für einen bei späteren Kinobesuchen erweiterten Horizont. (tho [1])

100 Years Studio Babelsberg
Michael Wedel, Chris Wahl, Ralf Schenk
teNeues [2]
260 Seiten, ca. 250 Abb., Texte dt. / en.
27,5 x 34 cm
59,90 Euro
ISBN: 978-3-8327-9609-9

URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-1469407

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