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Canon EOS 1-Dx Mark III: Über den Autofokus gegen die Spiegellosen

Canon informiert über die Entwicklung der EOS-1D X Mark III. Sie wird vermutlich rechtzeitig vor den olympischen Sommerspielen 2020 in Tokio eingeführt.

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(Bild: Canon)

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Schneller, kommunikativer, attraktiver für Videografen und sparsamer soll sie sein, die nächste Generation von Canons Profikamera EOS-1D X. Es gibt noch keine offiziellen Bilder zu dem Gerät außer dem oben angedeuteten, aber eines ist sicher: Von vorne sieht sie so aus wie ihre Vorgängerin — nur mit drei anstatt von zwei Strichen für die Version. Auf der Rückseite soll sich hingegen als kleine Überraschung ein neues Bedienelement befinden, über das sich die AF-Punkte anwählen lassen sollen. Wie es aussieht, dieses Geheimnis wird erst zu einem späteren Zeitpunkt gelüftet.

Zurück zu dem, was Canon bislang preisgegeben hat. Kräftig überarbeitet wurde die Autofokus-Sektion. Vor allem hier sieht der Hersteller auch die Stärke der Profikamera gegenüber der spiegellosen Konkurrenz. Bei der Analyse des Bildes zur Motivverfolgung während des Scharfstellens setzt die Kamera nun auf künstliche Intelligenz (KI) und Deep Learning (DL). Die Autofokus-Routinen lernen dabei vom Verhalten des Fotografen. Wie genau das funktioniert, erklärt Canon allerdings bislang noch nicht. Es liegt jedoch nahe, dass das System in der Lage ist, die Motive und Szenen, die mit der Kamera aufgenommen wurden, im Nachhinein zu analysieren und die Ergebnisse zur Optimierung der AF-Algorithmen zu nutzen.

So dürfte die neue Canon EOS 1-Dx Mark III von vorne aussehen (retuschiertes Bild der Mark II). Laut Hersteller soll sich gegenüber der Vorgängerin nur der Schriftzug ändern.

(Bild: Canon)

Der neue Phasenautofokus-Sensor wird dafür eine gegenüber der Vorgängerin 28 mal höhere Auflösung erhalten. Zudem soll er vor allem bei extremen Lichtverhältnissen mit besonders hellen und dunklen Bildbereichen zuverlässiger arbeiten. Der Sensor deckt etwa 90 Prozent des Bildbereichs ab. Es gibt 525 anwählbare Felder (sowohl beim separaten als auch beim Sensor-AF), die Zahl der tatsächlichen Messpunkte soll um ein Vielfaches größer sein. Die Mark III wird zudem einen neuen Prozessor bekommen, um den neuen Ansprüchen gewachsen zu sein. Auch der Bildsensor soll komplett neu sein. Über dessen Auflösung ist noch nichts bekannt, auch nicht über den tatsächlichen Empfindlichkeitsbereich.

Neben Raw speichert die Kamera die Aufnahmen als 10-Bit-HEIF (High Efficiency Image File Format) ab. Das ermöglicht gegenüber 8-Bit-JPEGs mehr Reserven für die Bildnachbearbeitung. Zudem soll die Kompressionsrate höher sein als bei JPEG.

Die Serienbildrate will Canon bei der neuen 1Dx im Live-View-Betrieb auf 20 Bilder pro Sekunde erhöhen. Dabei soll es egal sein ob die Kamera mechanisch oder elektronisch auslöst. Bei bis zu 16 Bildern pro Sekunde und mechanischem Auslöser kann der Fotograf das Motiv noch im optischen Sucher verfolgen.

Die schnelle Bildfolge erfordert eine besonders schnelle Datenspeicherung. Dazu setzt der Hersteller nun auf einen Doppelschacht für CFexpress-2.0-Karten, das Datentransferraten bis zu 4 GByte/s ermöglichen soll. Zudem stellt die Kamera einen Zwischenspeicher bereit, der fünfmal so groß sein soll, wie bei der Canon EOS 1-D X Mark II. Damit sollte sie ohne Unterbrechung mehr als 800 Raw-Bilder aufnehmen können. Die Vorgängerin bringt es immerhin auf 170 Raws in Folge.

Auch bei den Netzwerkverbindungen soll die Neue zulegen. Canon kündigt doppelt so gute Performance für LAN, WLAN und Bluetooth an. Mit dem neuen externen WLAN-Modul (WFT-E9) soll es noch einmal um den Faktor Zwei schneller gehen. Zukünftig sollen auch alle Bedienelemente hinterleuchtet sein. Ein Feature, das so mancher Konkurrent schon seit Jahren bietet.

Die Mark III soll 4k-Video mit 60 fps und 10 Bit Auflösung aufnehmen. Raw-Video schreibt sie dabei direkt auf die interne Karte.

Trotz der gestiegenen Leistungsfähigkeit will der Hersteller die Akku-Reichweite mit 1210 Aufnahmen (mit optischem Sucher nach CIPA) mindestens verdoppeln.

Bei der Informationsveranstaltung zum Entwicklungsstand der EOS-1Dx Mark III hob Canon-Mitarbeiter Guido Krebs noch einmal die Vorteile eines DSLR-Phasenautofokus-Systems gegenüber einem Bildsensor-basierten Autofokus hervor. So lassen sich auf dem speziellen separaten AF-Sensor Kreuzsensoren realisieren. Diese haben den Vorteil, dass sie nicht nur vertikale, sondern auch horizontale Strukturen sicher erfassen. Auf einem Bildsensor lassen sich nur lineare Messfelder realisieren, da sich Bildsensoren bislang nur zeilenweise und nicht global auslesen lassen.

Die separaten Sensoren reagieren sowohl auf sichtbares als auch auf infrarotes Licht. Somit funktioniert der Autofokus mit dem IR-Hilfslicht eines Blitzes besser als beim Sensor-AF. Der Bildsensor darf nicht empfindlich für Infrarotlicht sein, da das die Farbdarstellung und die Belichtung verfälschen würde.

Der separate Phasenautofokus "weiß" bereits nach der ersten Messung sowohl die Richtung, in der er regeln muss — also ob er weiter in die Tiefe oder in den Vordergrund laufen muss, als auch das Ziel zu dem er sich bewegen muss. Der auf dem Bildsensor integrierte Phasen-AF kennt hingegen zunächst nur die Richtung, in die sich der Fokus bewegen muss, und erst danach die Lage des Motivs.

Gerüchten zufolge soll die neue Nikon D6 eine sensorbasierte Bildstabilisierung bekommen.

(Bild: Nikon)

Ein Vorteil des Sensor-AF ist, dass er immer exakt in der Bildebene misst. Der separate AF-Sensor muss bei der Fertigung erst sauber justiert werden, sonst kommt es zu Front- oder Backfokus-Effekten. Zudem ist der zusätzliche Sensor in einer Profikamera wie der EOS-1D-Serie ein bedeutender zusätzlicher Kostenfaktor bei der Herstellung. Für welches System sich Profifotografen im Endeffekt entscheiden, wird nicht von den theoretischen Vor- und Nachteilen abhängen, sondern davon, womit sie die besseren Bilder machen.

Nikon hatte bereits Anfang September in gleicher Weise über die Entwicklung der neuen Nikon D6 informiert, jedoch noch weniger technische Details herausgerückt. Auf den Gerüchte-Seiten wird jedoch spekuliert, dass die D6 eine sensorbasierte Bildstabilisierung erhalten soll. Davon war hingegen bei Canon noch nicht die Rede. Sony hat mit der A9 Mark II Anfang des Monats die zweite Generation seiner Profi-Serie vorgestellt, die noch in diesem Monat für 5400 Euro erhältlich sein soll. Sie schafft ebenfalls 20 Bilder pro Sekunde, jedoch nur mit elektronischem Verschluss. Insgesamt werden diese Art von Profikameras vorrangig bei der Sport- und Tierfotografie eingesetzt. Es bleibt also weiterhin spannend, wann und womit Canon und Nikon im kommenden Jahr der spiegellosen Konkurrenz Paroli bieten wird. (pen)