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Ausstellung: Foto-Erinnerungen an die Zukunft

In Berlin liefert eine Ausstellung über "Konkrete und Generative Fotografie" eine Zeitreise zu den analogen Ahnen der digitalen Computerkunst.

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Im Rahmen des 6. europäischen Monats der Fotografie eröffnete am Samstag in der Galerie photo edition berlin die Ausstellung "Konkrete und Generative Fotografie". Mit Bildern von zehn Künstlern aus vier Ländern führt sie vor allem in die 1950er und 1960er Jahre zurück, als viele Kreative vom Fortschrittsglauben gepackt und durch Wissenschaft und Technik inspiriert wurden.

René Mächler, Konstruktion (1990)

Neben kinetischen Skulpturen und geometrischen Gemälden entstanden damals auch Foto-Serien, die nicht externe Objekte, sondern reine Konstruktionsprinzipien ausdrücken. So nahm Herbert W. Franke seine "Oszillogramme" direkt am Bildschirm auf, während Kilian Breier, Roger Humbert und René Mächler das Fotopapier ohne Zwischenschalten einer Kamera belichteten.

Künstler wie Pierre Cordier, Gundi Falk und Heinz Hajek-Halke spielten mit der Photochemie, Hein Gravenhorst und Karl-Martin Holzhäuser mit optisch-mechanischen Methoden. Eine vielfältige Rolle als Praktiker, Professor und Propagandist kam Gottfried Jäger zu, der die Berliner Ausstellung beriet und beim – gratis herunterladbaren – Katalog mitwirkte.

Ausstellung "Konkrete und Generative Fotografie" (5 Bilder)

Herbert W. Franke, Tanz der Elektronen (1961,1962)
(Bild: photo edition berlin)

Für den digital sozialisierten Betrachter drängt sich heute bei den Bildern eine Verwandtschaft mit der gleichfalls in den Sechzigern geborenen digitalen Computerkunst auf, wenngleich die "Luminogramme" und "Chemigramme" viel analogen Retro-Charme ausstrahlen.

Eindrucksvoll war jedenfalls der Auftritt der Pioniere beim Künstlergespräch der Vernissage, als der 87-jährige Altmeister Herbert W. Franke im Mittelpunkt stand. Zur Eröffnung gesehen wurden der Berliner Mathematikprofessor Peter Deuflhard und Miro Cimerman vom bcd cybernetic art team, das in der Goldenen Ära der kroatischen Computerkunst wurzelt. Die Ausstellung ist bis zum 20. Dezember zugänglich, jeweils Mittwoch- und Samstagnachmittag sowie nach Vereinbarung. (Ralf Bülow) / (anw)