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Besondere Eindrücke: Die Bilder der Woche (KW 32)

Fotografen versuchen immer besondere Eindrücke im Foto festzuhalten. In den Bildern des Tages aus der vergangenen Woche ist das besonders gut gelungen.

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Besondere Eindrücke: Die Bilder der Woche (KW 32)

(Bild: Nico Kaiser)

Zum Start ins Wochenende präsentierte Nico Kaiser eine ganz besondere Nachtaufnahme. Den eh schon eindrucksvollen Nachthimmel bearbeitete er mit einem Photoshop-Filter und verpasste damit den Sternen einen ungewöhnlichen Warp-Effekt. Eine detaillierte Beschreibung finden Sie in der Bilderstrecke.

Am Tier-Sonntag wusste das Schmetterlingspanorama von Steffen Schmidt zu überzeugen. Für das Foto musste er sich dem Insekt bis auf kürzeste Distanz nähern, den Schmetterling scheint dies nicht gestört zu haben.

Montag und Dienstag ging es für einen Abstecher über den großen Teich, Robin Schuh nutzte eine schlaflose Nacht für eine Langzeitbelichtung am Wasser und Gerhard Schmidt entdeckte in einer Bibliothek ein ungewöhnliches Motiv.

Abstraktes präsentierte Fotograf Antonius am Mittwoch. Seine "Anderswelten" waren schon häufiger in den Bildern des Tages vertreten.

Zum Ende der Woche nahmen uns die Fotografen clickpix und dave-derbis mit in die Berge. Beim Blick auf die Tiroler Berge und das klare Wasser des Eibsees an der Zugspitze bekamen wir sofort Fernweh.

Die Bilder der Woche (KW 32) (7 Bilder)

Samstag: Erdfunkstelle Raisting / St. Johann

Ausführlich beschreibt Fotograf Nico Kaiser die Entstehung seines eindrucksvollen Fotos: "Am Sonntag vor der Aufnahme hatte ich im Kino zusammen mit meiner Frau einen Film namens "Sternenjäger" gesehen. In diesem Dokumentarfilm geht es um die Faszination der Nacht- und Astrofotografie. Ich fand ihn sehr unterhaltsam und er hat mich sogar so sehr inspiriert, dass ich schon am nächsten Abend meine Kamera genommen und ein paar Milchstraßenaufnahmen gemacht habe. Und es hat wirklich großen Spaß gemacht. Allein im Dunkeln um ein Uhr morgens auf einem bayerischen Feld stehen und all diese Sterne sehen.... unbezahlbar!

Die Location selbst ist sehr cool. Das Areal heißt "Erdfunkstelle Raisting" und liegt südlich des Ammersees. Es gibt dort viele, wirklich riesige Satellitenantennen auf einem Feld, das von schöner bayerischer Landschaft umgeben ist. Es herrscht eine ziemlich einzigartige Atmosphäre dort. Aber für diese Aufnahme habe ich mich auf den zweiten Eye-Catcher konzentriert, der dort zu finden ist. Die kleine Kapelle "St. Johann", die sich direkt hinter den Antennen befindet. Sie gibt einen schönen Vordergrund für Nachtaufnahmen ab, finde ich.

Drei Tage nach Neumond waren die Bedingungen großartig. Es gab nur recht wenige Wolken und eine Temperatur von ca. 15°C. Die ohnehin noch sehr dünne Mondsichel ging dann auch noch recht "früh" gegen 23:20 Uhr unter, so dass dann die Nacht schön dunkel war. Für Milchstraßenaufnahmen verwende ich an meiner Canon 6D ein manuelles Walimex 14mm Objektiv mit Blende f/2.8. Wichtig dabei ist, die Einstellung auf Unendlich möglichst exakt vorzunehmen. Diese befindet sich nämlich nicht etwa ganz am Rand des Einstellbereiches, sondern etwas davor. Ich nutze dafür meistens die Live-View Funktion mit der maximalen Vergrößerung und fokussiere auf ein weit entferntes Objekt oder einen hellen Stern. Durch Drehen am Fokusring finde ich dann den Punkt, wo der Stern möglichst klein im Live-View  erscheint. Diesmal habe ich den Fokusring sogar mit etwas Malerkrepp fixiert, damit ich den Fokus nicht wieder unbeabsichtigt verstelle. Mit diesem Objektiv kann ich etwa 30s belichten, bevor die Sterne von Punkten zu Strichen werden. Anhand dieser Zeit und der Blende von f/2.8 richte ich dann den ISO Wert so aus, dass ich brauchbare Bilder erhalte. In diesem Fall verwendete ich die Werte 14mm / f/2.8 / ISO1600 / 30s.

Bearbeitet wurde das Bild in Lightroom (Weißabgleich, globale Anpassungen) und Photoshop. In Photoshop verwende ich Masken, mit denen ich gezielt die Regionen der Milchstraße herausarbeiten kann (Kontrast, Farben, Tonwertkorrekturen). Obwohl das fertig entwickelte Bild an sich schon recht beeindruckend war, habe ich mich diesmal entschlossen, zusätzlich einen "Warp"-Effekt auszuprobieren, den ich auf dem exzellenten Astro-Blog sternenhimmel-fotografieren.de gefunden habe.

Sternenspuren erzeugt man ja üblicherweise durch "Übereinanderlegen" vieler einzelner Aufnahemen. Für die hier verwendete Technik reicht jedoch eine einzige Aufnahme. Die jeweils hellsten Sterne erzeugen dann den Warp Effekt.
"
(Bild: Nico Kaiser )

(tho)