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Allrounder mit viel Brennweite: Objektiv Canon RF 24-240mm F4-6.3 IS USM für Canon EOS R 20 Kommentare

Objektiv kurz vorgestellt: Canon RF 24-240mm F4-6.3 IS USM für Canon EOS R

Das 10-fach-Zoomobjektiv Canon RF 24-240 richtet sich an Canons spiegellose Vollformatkameras. Flexibilität hat ihren Preis.

Canon hat für seine spiegellosen Vollformatkameras mit RF-Bajonett ein zehnfaches Zoomobjektiv mit einer Brennweite von 24 bis 240 Millimetern auf den Markt gebracht. Das stabilisierte RF 24-240mm F4-6.3 IS USM (ab 889 €) [1] bietet sich als Allrounder für alle möglichen fotografischen Disziplinen von der Landschafts- über die Porträtfotografie bis hin zu Teleaufnahmen an und empfiehlt sich damit als universelles Reiseobjektiv. Mit einem Gewicht von etwa 750 Gramm ist es dafür noch hinreichend leicht. Allerdings ist seine Lichtstärke mit f/4.0 bis f/6.3 nicht gerade üppig, aber für viele Situationen ausreichend.

Canon

Spiegellos muss nicht immer mit einem Größenvorteil einhergehen. Die EOS R mit dem Zehnfachzoom ordentlich kopflastig und gerade noch so im "schleppbaren" Bereich.

(Bild: Canon)

Auf einen belastbaren Wetterschutz verzichtet Canon bei diesem Einsteiger-Objektiv, das es unter 1000 Euro gibt. Damit gehört es tatsächlich zu den günstigeren RF-Objektiven. Das staub- und spritzwassergeschützte L-Objektiv RF 24-105mm f/4L IS USM Objektiv mit durchgehender Lichtstärke von f/4.0 kostet knapp 1200 Euro bei weniger Brennweitenspielraum. Der Tubus des zehnfachen Zoomobjektivs besteht aus Kunststoff und wirkt auch dank seiner matten, angerauten Oberfläche dennoch hochwertig. Eine Gegenlichtblende ist im Lieferumfang enthalten.

➤ Mehr zum Thema: Vollformatkameras auf neuen Wegen: Canon EOS RP und Panasonic Lumix S1R im Test [2]

Handhabung: Update nicht vergessen

Wir konnten das Zoomobjektiv an der EOS R testen, die eine Auflösung von 30 Megapixeln bietet. An dem schmalen Gehäuse wirkt es klobig, insgesamt liegt das Team dennoch gut in der Hand. Das liegt hauptsächlich am ergonomisch ausgeformten Griffwulst der Kamera, der allen Fingern sicheren Halt gibt. Unsere Testkamera meckerte beim ersten Anschalten mit angeschraubtem Objektiv ein fehlendes Update an, denn Firmware-Versionen vor 1.3.0 unterstützen das Objektiv nicht. Wir haben die aktuelle Firmware-Version 1.4.0 (11. September 2019) bequem mithilfe einer vorher in der Kamera formatierten SD-Karte installiert. Canon bietet das Update für die EOS R samt etwas umständlicher Beschreibung über seine Support-Seiten an. [3]

Den Fokusring können Fotografen auch zum Einstellrädchen machen.

Den Fokusring können Fotografen auch zum Einstellrädchen machen.

Dass sich Kamera und Objektiv besonders gut verstehen müssen, liegt am Bedienkonzept der EOS-R-Familie, das ein Funktionsrad auf die vorgeschraubte Optik auslagert. Entsprechend bietet auch das 24-240er einen entsprechenden Schalter: Steht er auf "Focus" erledigt der Fokusring seine eigentliche Aufgabe und verändert beim manuellen Fokussieren die Entfernungseinstellung. Er besitzt dabei einen angenehmen Widerstand erlaubt eine feine Abstimmung. Steht der Schiebeschalter auf "Control" wird er zum Steuerungsring umfunktioniert. Dann können ihm Fotografen im Menü der Kamera verschiedene Funktionen zuordnen. Wir haben uns beispielsweise für die ISO-Wahl entschieden. Außerdem finden noch der Schalter für den Bildstabilisator sowie eine Zoom-Verrieglung auf dem Objektiv Platz.

Wer zoomt verlängert das Objektiv wesentlich.

Wer zoomt verlängert das Objektiv wesentlich.

Während sich das Objektiv in Weitwinkelstellung recht flott anfühlt, wird es zum langen Ende hin eher träge. Auch mit Verfolgungen tat es sich in Telestellung eher schwer. Im Labor konnten wir eine Auslöseverzögerung mit Autofokus von 0,27 Sekunden im Weitwinkel und 0,53 Sekunden im Tele messen.

Licht und Schatten: Bei kürzester Brennweite liefert das Objektiv zentral seine Bestleistung. Die Randbereiche bleiben allerdings mehr als deutlich zurück.

Licht und Schatten: Bei kürzester Brennweite liefert das Objektiv zentral seine Bestleistung. Die Randbereiche bleiben allerdings mehr als deutlich zurück.

Ein Überflieger ist das 1000-Euro-Objektiv nicht und gerade im Weitwinkelbereich schwankt seine Leistung über den Bildbereich enorm. So liefert es hier zwischen f/5.6 und f/8.0 zentral mit gut 2000 Linienpaaren pro Bildhöhe (Lp/Bh) zwar seine Bestleistung ab, die Randbereiche bleiben allerdings um mehr als 30 Prozent dahinter zurück. Selbst bei 240 Millimetern liefert das Zehnfachzoom eine durchweg ausgewogenere Leistung, wenn auch Spitzenwerte wie 2000 Lp/Bh nicht mehr erreicht werden.

Ausschnitt aus der c't Testszene bei  ISO 100 und f/8.0:<br />
links: 24 mm<br />
Mitte: 70 mm<br />
rechts: 240 mm

Ausschnitt aus der c't Testszene bei ISO 100 und f/8.0: links: 24 mm Mitte: 70 mm rechts: 240 mm

Unsere Testaufnahmen bestätigen die durchwachsenen Messergebnisse. Es fehlt über die verschiedenen Brennweitenstufen hinweg an Brillanz durch Mikrokontraste – ganz besonders am langen Ende. Die Bildwirkung ist dadurch weniger plastisch, sondern eher flau. Damit ist das EOS-R-Objektiv allerdings kein Ausreißer nach unten. Auch Sony bietet ebenfalls ein Objektiv für seine spiegellosen Systemkameras an, das diesen Brennweitenbereich abdeckt. Bei mittlerer und langer Brennweite bleibt es ebenfalls sehr hinter dem Potenzial der A7-Kameras zurück. Noch dazu kämpft es mit Farbsäumen. Davon bleiben Canon-Fotografen wenigstens verschont.

➤ Mehr zum Thema: Im Test: 10-fach-Zoom Sony FE 24-240 mm f/3.5-6.3 OSS für E-Mount [4]

Ausschnitt aus der c't Testszene (Randbereich) bei  ISO 100 und f/8.0:<br />
links: 24 mm<br />
Mitte: 70 mm<br />
rechts: 240 mm

Ausschnitt aus der c't Testszene (Randbereich) bei ISO 100 und f/8.0: links: 24 mm Mitte: 70 mm rechts: 240 mm

Das Leistungspotenzial der EOS R schöpft das Canon RF 24-240mm F4-6.3 IS USM nicht aus. Wer bereit ist Kompromisse bei der Bildqualität einzugehen, gewinnt allerdings durch den großen Brennweitenspielraum an Flexibilität. Mit seinem Preis von weniger als 1000 Euro gehört es damit noch zu den günstigen Modellen.Das Gewicht von 750 Gramm passt auch noch gerade so, sodass sich das Objektiv durchaus als Immer-dabei-Kompromiss auf Reisen empfiehlt. Eine höherwertige Alternative mit zehnfachem Zoom gibt es derzeit für das R-Bajonett ohne Adapter nicht. Fotografen könnten sich lediglich behelfen, indem sie mehrere lichtstarke Zooms kombinieren. Das geht jedoch ordentlich aufs Geld und belastet das Reisegepäck signifikant.

(ssi [5])


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-4580496

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[1] https://www.heise.de/preisvergleich/canon-rf-24-240mm-4-0-6-3-is-usm-3684c005-a2090928.html?hocid=foto&wt_mc=intern.foto.textlink-pvg.pvg_a2090928
[2] https://www.heise.de/tests/Vollformat-auf-neuen-Wegen-Canon-EOS-RP-und-Panasonic-Lumix-S1R-im-Test-4440712.html
[3] https://www.canon.de/support/consumer_products/products/cameras/digital_slr/eos-r.html?type=firmware&firmwaredetailid=tcm%3A83-1881754&os=windows%2010%20%2864-bit%29&language=
[4] https://www.heise.de/tests/Im-Test-10-fach-Zoom-Sony-FE-24-240-mm-f-3-5-6-3-OSS-fuer-E-Mount-2670505.html
[5] mailto:ssi@heise.de