Menü
c't Fotografie

Analogfotografie zwischen Nische und Trend

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 14 Beiträge

Mehr zum Thema:
- Archiv: Die Lust am Analogen
- Simulation analoger Filme
- Velvia teilweise für dem Aus

Von wegen Krise: Etwa 5 Millionen Deutsche fotografieren immer noch mit ihrer analogen Kleinbild-Kamera. Darunter sind längst nicht nur Rentner. Auch junge Menschen entdecken das Fotografieren auf Film für sich. Manch einer wittert sogar einen neuen Trend.

Analoge Fotografie lebt: Inzwischen interessieren sich auch junge Menschen wieder verstärkt für die filmbasierte Fotografie.

(Bild: Heise Zeitschriften Verlag)

Ein genauer Blick durch den Sucher: Passt der Bildausschnitt? Der Finger drückt den Auslöser, hörbar spult sich der Film ein Stück weiter. Der Film ist belichtet, das Bild lässt sich nicht mehr löschen. Analog-Fotografen brauchen vor allem eines: Geduld. Das ist viel verlangt, wo doch jeder Smartphone-Besitzer mit einem Klick ein Bild aufnehmen und es mit einem zweiten seinen Freunden schicken kann. Aber trotz Digitaltechnik, Apps und großer Speicherkarten gibt es sie immer noch: Millionen Hobbyfotografen und Professionelle, die Filme einlegen und sich bereits vor der Entwicklung für "matt" oder "glänzend" entscheiden.

Wolfgang Sobeck sitzt in seinem Geschäft in Kreuzberg und zieht an einer Zigarette. Den Foto-Laden hat er vor 32 Jahren eröffnet. In den Vitrinen stehen gebrauchte Kameras, fast ausschließlich analoge. "Der Digitalmarkt ist zu unübersichtlich", sagt Sobeck. Und da gebrauchte Digitalkameras zu schnell an Wert verlören, sei er nie richtig in das Geschäft eingestiegen. Das sei aber auch nicht nötig. "Viele meiner Kunden sind mit digital aufgewachsen und wollen jetzt mal richtig fotografieren", sagt Sobeck. Im Moment kämen seine jüngeren Kunden oft aus Spanien oder Italien. Der größte Teil derer, die bei ihm ihre Filme abgeben, sei aber älter. "Viele Ältere wollen sich nicht mit digitalen Kameras beschäftigen", sagt Sobeck. Sie fotografieren einfach analog weiter.

In einer Allensbach-Umfrage gaben 2012 noch 5,1 Millionen Deutsche über 14 Jahren an, ihre Bilder mit einer analogen Kleinbild-Kamera zu machen. Aber der Abwärtstrend ist eindeutig: Fünf Jahre zuvor waren es noch fast dreimal so viele. Ist es mit der analogen Fotografie also bald vorbei? Davon geht Rossmann-Sprecher Stephan-Thomas Klose nicht aus. "Die analoge Fotografie spielt noch immer eine große Rolle", sagt der Sprecher der Drogeriemarkt-Kette. Bei Rossmann mache die Entwicklung von Fotofilmen noch die Hälfte der Fotoaufträge und ein Drittel des Umsatzes in der Fotosparte aus.

Lust am Analogen (8 Bilder)

Yashica-D

Ein solches Analogschätzchen bekommt man gebraucht of schon für 150 Euro.

Der Konkurrent dm schätzt die Situation aber weit weniger positiv ein. "Filme und Filmentwicklung sind bei dm seit Jahren zweistellig im Minus", sagt Geschäftsführer Christoph Werner. Ähnlich kritisch sieht Viviane Meyer die Situation. Das Geschäft Foto-Meyer eröffneten sie und ihr Mann vor 44 Jahren in Schöneberg. Schon 1995 haben die Meyers die ersten Digitalkameras ins Angebot aufgenommen."Damals wurden wir von Kodak-Mitarbeitern gefragt, wie wir mit digital überhaupt Geld verdienen wollen", erinnert sich Viviane Meyer schmunzelnd. Mitte der 90er-Jahre wurden bei Foto-Meyer täglich noch rund 1000 Filme abgegeben, um die Jahrtausendwende weniger als halb so viele. "Heute sind es noch etwa 40 pro Tag", sagt Meyer. Die, die noch analog fotografieren, seien zumeist Stammkunden, der größte Teil im Rentenalter.

Glaubt man allerdings Wolfgang Stade, gibt es keine Krise. Zumindest nicht im Geschäft mit gebrauchten analogen Kameras. Sie füllen in Stades Geschäft in Charlottenburg Regale bis an die Zimmerdecke. Früher habe er noch mehr Zeit gehabt, um zu Kamera-Auktionen zu fahren. Zum Beispiel nach Japan. Dort sehe es für die analoge Fotografie besser aus als in Deutschland.

Die Japan Camera Hunters: Der Fotograf Bellamy Hunt verkauft unter anderem T-Shirts, mit denen man die analoge Fotografie unterstützen kann.

(Bild: screenshot)

Stade meint, die Bewegung der Analog-Fotografen sei in Japan sichtbarer als in Deutschland. Dort würden etwa junge Fotografen auf ihren T-Shirts für analoge Kameras werben. "Der neue Massen-Trend in Japan heißt no pixels." Stade hofft, dass er nach Deutschland überschwappt. (Rebecca Ciesielski, dpa) / (ssi)